Hagenow : „Wanderprediger“ statt Polizist

Hagenow hat einen Neuen: Pastor Volker Höppner packt gerade die Umzugskisten aus.
Hagenow hat einen Neuen: Pastor Volker Höppner packt gerade die Umzugskisten aus.

Nur eine Frage ändert den Lebensweg von Krimi-Fan Volker Höppner. Er ist der neue Pastor der Hagenower Kirchgemeinde

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17. November 2015, 12:26 Uhr

Es sind fünf Minuten, die das Leben von Volker Höppner verändern. Fünf Minuten, die den damals 15-Jährigen zu dem machen, was er heute ist. Statt nach dem Abitur zur Polizeischule zu gehen, trägt sich der Krimi-Fan an der Uni ein und studiert Theologie. Für ihn Schicksal: „Ich glaube, Gott hat mich berufen, Menschen zu helfen und seine Liebe zu ihnen zu verkünden“, sagt der neue Pastor der Hagenower Stadtkirche. Am Wochenende hielt er seine ersten beiden Gottesdienste in der Gemeinde. Damit ist die Stelle nach eineinhalb Jahren wieder besetzt. Mitte Januar 2016 folgt dann sein Amtskollege Pastor Thomas Robatzek, der mit seiner Familie in das Pfarrhaus ziehen wird.

Volker Höppner packt derweil schon mit seiner Verlobten Manuela Kohnert die Umzugskisten in der Wohnung im Obergeschoss der Kirche aus. Die Erzieherin pendelt künftig zwischen Niedersachsen und Mecklenburg. „Wir führen eine Fernbeziehung. Aber wir verbringen viel Zeit miteinander“, sagt der gebürtige Hamburger, der schon einmal verheiratet war, vier erwachsene Kinder und einen Enkel hat. Der zweite ist unterwegs.

Sieben Jahre sei ein Pastor im Schnitt in einer Gemeinde. „Ich sag immer, ich bin ein Wanderprediger“, so Volker Höppner. Er studiert in Hermannsburg, Hamburg und Heidelberg, arbeitet in der Hansestadt Lübeck und in Hamburg. „Ich habs mit dem H“, sagt er und lacht. Das passe mit Hagenow. Auch Mölln, Breitenfelde und zuletzt Wilster an der Unterelbe gehören zu seinen Lebensstationen. Der stetige Wechsel, die Arbeit an Wochenenden – nicht immer leicht für das Privatleben, wie Höppner sagt. „Aber es ist eben eine Berufung für mich.“

Eine „sehr prägende Zeit“ erlebt der Kirchenmann Anfang der 1990er in Papua-Neuguinea. Die Menschen dort seien sehr direkt, manchmal sehe man schon von weitem, welche Laune sie haben. Andererseits sind die „Probleme die gleichen, wie hier“. Ob in der Ehe, Erziehung oder durch Rivalitäten. Nur gehen sie dort anders damit um. „Sie sind auf die Gemeinschaft angewiesen“, raufen sich wieder zusammen, „um zu überleben“. Hier ziehe man sich doch eher zurück, so Höppner.

Der Glaube schenkt ihm Halt, ein Fundament im Leben. Und „Gott schenkt Vergebung“, auch wenn man mal einen Fehler macht. Man müsse ihn nur wieder gutmachen und daraus für die Zukunft lernen. Trotz dieser festen Überzeugung habe Volker Höppner immer wieder mit Gott gehadert. Gerade im letzten Jahr, als ein junges Familienmitglied brutal ermordet wird.

Doch er geht gestärkt in sein Amt als Hagenower Pastor. „Es hat mich gereizt, hierher zu kommen, weil es eine gute Ökumene gibt.“ Die verschiedenen Religionen und Kirchen würden gut zusammen arbeiten. Seine Ziele in der 2400 Mitglieder starken Kirchgemeinde? Er möchte sich erstmal ins Team und in die Gemeinschaft einbringen, alles kennen lernen im ersten Jahr, um dann gemeinsam mit allen Ziele zu entwickeln. Eines kann er aber schon sagen. Er will wieder mehr Menschen taufen, auch Erwachsene. Denn Gründe für eine schrumpfende Kirche seien nicht die Austritte, sondern die Beerdigungen und immer weniger Taufen. Aber „da können wir nur Anstöße zum Nachdenken geben. Der Rest muss von innen kommen.“

Ein Anstoß, den Volker Höppner mit 15 Jahren bekommt, beginnt mit der Frage nach dem Ziel seines Lebens. Abitur, zur Polizei, Rentner. Und dann?, fragt sein Gegenüber. Der Tod und die Hoffnung auf ewiges Leben, lautet die Antwort. „Dieses Fünf-Minuten-Gespräch hat alles verändert.“

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