Gemeinde Nostorf : Wald ab jetzt mit Kita

So gemütlich ist es im Bauwagen.
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So gemütlich ist es im Bauwagen.

Nach zweieinhalb Jahren Hartnäckigkeit startete am Dienstag die Waldkita bei Streitheide ihren Betrieb

svz.de von
03. Mai 2017, 09:00 Uhr

Was lange währt, wird endlich gut. Das können sich jetzt Eltern, Erzieher, Kinder und alle sagen, die fast zweieinhalb Jahre lang um den Waldkindergarten in der Gemeinde Nostorf gekämpft haben (SVZ berichtete am 14.7., 31.8.2016 sowie 18.1., 9.2.2017). Am gestrigen 2. Mai startete die Kita in einem Waldstück bei Streitheide ihren Betrieb. Mit Bauwagen plus Toilettenhäuschen und ohne Hydranten. „Der ist nun nicht mehr notwendig, weil wir mit diesem Waldstück einen Platz gefunden haben, von dem aus der nächste Hydrant vom Bauwagen nur 300 Meter entfernt ist und damit die Feuerwehrschläuche bis zu uns heran reichen“, erklärte Klaus Lurse, der amtierende Vorsitzende des die Kita betreibenden Elternvereins „Frischlinge e. V“, im Gespräch mit der SVZ. Wie von den Brandschützern gefordert, wurde der Holzofen im Bauwagen durch eine Gasheizung ersetzt.

„Ich muss sagen, dass wir auch seit einigen Monaten sehr positiv von der Kreisverwaltung begleitet wurden“, kann Klaus Lurse berichten. Das Bauamt des Landkreises hatte sich im August 2016 bei der Genehmigung für das Aufstellen des als Schutzraum im Wald notwendigen Bauwagens quer gestellt und damit unerwartet fast für ein Ende des Projektes gesorgt. Und das, obwohl schon zahlreiche Kinder angemeldet waren, deren Eltern wieder arbeiten gehen mussten. Nachdem sich dann aber die Waldkita-Leute sogar an Ministerpräsident Erwin Sellering gewandt hatten und sowohl von ihm als auch von Landwirtschaftsminister Till Backhaus, Landrat Rolf Christiansen und dem Bund Deutscher Forstleute Unterstützung erhielten, scheint im Bauamt ein Umdenken eingesetzt zu haben. Die Menschen, die im Alltag am meisten mit dem Wald zu tun haben, die Förster, sind große Unterstützer des Waldkindergartens - ganz besonders Jörg Stübe, der Leiter des für die Gemeinde Nostorf zuständigen Forstamtes Schildfeld.

„Die Konstruktion sieht jetzt so aus“, erläutert Klaus Lurse, „die Kita hat ihren ausgebauten Bauwagen dem Forstamt überlassen, das ja jederzeit einen Bauwagen im Wald aufstellen darf. Das Forstamt überlässt nun wiederum der Kita den Bauwagen zur Nutzung im Wald. Das ist ein bisschen lustig.“

Die Mitarbeiter vom Hygiene- und Gesundheitsamt sowie von der Unfallkasse seien nun geradezu begeistert über das gewesen, was sie in dem Waldstück bei Streitheide für den Kitabetrieb in der Natur vorgefunden hätten, erzählt Lurse, das Jugendamt sowieso.

„Wir sind auch sehr zufrieden, was bei den Entgeltverhandlungen in der letzten Woche herausgekommen ist“, meinte der inzwischen pensionierte ehemalige Unternehmensberater aus Westfalen. „133 Euro soll ein Kitaplatz bei uns kosten, für eine Betreuung von 8 bis 14 Uhr. Damit können wir gut leben.“ Da die Betriebserlaubnis für den Bauwagen nur für diese Zeit gilt, arbeitet der Verein gerade an der Ermöglichung der Anschlussbetreuung bis 17 Uhr. „Dafür stehen wir in Verhandlungen mit dem Vermieter eines jetzt leer stehenden Ladenlokals am Boizenburger Hafen. Jugend-, Hygiene- und Gesundheitsamt sehen dieses Objekt bisher positiv.“

Der Weg zwischen dem Bauwagen im Wald und dem Betreungsort für den Nachmittag solle mit Erlaubnis der Eltern durch die Erzieher mit Autos zurückgelegt werden oder mit dem Taxi.

Im Wald kamen der SVZ gestern sehr entspannte Kinder entgegen. „Wir haben eine Höhle gebaut“, sprudelte Max (6) stolz heraus. „Wir Großen“, ergänzte Moritz (5). „Aber ich hab auch den Kleinen geholfen“, erzählte Tyler (6), der zusammen mit seiner Schwester Chayenne (4) die Waldkita besucht.

Erzieherin Iris Ihde strahlte förmlich vor Glück über das Erreichte. „Das war ein langer Weg. Hut ab vor den Eltern und allen, die sich so hartnäckig für uns eingesetzt haben.“

Iris Ihde betreut zusammen mit der Sonderpädagogin Diana Prey die derzeit elf Waldkinder. Johann Beifuß, der von Anfang an als Praktikant das Projekt begleitet hat, macht eine Ausbildung zum Erzieher und kann drei Stunden täglich mithelfen. „Wir möchten uns besonders bei der Revierförsterin Petra Grützmacher bedanken, die geduldig alles mitgemacht hat. Sie ist eine Seele von Mensch“, sagt Iris Ihde noch.

Klaus Lurse bedankte sich auch bei der SVZ: „Gut, dass Sie uns begleitet haben. Das war zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr wichtig.“

Zwei Kitaplätze sind im Wald übrigens noch frei ...

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