Bahnhof Jasnitz : Wahrzeichen verschwindet

Der Bahnhof in Jasnitz wird abgerissen. MIt schwerer Technik ist ein Unternehmen aus der Region bei der Arbeit.
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Der Bahnhof in Jasnitz wird abgerissen. MIt schwerer Technik ist ein Unternehmen aus der Region bei der Arbeit.

Deutsche Bahn AG lässt gegenwärtig den historischen Bahnhof abreißen / Herzog von Mecklenburg ließ einst das Gebäude errichten

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03. November 2014, 16:45 Uhr

Jasnitz Den Bahnhof in Jasnitz gibt es bald nicht mehr, er wird abgerissen. Der Eigentümer, die Deutsche Bahn, hat den Auftrag ausgelöst, die Arbeiten sind fast beendet. Das Gebäude sei zu stark geschädigt, um es weiter zu erhalten, hieß es von der Bahn.

Viele Menschen aus der Region verfolgen wehmütig den Abriss. Der Bürgermeister von Picher, Detlef Christ, gehört ebenso dazu, wie Bodo Turlach aus Morass. „Es ist schade, dass der Bahnhof bald nicht mehr ist, gehörte er doch zu den dominierenden Häusern in unserem Ortsteil Jasnitz“, sagt Detlef Christ  gestern im SVZ-Gespräch. Nach den Worten von  Bodo Turlach aus Moraas, Diplom-Ingenieur im Bauwesen, hätte man  aus dem Areal dort durchaus etwas machen können. 

„Ich hatte die Idee, im Bahnhofsgebäude ein Hostel für Radfahrer einzurichten, weil hier viele Radfahrer unterwegs sind. Als ich dann Kontakt mit der Bahn aufnahm, erfuhr ich, dass das Gebäude abgerissen wird. Es wäre zu schön gewesen, wenn das geklappt hätte“, bedauert der Bauingenieur im SVZ-Gespräch.  Das rote Backsteingebäude hat einen interessanten historischen Hintergrund. 

Von den beiden Einwohnern aus Jasnitz, Claudia Haustein und Markus Hübner, erhielt die Redaktion des Hagenower Kreisblattes eine Mail zu dem Thema, darin heißt es u.a.: „Das ehemalige Empfangsgebäude mit Fürstenzimmer hatte keinen sinnvollen wirtschaftlichen Nutzen mehr, da half auch kein Denkmalschutz“, ist von ihnen zu erfahren.

Mit dem Bau des Bahnhofsgebäudes und dessen Nebengelass wurde nach ihren Informationen im Jahre 1874 begonnen. Wirtschaftliche Gründe für die Einrichtung eines Haltepunktes in Jasnitz gab es nicht, aber die großherzoglichen Jagdinteressen zogen den Herzog von Mecklenburg  in den Jasnitzer Wildpark und boten so Anlass, einen Bahnhof mit drei verschiedenen Warteräumen von der ersten bis zur dritten  Klasse zu errichten.

„1996 wurden die Türen des Bahnhof endgültig geschlossen. Der Stellwerksbetrieb wurde eingestellt, die letzten Bewohner zogen aus und das Gebäude wurde sich selbst und dem Verfall überlassen. Keine 20 Jahre später blickt Jasnitz wehmütig zum Bahnhof. Ein wichtiges Stück Dorfgeschichte und Wahrzeichen wird dem Erdboden gleich gemacht. Allerdings  sollen die  Kellergewölbe für Fledermäuse erhalten bleiben. Da der Keller einen guten Meter aus der Erde herausragt, wird man später noch erahnen können, wo einst der Bahnhof Jasnitz stand“, heißt es abschließend.  Ein Bahnsprecher sagte auf SVZ-Nachfrage, dass das Gebäude massive Nässeschäden habe. „Ohne Zweifel kann man das Gebäude von außen besehen als ,schön’ bezeichnen. Die Dachkonstruktion, sämtliche Decken und das Sichtfachwerk sind durch Nässe stark angegriffen. Um den Betrieb der Strecke Hamburg - Berlin sicherzustellen, hat man sich für den umgehenden Rückbau entschieden“, heißt es von der Bahn.

Weitere Gebäude an der Hauptstrecke Hamburg-Berlin sind derzeit nicht zum  Rückbau vorgesehen, so die  abschließende Info von der Bahn.

KOMMENTAR von Dieter Hirschmann

Der Ort  verliert an Charme
Die Deutsche Bahn als Eigentümer hat sich  nicht um den Erhalt des Gebäudes gekümmert.  Jetzt ist es zu spät,  die Nässeschäden waren zu groß, deshalb wird es abgerissen. Das ist schade, denn Jasnitz verliert damit an Charme, der Haltepunkt wird einer von vielen. Mit etwas mehr Weitsicht wäre eine Zukunft für den einstigen Fürstenbahnhof  möglich gewesen.  Doch das war vom Eigentümernwohl nicht gewollt.

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