Botanische Rarität nicht Bedroht : Von Waldlilien und Schnecken

Wolfgang Kniep an einer  nordamerikanischen Waldlilie, die sonst rot und nicht weiß blüht.  Fotos: Thorsten Meier
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Wolfgang Kniep an einer nordamerikanischen Waldlilie, die sonst rot und nicht weiß blüht. Fotos: Thorsten Meier

Wolfgang Kniep aus Leisterförde besitzt eine botanische Rarität und hat dank seiner Weinbergschnecken keine Braunen Wegschnecken

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10. Mai 2017, 12:00 Uhr

„Meine nordamerikanischen Waldlilien blühen. Es sind Pflanzen, die man in keiner Gärtnerei findet, und die auf Raritätenmärkten wie Kiekeberg bei Hamburg zu geradezu unfairen Preisen angeboten werden. Und die ,Rosa Schönheit’ gibt es selbst dort nicht“, schrieb uns kürzlich Wolfgang Kniep. Die Begeisterung über seine botanische Sensation erleben wir dann hautnah bei einem Lokaltermin. „Mein Vater war nicht nur ein begnadeter Gärtner, sondern auch ein leidenschaftlicher Botaniker. Er hat sich die Urpflanze in Greifswald in einem botanischen Garten eingetauscht. Da war ich noch ein kleiner Junge“, erinnert sich der 67-Jährige, der 1998 zurück in sein Heimatdorf gezogen sei. Seitdem pflege er die Pflanze weiter, die nur schwer zu vermehren sei und keine volle Sonne vertrage. „Deshalb trauen sich professionelle Gärtner da auch nicht ran, weil zwischen Aussaat und erster Blüte etwa zehn Jahre vergehen.“ Der Boden sei der frostharten Pflanze gelinde gesagt egal, berichtet der gebürtige Leisterförder im SVZ-Gespräch. Einige Meter weiter präsentiert er die Kinderstube der rot- und weißblühenden Schönheiten. Er habe mehrere hundert Pflanzen, doch nur eine davon blühe, berichtet Kniep und erzählt im selben Atemzug, dass die Waldlilie uralt werden könne. „Wahrscheinlich älter, als ein Menschenleben.“ Dann verfinstert sich sein Gesicht, als die Sprache auf die Spanische Wegschnecke kommt, die keine natürlichen Feinde habe. In seinem Garten hätten die braun-glitschigen Gesellen keine Überlebenschance. Dank der Gesundheitspolizistin namens Weinbergschnecke.

„Man sagt ihr zu Unrecht nach, sie fräße Blumen und Gemüse. In Wahrheit ernährt sie sich überwiegend von kranken oder abgestorbenen Pflanzenteilen, beispielsweise den unteren, verdorbenen Salatblättern. Auch dass sie nur auf kalkreichen Böden vorkämen, ist ebenfalls ein weit verbreiteter Irrtum. Aber jetzt kommt’s: Ihre neueste Leibspeise sind die Eier der Spanischen Wegschnecke. Diese braune Pest breitet sich zunehmend bei uns aus und hat schon manchen Gärtner zur Verzweiflung gebracht. Sie frisst alles, aber niemand frisst sie, denn sie schmeckt bitter. Kein Igel, keine Kröte, kein Vogel rührt sie an - von der Indischen Laufente mal abgesehen, die aber auch nicht jeder frei im Garten laufen lassen will. “ So habe der eingeschleppte Schädling hier nur einen „indirekten“ Feind: die Weinbergschnecke. Die habe es – toi toi toi – bisher über viele Jahre geschafft, die Nacktschnecken aus seinem Garten fern zu halten, obwohl es von denen rundherum nur so wimmele. „Wo die Weinbergschnecken reichlich vorkommen, haben ihre nackten Verwandten keine Vermehrungschance. Noch ein Tipp: Da Weinbergschnecken Zwitter sind, hat jeder garantiert ein ,Pärchen’, wenn er zwei von ihnen aussetzt.“ In Südfrankreich und Spanien würden sie bekanntlich gegessen. „Deshalb gibt es dort ja auch so viele von den ,braunen Ungeheuern’“, ist sich Kniep sicher.

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