Schwarzlichttheater Hagenow : Vor der Illusion kommt die Arbeit

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Der Kulissenbau für das Schwarzlichttheater "Der Nussknacker" hat am Wochenende begonnen. 30 Kinder machen mit bei Hagenows größtem Bühnenprojekt.

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18. Juni 2012, 10:14 Uhr

Hagenow | Sonnabendnachmittag im Freizeithaus. Julie und Pauline rühren mit Holzstäben im Eimer durch dicken Kleister. Vor ihnen liegt ein Mäusekopf mit Ohren so groß wie Tischtenniskellen. Eben noch haben die beiden Zeitungen um das Drahtgeflecht gewickelt, Ohren und Augen geformt. Jetzt fährt Julie mit ihren klebrigen Händen über den Mäusekopf und lacht. "Das ist wirklich sehr viel Arbeit", sagt sie. "Aber es ist auch sehr sehr lustig."

In sechs Monaten wird Julie in der abgedunkelten Turnhalle auf der Bühne stehen und ihren Arm in einen der vielen selbstgebastelten Mäuseköpfe stecken. Der Kopf wird neonfarben leuchten. Julie - ganz in Schwarz gehüllt - bleibt für die Zuschauer unsichtbar. Mit 16 anderen Kindern wird sie im Schwarzlicht die Geschichte von Klara und dem bösen Mäusekönig erzählen und dabei viele magische Momente schaffen. Theaterpädagoge André Maneke nennt es "große Zauberei", für die man hart arbeiten müsse. "Noch sind wir ganz am Anfang", sagt er. "Wir sammeln Ideen, probieren und verwerfen wieder."

Maneke steht im Keller des Freizeithauses und schraubt mit vier Kindern Holzplatten zu einem Tannenbaum zusammen. "Wie man sieht, braucht es für die Illusion auf der Bühne am Anfang ganz viel Handwerk."

Es ist eines der ersten Wochenenden, an dem alle Akteure zusammenkommen. Sie übernachten im Freizeithaus und verbringen den Tag in ihrer Arbeitsgruppe. Die einen kleben, die anderen malen, wieder andere sägen und feilen. Genau 30 Arbeitstage bleiben den Kindern zwischen ihrem ersten Zusammentreffen und der Generalprobe. "Viele von ihnen haben schon beim Schwarzlichttheater vor zwei Jahren mitgemacht", sagt Simone Förster, die Leiterin des Freizeithauses. "Sie wissen also, wieviel Stress und Arbeit das macht. Und trotzdem wollen sie wieder dabei sein. Das ist ein gutes Zeichen."

Seit Jahren führt das Freizeithaus ein Schwarzlichttheater für die Schulen und die Stadt Hagenow auf. Erstmals in diesem Jahr wird dazu getanzt. Das Tanzlehrerpaar Tschapek aus Schwerin studiert parallel zu der Arbeit der Kulissenbauer mit einer Gruppe Mädchen Tänze zur Musik von Tschaikowskis "Nussknacker " ein. "Wir sind gespannt, wie wir dieTänzer am Ende mit dem Schwarzlicht in Szene setzen", sagt Simone Förster.

Im Oktober stehen Tänzerinnen und Schwarzlichtakteure das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. "Dann beginnt die spannendste Phase", sagt André Maneke. " Alle stehen unter Strom, denn die Zeit scheint davonzulaufen." Doch Simone Förster ist mit den Jahren gelassener geworden. "Vorher geht immer so viel schief, aber am Ende wird doch alles gut und die Zuschauer gehen glücklich und erstaunt nach Hause."

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