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Betriebserlaubnis für Waldkita : Wald mit oder ohne Kindergarten?

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Heute entscheidet Landrat Rolf Christiansen über die Betriebserlaubnis für die Waldkita bei Streitheide. Initiative kämpfte fast zwei Jahre

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Sogar Ministerpräsident Erwin Sellering schaltete sich in diese verfahrene Angelegenheit ein und erkundigte sich bei Rolf Christiansen, dem Landrat von Ludwigslus-Parchim, nach dem Stand der Dinge. Seit fast zwei Jahre kämpfen nun Eltern, Erzieher, das Forstamt Schildfeld und Sympathisanten um die Betriebserlaubnis für den Waldkindergarten bei Streitheide. Heute will Rolf Christiansen eine Entscheidung darüber treffen.

Eigentlich hätte der geplante Waldkindergarten in der Gemeinde Nostorf bereits am 1. Juli 2016 in Betrieb gehen sollen.

Aufstellung eines Bauwagens abgelehnt

Doch unerwartet stellte sich das Bauamt des Landkreises quer bei der Genehmigung für das Aufstellen eines dafür notwendigen Bauwagens als Schutzraum im Wald (SVZ berichtete am 14. Juli und 31. August 2016). Mitte August 2016 teilte Andrea Isernhagen vom Bauamt dem Verein „Waldkindergarten Frischlinge e. V.“ mit, dass sie durch die Aufstellung des Bauwagens die Gefahr der Entstehung einer „Splittersiedlung“ im Wald sehe. Nach Paragraph 35, Abs. 1 Nr. 4 BauBG sei ein Vorhaben wie das Aufstellen des Bauwagens für die Waldkinder neben weiteren Voraussetzungen nur zulässig, wenn es wegen seiner besonderen Anforderungen an die Umgebung oder wegen seiner besonderen Zweckbestimmung nur im Außenbereich durchgeführt werden soll. Die zuständige Bearbeiterin des Bauamtes war der Meinung, dass das bei einem Kindergarten nicht der Fall wäre und vernachlässigte dabei völlig, dass es bei einem Waldkindergarten wohl nicht ohne Wald geht.

Anne-Katrin Lurse, die Vorsitzende des Waldkita-Vereins, und ihre Mitstreiter ließen nichts unversucht, um ihr Projekt doch noch wahr werden zu lassen. Sie erkämpften eine befristete Betriebserlaubnis für eine Tagespflegestelle auf dem Lurse-Hof, um die sieben angemeldeten Kinder – deren Eltern schließlich arbeiten mussten – betreuen zu können. Sie recherchierten, dass es deutschlandweit rund 450 reine Waldkindergärten gibt, wie sie einen anstreben, für die Genehmigungen erteilt wurden. Und sie wandten sich an den Landrat Rolf Christiansen, an Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Ministerpräsident Erwin Sellering.

Fast zwei Jahre arbeitete Anne-Katrin Lurse, die eigentlich zusammen mit ihrem Mann eine Tischlerei betreibt, nur für das Projekt. Doch als das Bauamt aus brandschutzrechtlichen Gründen nun noch die Forderung nach einem Hydranten im Wald erhob, zog sie die Notbremse. Im vergangenen Herbst übergab sie in Absprache mit dem Vorstand ihren Vereinsvorsitz bis zum Ende ihrer Amtszeit im November 2016 an ihren Vater Klaus Lurse. Der Rentner aus Westfalen arbeitete jahrelang für eine renommierte Unternehmensberatung und hat große Erfahrung bei der Organisation von Projekten. Wenn er nicht für die Waldkita bei Boizenburg arbeitet, stellt er gerade ein Bildungszentrum in Tansania auf die Beine.

Brief vom Bund Deutscher Forstleute

Auch Peter Rabe, der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute, nahm sich nun des Waldkindergartens an und schrieb am 22. November an den Ministerpräsidenten: „In Deutschland gibt es über 1000 Natur- und Waldkindergärten, hunderte davon als reine Waldkindergärten mitten im Wald. In unserem Land sind es zwei bis drei dieser Art. Das Interesse steigt, aber das hier behandelte Beispiel macht betroffen, ja verzweifelt, dass wir als Land der Seen und der Wälder hier für unsere Landeskinder kaum weiterkommen“, hieß es in dem dreiseitigen Brief. Und weiter: „Nachdem mit Unterstützung der Forst das zunächst entscheidende Problem der Aufstellung eines für diese Einrichtungen üblichen Bauwagens als Schutzbedarfsunterkunft lösbar erscheint, hat nun der Landkreis die Forderung aufgemacht, dass zu diesem Bauwagen ein Hydrant installiert werden muss, damit der Brandschutz gewährleistet ist. Dies ist im Wald weder erforderlich noch realisierbar und ein absurdes Novum. Nirgends hat eine Waldschutzhütte einen Hydranten.“

Der Waldkita-Verein reichte zuletzt unter Leitung von Klaus Lurse formell einen neuen Antrag mit verbessertem Brandschutzkonzept ein, das mit Hilfe von Reinhold Tiede, dem Wehrführer der Boizenburger Ortsfeuerwehr, erarbeitet wurde. Nun ist eine zweite Tür als Fluchtweg im Bauwagen eingeplant sowie das Beheizen mit einer Gas- statt einer Holzheizung.

Am 1. April soll die Waldkita in Betrieb genommen werden, falls der Landrat positiv entscheidet, so Klaus Lurse. „Neun Kinder sind angemeldet, sechs Plätze sind noch frei. Die Kinder werden von zwei waldpädagogisch ausgebildeten Erzieherinnen betreut.“

Doch nun heißt es erst einmal, die Entscheidung von heute abzuwarten ...

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