Grenzmuseum Leisterförde : Von Schandmauer und Schießwut

Die Zonengrenze aus Sicht der Westdeutschen.
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Die Zonengrenze aus Sicht der Westdeutschen.

Freilicht-Grenzmuseum Leisterförde erinnert an das schwärzeste Kapitel deutscher Trennungsgeschichte

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31. August 2015, 08:00 Uhr

„Es ist immer wieder erschütternd, dass es diese Schandmauer samt ihrer schießwütigen Grenzer je gegeben hat“, sagt Christel Buck aus Cuxhaven und schüttelt den Kopf. Dass es nicht nur die Schüsse aus den Kalischnikows und Makarows waren, die so manch blutjunges Leben abrupt beendeten, sondern die perfide Grenztechnik der Streckmetallzäune, Selbstschussanlagen und Kfz-Sperrgräben, bereitet ihr noch heute Unbehagen. „Das waren Deutsche, die sich so etwas Abscheuliches und Unmenschliches ausgedacht haben. Unfassbar.“ Ihrem Mann Wolfgang geht es nicht anders: „Beschämend. Mehr fällt mir zu diesem schwärzesten Kapitel deutsch-deutscher Trennungsgeschichte nicht ein.“ Er sei froh, dass es eine friedliche Revolution vor 25 Jahren vermocht habe, die Teilung rückgängig zu machen. „Sonst könnten wir heute nicht als Radtouristen von Lauenburg bis zum Priwall dem ehemaligen Grenzverlauf folgen.“

Worte, die wohl keiner besser verstehen könnte, als Wolfgang Kniep. Der 65-Jährige konnte Dank des Mauerfalls wieder in sein Heimatdorf Leisterförde zurück. Dorthin, wo einst auch seine Wiege stand. Zusammen mit dem Landschaftspflegeverein Mecklenburgisches Elbtal, Heidelandschaft, Schaalsee e. V., der Menschen aus Ost und West vereint, der Naturschützer, Jäger und Touristiker an einem Strang ziehen lässt, wurde damals begonnen, die Heidelandschaft zu erhalten. „Durch gemeinsame Arbeit, kommt man auch ins Gespräch und kann so mitunter Vorurteile abbauen“, sagt Kniep. Es ginge um einen etwa sechs Kilometer langen und rund 50 Meter breiten Streifen, der früher Grenzbereich gewesen sei. Und sich von Leisterförde bis in den Boizenburger Raum hinziehe.

„Während dieser Zeit kam uns die Idee, Geschichtliches zu bewahren. Dieses Projekt haben Regional-Schüler und Gymnasiasten aus Büchen und Wittenburg aufgegriffen. Sie recherchierten anderthalb Jahre lang über die Befindlichkeit der Menschen, die entlang der Grenze und des Todesstreifens gelebt haben. Dabei wurden 16 Zeitzeugen interviewt. Ziel sollte eine 30-minütige Doku sein.“ Während dieser Zeit hätten sich die jungen Leute einmal pro Monat bei ihm, Kniep, getroffen. Von den Zeitzeugen seien schließlich sieben ausgewählt worden, deren Geschichte man habe erzählen wollen.

„An nur einem Wochenende entstand so der Film. In dieser Zeit beschloss die Stadt Boizenburg, das Elbberg-Museum umzugestalten. Das Grenzmuseum musste dort weichen. Wir als Verein haben deshalb angeboten, es aufzunehmen. Nämlich in der Nähe des einstigen Signalzaunes. Die Schüler haben die gesamte Beschriftung entworfen, so ist vieles auf diesen eingezäunten rund 500 Quadratmetern auch selbsterklärend.“

Wesentlich dabei sei, dass die Jugendlichen sich mit einer Stufe jüngster Geschichte auseinander setzten, die sie selbst nicht erlebt hätten, aber Wissen und Emotionen erwarben, welche sie nun anderen Menschen vermitteln könnten.

„Daher war neben der ansprechenden Gestaltung des Museums das Hauptziel des Projektes, die Fähigkeit der Weitergabe erworbener Erfahrungen bei Touristenführungen unter Beweis zu stellen. Vorbereitung und Durchführung solcher Führungen war überwiegend den Jugendlichen überlassen, wurde aber durch die Projektleitung und den Landschaftspflegeverein begleitet und ,bewertet’. Ergebnis war die Übergabe eines Zertifikats durch die Vhs, das die Qualifikation der Akteure (z.B. gegenüber Tourismusunternehmen) unter Beweis stellt.“ Von 2007 bis 2008 habe die Kreisvolkshochschule Ludwigslust das Vorhaben „Grenzerfahrungen“ zur Erforschung der jüngeren Geschichte beiderseits der ehemaligen „Staatsgrenze West“ durchgeführt. Dieses grenzübergreifende Projekt habe Schülern aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Gelegenheit gegeben, sich gemeinsam mit Schicksalen, Entwicklungen und Ansichten der jüngeren Geschichte im grenznahen Raum zwischen Boizenburg und Zarrentin (Ost) sowie Lauenburg und Gudow (West) auseinander zu setzen. Dabei ging es sowohl um geschichtliche Ereignisse und Befindlichkeiten vor der Grenzöffnung, als auch um Entwicklungen und Ansichten nach Anschluss der DDR an die Bundesrepublik. Neben Eindrücken, politischen Wertungen und zu entwickelnden Haltungen wurden auch Chancen aufgezeigt, Unrecht nicht zu Vergessen, aus Erfahrungen zu lernen und aktiv an der Gestaltung des grenznahen Raumes mitzuwirken.

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