Zahrensdorf : Vorläufiges Ende einer langen Flucht

<p>Die erste Mahlzeit in Zahrensdorf in der Nacht zu Dienstag nach stundenlanger Busfahrt von München. Um die Versorgung kümmert sich eine Mannschaft der BBS Start GmbH. </p>
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Die erste Mahlzeit in Zahrensdorf in der Nacht zu Dienstag nach stundenlanger Busfahrt von München. Um die Versorgung kümmert sich eine Mannschaft der BBS Start GmbH.

In Zahrensdorf bei Boizenburg sind 60 Flüchtlinge nun in der Turnhalle untergebracht / Kein einhelliger Jubel bei großer Hilfsbereitschaft

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08. September 2015, 21:00 Uhr

Kurz vor 23 Uhr sind sie dann plötzlich da. Still, ohne ein Wort kommen die Flüchtlinge aus dem Bus mit Erdinger Kennzeichen. Nach stundenlanger Fahrt direkt aus München kommend sind sie nun in Zahrensdorf bei Boizenburg gelandet. Wieviele es sind? Das muss erst gezählt werden. Woher sie kommen? Das weiß im Moment der Ankunft niemand. Die meist jungen Männer stehen fast verschüchtert mit ihrer wenigen Habe da und warten. Erst nach ein paar einladenden Gesten der wartenden Leute von der BBS-Start und von der Amtsvorsteherin Angelika Voß gehen alle still in die vorbereitete Halle. Für die Zahrensdorfer ist das Flüchtlingsthema damit konkret geworden, sehr konkret.

Beifall und Willkommensrufe gibt es im Dorf für die Neuankömmlinge nicht. Großes Interesse schon. Seit den Mittagsstunden ist das Dorf bei Boizenburg durch die Rundfunkmeldungen berühmt geworden. Immer wieder fahren Autos an der Sporthalle einer früheren Schule (die es nicht mehr gibt) vorbei. Und schon am Nachmittag tauchen erste Nachbarn auf, die Spenden bringen. Kinder mit Spielsachen, Jugendliche, die Kleidung bringen.

Die bayerischen Busfahrer wissen kaum wo sie sind, als sie sich auf den Rückweg nach München machen. Chaotisch geht es zu, nicht nur in München. Über Stunden wusste der Landkreis nur, dass ein Bus mit wahrscheinlich 60 Flüchtlingen kommen soll. Keine Telefonnummer war zu bekommen, keine Nachricht, das Helferteam von der BBS-Start weiß am Ende gar nicht mehr, wie es das vorbereitete Essen warm halten soll.

Umringt von Sanitätern, Polizisten, Mitarbeitern des Landesamtes und der Kreisverwaltung verteilen sich die Flüchtlinge auf die Feldbetten. Auch hier herrscht fast absolute Stille. Auch beim Essen wird nicht gesprochen. Ab und zu gibt es ein leichtes Lächeln. Währenddessen sind die Kinder längst im Schlaf versunken, jedes bekommt noch ein Kuscheltier unters Kopfkissen geschoben.

Kurz vor 19 Uhr hatte sich Wolfgang Schmülling, stellv. Landrat mit dem Team von BBS-Start, einigen Sympathisanten und der Polizei vor der Zahrensdorfer Halle aufgestellt. Wenig später kommt auch Landrat Rolf Christiansen dazu. Gemeinsam wird gewartet, stundenlang. Dennoch, die Flüchtlinge sollen ordentlich begrüßt werden. Zustände, wie sie in den vergangen Tagen zumindest zeitweise in der Horster Einrichtung geherrscht haben, soll es nicht noch einmal geben. Vor allem soll niemand im Freien campieren müssen. Kurz vor dem Eintreffen des Busses muss der Landrat doch nach Horst, die Lage in der überfüllten Einrichtung hat sich wieder zugespitzt.

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