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Hagenower Kreisblatt

18. Dezember 2017 | 02:29 Uhr

Tripkau : Von Kreuzen und dem über Kreuz sein

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Diskussion und Aussprache in der Tripkauer Kirche

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 15:59 Uhr

„Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen“ titelte die SVZ am Montag des 4. August’s und sorgte mit dem Beitrag über die ungewöhnliche Ausgestaltung der Kirche in Tripkau für große Aufregung. Menschen fühlten sich angegriffen, es gab zwei Leserbriefe, einer pro und einer contra, und schließlich den Vorschlag, darüber noch einmal zu reden.

Das geschah am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Kirche in Tripkau. Gottesdienstbesucher setzten sich mit Pastorin Renate Schieferdecker zusammen, tauschten ihre Meinungen zum Zeitungsartikel , dem Umgang damit und zur Gestaltung der Kirche aus. Sofort wurde deutlich, wie unterschiedlich die Meinungen zur Gestaltung des Kirchenraums immer noch sind.

Die Pastorin stellte jedoch zunächst klar, wie es zu dem Artikel gekommen sei, dass sie vom Redakteur der SVZ angesprochen und befragt worden sei. Es gab unter den Lesern offensichtlich wohl solche, die der irrigen Meinung waren, der Beitrag sei von der Pastorin lanciert worden. Hier setzte auch die Kritik der Journalistin Karin Toben ein. Es handele sich um einen Artikel in der Welt der freien Presse, so Toben, Frau Schieferdecker habe lediglich auf die Fragen eines Journalisten geantwortet. Doch die Gegenrede kam prompt. „Ich fand den Artikel nicht gut, im Besucherbuch stehen auch positiv Einträge. Wir haben uns mit der Ausgestaltung angefreundet, diese Kirche ist ein Kleinod und außerdem sitze ich hier, um zu beten und nicht wegen der Kunst“, meinte eine Gottesdienstbesucherin. Eine andere betonte hingegen, sie fühle sich durch die, ihrer Meinung nach, unruhige Gestaltung in der Andacht gestört.

Ein junge Frau äußerte ihren Ärger über den ihrer Ansicht nach einseitigen, negativen Beitrag, sie habe ein Beziehung zu dieser Kirche und fände es toll, dass die Gestaltung zum Dialog anrege.

Ute Jahnke aus dem Kirchenvorstand meinte, sie wisse nicht, warum man 16 Jahre nach der Ausgestaltung noch darüber diskutieren müsse. Ob man den Innenraum so möge oder nicht, sei jedem selbst überlassen. „Was mich aber aufwühlt ist, dass danach Personen angefeindet wurden und, dass sich aus meiner Sicht innerhalb der Kirchengemeinde Gruppierungen gebildet haben. Dabei sollten wir als Christen eine Gemeinschaft bilden.“ Matthias Borsch sagte, er schätze an der Gestaltung gerade die Unruhe, die gehöre zum Christentum dazu und Silke Kowalski fragte, ob man angesichts der unzähligen Kreuze hinter das Leben der Opfer politischer Fehlentscheidungen, von denen man im Moment täglich erfahre, nicht ganz andere Sorgen habe, als Kreuze im Innenraum der Kirche zu zählen? Ein Besucher, der sich als Architekt vorstellte, sah Kirche und Innenraum entkoppelt. „Sie haben eine Kirche verloren und ein begehbares Kunstobjekt gewonnen.“ Pastor im Ruhestand, Bernhard Ullrich, rekapitulierte, wie es seinerzeit zu der Entscheidung über die Ausgestaltung durch Professor Ehrler gekommen sei. „Das Modell der Ausgestaltung hat ein halbes Jahr im Gemeindehaus gestanden. Die Reaktionen waren auch damals sehr unterschiedlich, aber in der Gemeindeversammlung gab es dann eine deutliche Mehrheit dafür.“ Als nach einer guten Stunde Pastorin Renate Schieferdecker zusammenfasste, legte sie den Finger in die Wunde. „Dass Sie den Artikel so interpretiert haben, scheint mir ein Symptom dafür zu sein, dass wir (sie und ihre Mann, Pastor Matthias Schieferdecker) hier noch nicht besonders gut akzeptiert sind und das scheint mir ein Gegenstand zu sein, der unabhängig ist vom Artikel und der eine besondere Bearbeitungseben benötigt.“

Auch wer nicht über Interna in der Kirchengemeinde Bescheid weiß, konnte ebenfalls genau diesen Eindruck gewinnen.

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