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Wittenburg : Wahrzeichen wird generalüberholt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Schadstoffsanierung und Restaurierung der Erdholländermühle angelaufen/Fachmann Martin Zecher baut alte Mühlentechnik aus

„Hier hat der Holzwurm über die Jahrhunderte bereits ganze Arbeit geleistet“, sagt Martin Zecher und schiebt zum Beweis mühelos einen riesigen Schraubenzieher in einen der Stützbalken der alten um 1876 erbauten Erdholländermühle. Das sei tragendes Holz, sagt der 44-Jährige. „Es wird deshalb auch allerhöchste Eisenbahn, das an diesem historischen Bauwerk grundlegend etwas passiert.“

Der gebürtige Wittenburger ist stolz, dass er als Mühlenbauer den Auftrag bekommen hat, die alte Mahltechnik aus dem Gebäude zu holen. In Absprache mit den Zimmerleuten, damit diese Baufreiheit bekommen. „Die Mühlentechnik ist weitestgehend aus der Zeit um 1870 und wurde aus anderen Mühlenteilen aufgebaut“, berichtet der Fachmann, der sein Handwerk einst vom Vater Hans-Jürgen Zecher übernahm. Die jahrelang ungehindert eingedrungene Feuchtigkeit von oben wie von unten habe den desolaten Zustand der alten Mühle vorangetrieben. 1978/79 sei letztmals Hand an das Gebäude gelegt worden, mit den damals leider üblichen eingeschränkten Mitteln und Möglichkeiten.

„Die Teile, die ich ausbaue, kommen erst mal nach Harst in meine Werkstatt, wo ich sie genauestens sichte, untersuche und aufarbeitet“, betont der Mühlenbauer weiter, der in unserem Land der einzige seiner Zunft ist. Walzen, die neu geriffelt werden müssten, gingen hingegen nach Wittenberg oder Winsen/Luhe in Fachwerkstätten, weil die dort sogenannte Riffelbänke besäßen. „Alles, was Holz ist, kann ich selber machen. Einst wurde Kiefer dafür verwendet“, berichtet Zecher weiter, der aus Zeitzeugengesprächen weiß, dass die Mühle früher auch Beschädigungen durch Bombensplitter aufwies. „Vor der Mühle soll es sogar mal einen riesigen Einschlagstrichter gegeben haben. Mühlen wie auch Kirchtürme wurden im Zweiten Weltkrieg nämlich gern als Beobachtungsposten zweckentfremdet. Das machte sie verdächtig.“ Nach der Schadstoffsanierung und Restaurierung der Erdholländermühle werde die Mühlentechnik dann per Motor angetrieben. „Es soll ja mal meines Wissens sogar später für Anschauungszwecke ein Schau-Schroten stattfinden“, sagt Martin Zecher, für den es zwischen funktionsfähig und mahlfähig kaum einen Unterschied gäbe.

Für Wittenburgs Bürgermeisterin Dr. Margret Seemann sind die Aktivitäten an dem Wahrzeichen der Motelstadt längst überfällig. „Nachdem die Verkleidung abgenommen worden war, wurde festgestellt, dass die Schäden an der Mühle noch viel schlimmer sind, als erwartet und befürchtet. Aber jetzt ist ein gutes Team am Werk. Mit dem Planer Norbert Fenske haben wir einen kompetenten Experten vor Ort, der über sehr viel Sachkenntnis verfügt.“ Sie sei jedenfalls optimistisch, dass die historische Mühle bald schon wieder in altem, neuem Glanz erstrahlen werde. Dr. Margret Seemann „Momentan liegt das Investitionsvolumen für diese Maßnahme bei rund 700 000 Euro. Ein Großteil davon stammt aus Fördermitteln der öffentlichen Hand. Das Projekt wird kofinanziert aus Mitteln des Landes M-V sowie der Region über das Programm des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Hier investiert Europa sozusagen in die Förderung unseres Fremdenverkehrs.“

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erstellt am 30.Jun.2014 | 15:23 Uhr

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