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Svz-Fragen zum Wochende : Von Leder und stumpfen Nadeln

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Sattlermeister Maik Kartaschewski macht die Arbeit besonders glücklich. Fleisch ist für ihn das bessere Gemüse, gesteht der 48-Jährige

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 14:11 Uhr

Der typische Geruch von Leder ist es, der einem entgegenweht, sobald man Maik Kartaschewskis Werkstatt betritt. Linkerhand sind die vollendeten und abholbereiten Sättel, feinsäuberlich übereinander gestapelt. Die große Nähmaschine fällt sofort ins Auge. Zwischen den Bergen aus Lederresten befindet sich seine Werkbank und der Schneidtisch. Er habe bereits seit 2012 seine Sattlerfirma in Redefin und beweise somit, dass traditionelles Handwerk in der heutigen, schnelllebigen Zeit durchaus beständig sein könne. „Ich finde es sehr schade, dass immer weniger Menschen Ahnung von Lederqualität und Materialpflege haben. Die meisten kaufen sich einen Lederimitat-Gürtel für wenig Geld und wundern sich hinterher, dass dieser so schnell kaputt gegangen ist“, meint der gebürtige Kühlungsborner. Leder sei ein Naturprodukt, es lebe trotz Verarbeitung weiter und müsse stets sorgfältig gepflegt werden. Sattler sei er bereits seit etwa 31 Jahren und habe seinen Meister 1993 in Potsdam gemacht, erzählt der Fachmann. Und mittlerweile stelle er nicht nur Materialien für den Reitsport her, sondern repariere auch Schuhe, Handtaschen und kleinere Lederteile. „Meine Arbeit macht mich glücklich“, verrät Kartaschewski im SVZ-Gespräch. Wenn mechanische Probleme an einem Produkt beseitigt werden müssten, bräuchte er dafür nur einen knappen Arbeitstag. „Baue ich aber einen Sattel ganz neu, benötige ich eine gute Woche“, stellt er fest und zeigt die Rohfassung eines zukünftigen Ledersitzes. „Baum“- nennt man das Baustück, das als Gerüst für den späteren Sattel dienen wird. „Frauen wollen oft und gerne viele Applikationen und Nahtreihen auf ihren Sitzen. Das sieht zwar schön aus, die Anfertigung dauert aber auch dementsprechend etwas länger“, weiß Kartaschewski. Er vernähe Nähte lieber per Hand, als mit der Maschine. „So kann ich das Material besser spüren. Außerdem verwende ich dafür nur stumpfe Nadeln. Die durchstoßen das Leder besser.“ Auch wenn der Sattlermeister durchaus viel Zeit im Pferdestall mit Reiter nebst Pferd verbringe, könne und wolle er sich gar nicht selbst in den Sattel schwingen. „Es nützt doch nichts, wenn ich dem Kunden beim Termin erst einmal großkotzig zeigen würde, wie er sein Pferd am besten mit dem neuen Produkt reiten könnte. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen“, betont er, bezeichnet sich selbst als „ehrliche Haut“ und lacht.

SVZ-Mitarbeiterin Franziska Meier beantwortete der 48-Jährige die belieben Fragen zum Wochenende in seiner Produktionsstätte in Redefin.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Spaß und Zufriedenheit an der Arbeit haben.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In meiner Werkstatt, entweder an der Nähmaschine oder am Schneidetisch. Dort kann ich sehr kreativ sein und es entscheidet sich meistens, ob das Bauprojekt in die Richtige Bahn geleitet wird.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Das war im Februar, 1985. Da habe ich direkt nach meiner Lehre zehn Halfter angefertigt.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für neues Leder und Werkzeug.
Wo findet man Sie am ehesten?
Entweder in meiner Werkstatt oder in irgendeinem Pferdestall.
Was stört Sie an anderen?
Wenn jemand die Einstellung hat, dass Mittelmäßigkeit grade gut genug ist. Oder auch die „Geiz ist Geil“- Mentalität.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mein alter Herr. Er hat mir viel für das Leben beigebracht. Gerade, was die Lebenseinstellung betrifft.
Was würden Sie gern noch können?
Mehrere Sprachen sprechen können. Beispielsweise: Polnisch, Russisch und Englisch.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Wenn ich den Kunden und das Pferd glücklich gemacht habe. Und das allein durch mein Handwerk.
Wen würden Sie gern einmal treffen?
Georg D. Kannemeier, Seniorchef der Sattlerfirma „G. Passier & Sohn“. Die führen noch ein traditionelles Geschäft, wo ein Wort auch noch ein Wort ist.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Fleisch. Das ist mein Gemüse. (lacht)
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Omas Küche. Beispielsweise Schweinebraten. Denn an das Fleisch gehört für mich Fett, sonst schmeckt das wie Schuhsohlen.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Arbeit.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Dass ich endlich mit dem Ausbau meiner Werkstatt fertig werde.
Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Ehrlich.
Wo ist für Sie Heimat?
In Redefin und in meinem Reich.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
1. Dass der Tag manchmal 48 Stunden hat.
2. Von anderen Leuten mehr Verständnis für das Leben und das Handwerk.
3. Gesundheit.
Welches ist Ihre erste Erinnerung an das Reisen?
Das war tatsächlich erst vor drei Jahren. Da sind wir über Weihnachten für fünf Tage in die Türkei geflogen. Wir waren sozusagen im Winter baden, das hatte auch was für sich.
Wie wichtig ist die Liebe in Ihrem Leben?
Die Liebe ist mir sehr wichtig in meinem Leben.
Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Da fällt mir wirklich gerade keiner ein.







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