Nostorf : Waldkita ohne Wald und Kita

Anne-Katrin Lurse vor dem Eingang zur übergangsweisen Tagespflegeeinrichtung auf ihrem Hof.
Anne-Katrin Lurse vor dem Eingang zur übergangsweisen Tagespflegeeinrichtung auf ihrem Hof.

Bauamt LUP plant Ablehnung des Projekts im Wald zwischen Streitheide und Vier

svz.de von
31. August 2016, 05:00 Uhr

Immerhin werden die sieben für den Waldkindergarten in Nostorf angemeldeten Kinder seit dem 15. August in einer Tagespflegestelle betreut, ihre Eltern können wie geplant arbeiten gehen und die beiden Erzieherinnen Iris Ihde und Daniela Benedict erhalten Geld für ihre Arbeit. Doch das ist es nicht, was die Eltern, die Erzieherinnen und auch die Kinder wirklich wollen. Eigentlich sollen und wollen die Zwerge den ganzen Tag über an der frischen Luft klettern, toben, bauen, Ruhe finden, die Natur erleben und viel über sie lernen. Was die Kinder zum Spielen brauchen, finden sie dann draußen: Stöcke und Steine, Bucheckern, Schneckenhäuser und vieles mehr. In einer natürlichen Umgebung sollen sie zahlreiche Anregungen erhalten, sich mit der Welt auseinander zu setzen. Wenn die Lütten so erfahren, dass sie Teil der Natur sind, fühlen sie sich später auch dafür verantwortlich, ist eine Überlegung dabei.

Seit dem 1. Juli sollte der geplante Waldkindergarten in der Gemeinde Nostorf in Betrieb gehen, doch unerwartet stellte sich das Bauamt Ludwigslust-Parchim (LUP) quer bei der Genehmigung für das Aufstellen eines dafür notwendigen Bauwagens im Wald (SVZ berichtete am 14.7.2016).

So oft es geht, gehen die beiden Erzieherinnen, die jeweils eine waldpädagogische Zusatzausbildung haben, jetzt mit ihren „Frischlingen“ in den Wald. Aber sobald es dort regnet oder windig ist, haben sie keinen Schutz und die Tagespflegestelle liegt alles andere als in Laufweite.

„Mein Großer, der Hannes, fragt jeden Tag, wenn die Gruppe nicht in den Forst kann, wann sie denn wieder in ‘seinen’ Wald gehen. Die Kinder lieben diesen Ort“, erzählt Anne-Katrin Lurse, die in den letzten zwei Jahren fast nichts anderes getan hat, als das Projekt mit sechs anderen Familien auf den Weg zu bringen.

Seit dem 18. August liegt dem Verein „Waldkindergarten Frischlinge e. V.“ der Entwurf für die endgültige Ablehnung des Projekts durch Andrea Isernhagen vom Bauamt LUP vor. Dabei hatte Andreas Wißuwa als Leiter des Bauamtes LUP am 13. Juli auf Nachfrage der SVZ erklärt: „Noch haben wir das Projekt nicht wirklich abgelehnt. Wir haben den Bauherren-Vertretern nur unsere Einwände dargelegt, auf die sie immer noch reagieren können.“ Das hat der Verein mit einem Schreiben vom 9. August getan und nun doch eine negative Reaktion vom Amt erhalten.

Nach § 35, Abs. 1 Nr. 4 BauBG ist ein Vorhaben wie das Aufstellen des Bauwagens für die Waldkinder neben weiteren Voraussetzungen nur zulässig, wenn es wegen seiner besonderen Anforderungen an die Umgebung oder wegen seiner besonderen Zweckbestimmung nur im Außenbereich durchgeführt werden soll. In ihrem neuen Schreiben ist die zuständige Bearbeiterin des Bauamtes nach wie vor der Meinung, dass das bei einem Kindergarten nicht der Fall wäre und vernachlässigt völlig, dass es bei einem Waldkindergarten wohl nicht ohne Wald geht.

Unverständnis hat bei vielen Beteiligten erregt - seien es die Gemeindevertreter und der Bürgermeister von Nostorf sowie der der Stadt Boizenburg (dahin gehört Wald ), Dagmar Poltier vom Bauamt oder Forstamtsleiter Jürgen Stübe - dass es deutschlandweit schon rund 400 Waldkindergärten gibt, bei denen Sondergenehmigungen erteilt wurden. Das Konzept ist bundesweit anerkannt, erprobt, erfolgreich und wird immer populärer. Das Bauamt ist überzeugt, dass der Ort für die „Schlechtwettervariante“ im Jugendklub der Gemeinde Nostorf im Ortsteil Bickhusen als Standort für den Waldkindergarten am geeignetsten wäre, ignoriert dabei aber völlig den Einwand, dass dieser Jugendklub von der Gemeinde eine andere Zweckbestimmung hat und für den Waldkindergarten gar nicht dauerhaft zur Verfügung stehen würde.

Der Verein hat sich schon an Landrat Rolf Christiansen, Ministerpräsident Erwin Sellering und Landwirtschaftsminister Till Backhaus gewandt und um Unterstützung gebeten. Letzterer hatte sich beim Bauamt erkundigt und von Andreas Wißuwa die Auskunft erhalten, der Verein habe seine Hausaufgaben nicht gemacht. Wenn er damit gemeint hat, die Eltern hätten nicht auf die Einwände des Bauamtes reagiert, ist das nun Geschichte.

Seit sieben Tagen ist nun eine Petition für den Waldkindergarten online.

Unter https://weact.campact.de/p/waldfrischlinge können Sympathisanten mit ihrer Unterschrift das Projekt symbolisch unterstützen. 437 gibt es schon. „1000 wären toll und ein Argument“, träumt Anne-Katrin Lurse.

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