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Hagenower Kreisblatt

22. September 2017 | 20:44 Uhr

Warlitz : Von der Kunst des Lehmofenbaus

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Warlitzer „Ofengruppe“ ist den Kinderschuhen entwachsen. Lehmbauwerk soll im Mai einsatzbereit für die ganze Gemeinde sein

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Männer, zumal auf dem Land, brauchen eine Aufgabe, ein Ziel. Einige Männer in Warlitz und Goldenitz haben seit Monaten beides. Sie wollen einen Lehmofen bauen, einen großen Ofen, der ein ganzes Schwein aufnehmen kann, und der auch noch nachheizbar ist. Klingt zunächst simpel, ist aber kompliziert, denn Vorlagen oder eine Bauplan dafür gibt es nicht.

Anlass für das ungewöhnliche Projekt und die Gründung der „Ofengruppe“ ist ein besonderer Bau der Gemeinde. Die hat im vergangenen Jahr nahe „Gretas Heimatstube“ einen Fachwerkbau mit Raum für die Menschen in der Gemeinde errichtet. Und in diesem edlen „Schuppen“ gibt es eben auch einen kleinen Raum, der den Lehmofen aufnehmen wird.

Zum engeren Kreis gehören André Zielke, Stefan Matz, der Goldenitzer Stephan Puls, Bert Meier, Steffen Dankert, Roy Breme und Bürgermeister Peter Holm. Allein die Maße von 1,40 Meter Länge, einem Meter Breite und einer Höhe von 70 Zentimetern umreißen die Größe der Aufgabe. Denn um die hölzerne Hülle herum müssen die Männer nun mindestens zwei Lehmschichten aus Lehmsteinen und flüssigem Lehm bauen und trocknen, ohne das Risse entstehen. Und stabil soll es ja auch noch werden.

Den Lehm hat sich die Gruppe über das Internet aus einem Abrisshaus nahe Rerik „besorgt“ und geholt. Inzwischen gab es schon die ersten Bauschichten. In den kommenden Tagen soll es an die zweite Lehmschicht gehen.

Schon vor seiner Inbetriebnahme ist der Warlitzer Lehmofen berühmt geworden. Die Geschichte wurde auch in einer sächsischen Zeitung bei den Städtepartnern von Roßwein veröffentlicht.

Nicht nur Bürgermeister Peter Holm ist regelrecht angefixt von dem Projekt. „Ich weiß gar nicht, wieviele schon deswegen bei mir oder den anderen nachgefragt haben. Wichtig ist nur, es ist ein Projekt, das den Zusammenhalt in der Gemeinde stärkt. Von dem Projekt, wenn es denn fertig ist, werden ja viele etwas haben.“ Und für ihren Ofen unternehmen die Lehmofenbauer auch weite Reisen. Schamottsteine und Teile des Abzuges erstanden sie jetzt günstig in einem Stettiner Baumarkt.

So ein Ofen braucht in der Bauphase viel Leibe und Pflege, und gerade jetzt auch Wärme. So hatten die Erbauer in den vergangenen Tagen immer auch einen kleinen Ofen im Nachbarraum zu heizen, damit der Lehmofen vom Frost verschont blieb und keine Risse zeigt. Das mit dem schonenden Umgang wird auch in Zukunft so bleiben. Stefan Matz, einer der Beteiligten, schätzt zwar, dass man den Ofen später mit bis zu 300 oder 350 Grad fahren kann. „Aber da muss man erst einmal hinkommen, das bedeutet, man muss ihn langsam anheizen und dann Schritt für Schritt die Temperatur steigern. Sonst reißt er.“ Schon jetzt ist klar, dass man diesen Ofen nicht einfach wird mieten können. Einer der Beteiligten werde immer dabei sein müssen. Bürgermeister Holm verweist auch darauf, dass das Ofenhaus und Gretas Heimatstube in erster Linie für die Bewohner der Gemeinde gedacht seien und nicht einfach so mal gebucht werden könnten. Anfrage dafür gab es schon. Im Mai wollen die Ofenbauer soweit sein, dass sie ihren Lehmbau mit einem Festessen testen können. Bis dahin soll auch ein Plan stehen, wie der neue Dorfplatz vor dem Haus einmal aussehen könnte.

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