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Walitz : Wald abgesoffen: Förster warten auf den Frost

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Forstämter Radelübbe und Jasnitz können das geschlagene Holz kaum noch bergen. Aufarbeitung des Windbruchs wird noch Monate dauern

Die Erlen stehen schön und groß im Warlitzer Bruch. Dabei sollten 200 Festmeter von hier längst in den Holzwerken sein. Die zu fällenden Bäume sind auch seit Monaten gekennzeichnet. Doch an die lange geplante Fäll-Aktion und die Neubepflanzung dieses Waldstückes braucht der zuständige Revierförster Holger Kindt nicht einmal zu denken. Der Wald ist schlicht abgesoffen, die Rücke-Gassen wertlos. Selbst mit schwerer Technik würde man sich sofort festfahren.

„So sieht es derzeit fast überall aus, wir kommen einfach nicht in die Wälder. Und wir haben noch größere Probleme, das bereits geschlagene Holz zu den Käufern zu bekommen“, resümiert Dr. Christof Darsow, der Leiter des Forstamtes Radelübbe.

Hannes Koopmann vom benachbarten Jasnitzer Forstamt kann das nur bestätigen. „Wir haben auch diese Probleme, vor allem im östlichen Bereich unseres Revieres kommen wir kaum in den Bestand. Die Wege sind wirklich in einem fürchterlichen Zustand. Es hat einfach zu viel geregnet in diesem Jahr.“

Sein oberster Chef, Landwirtschaftsminister Till Backhaus, weiß um die Sorgen. Man habe ja immer mal auf trockenere Phasen gehofft. Doch die habe es nie gegeben. Schließlich sei ein Mehrfaches an Regenmenge gefallen, resümierte er bei seinem Besuch in dieser Woche in Radelübbe.

Windbruch im Wald, selbst für Profis an der Kettensäge ist an vielen Stellen immer noch kreuzgefährlich.
Windbruch im Wald, selbst für Profis an der Kettensäge ist an vielen Stellen immer noch kreuzgefährlich. Foto: Mayk Pohle
 

Im gleichnamigen Forstamt führt die Wetterlage inzwischen zu ernsten Problem bei den Holzlieferungen. „In Standorten mit lehmigen Böden haben wir derzeit keine Chance, das schwere Stammholz der Buchen zu den Kunden zu bringen. Die warten natürlich dringend, doch wir können und wollen die Wege in den Wäldern auch nicht kaputt fahren“, sagt Forstamtschef Darsow.

Im Bereich des Forstamtes Jasnitz sieht es trotz vielfach leichter Böden nicht anders aus. Das geschlagene Holz liegt abholbereit im Wald, doch die tonnenschweren Bäume können nur mit schwerer Technik herausgeholt werden. Koopmann: „Helfen könnte uns nur eine lange und stabile Frostperiode. Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre können wir damit wohl nicht rechnen.“

Die Männer in den Forstämtern sind nicht die einzigen, die den Frost herbei sehnen. Hunderte private Selbstwerber, die ihre Vorräte ergänzen wollen, stehen mit geschärften Ketten in den Startlöchern. Zumal die Wälder noch voller Windbruch sind. Doch hier lauert die nächste Gefahr: Die Stürme haben die Stämme teils so ineinander verkeilt, dass die unter Spannung stehen. Und dann wird es selbst für Profis gefährlich.

„Wir werden in meinem Revier noch locker ein Jahr mit der Aufarbeitung der Windschäden zu tun haben. Es ist viel, und an vielen Stellen können wir auch keine Holzwerber ranlassen. Ohne Kettenschein geht sowieso nichts“, ist Förster Holger Kindt realistisch. Hinzu kommt, dass alle Spezialfirmen für Holzschnitt bis zum Anschlag ausgelastet sind. Zudem sinkt schon die Nachfrage der Holzwerber bei den Forstämtern. Durch das aktuell sehr große Holzangebot nach den Stürmen, manche Gemeinden haben in ihrer Not gar Bäume verschenkt, gibt es weniger Anfragen. Hinzu kommt: Durch die milden Winter der letzten Jahre ist deutlich weniger Holz verheizt worden.

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