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Hagenower Kreisblatt

21. September 2017 | 16:19 Uhr

Büchen : Vom Grenzort zur Drehscheibe

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die kleine Gemeinde Büchen stemmt den Ausbau ihres auch für MV wichtigen Pendlerbahnhofs. Die größte Förderung für das Projekt der Metropolregion

svz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 06:25 Uhr

Wer zum ersten Mal Büchen als Pendlerbahnhof nach Hamburg oder Berlin benutzt, traut seinen Augen nicht. Der Park & Ride Parkplatz ist schwer zu finden, die Auffahrt dann für das Auto lebensgefährlich, der Weg von dort zum Bahnsteig so lang, dass der anvisierte Zug wahrscheinlich weg ist. Wer sich für die Wartezeit auf den nächsten Zug an einem Abend in ein Bistro zum Essen setzen oder sich wenigstens mit einem Kaffee die Zeit vertreiben möchte - Pustekuchen. Wer dann auch noch auf die abwegige Idee kommt, eine Toilette aufsuchen zu wollen und keine findet, weil es den Toilettenschlüssel nur während der Öffnungszeiten des Backstandes gibt, weiß spätestens jetzt: Das hier ist kein Weltbahnhof. Auch kein Metropolenbahnhof. Aber es ist der erste Bahnhof von Schwerin, Hagenow und Boizenburg aus gesehen, der an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) angeschlossen ist, wodurch die Fahrzeit zum Hamburger Hauptbahnhof nur zwischen 22 und 30 Minuten dauert. Und deshalb ist dieser Bahnhof für Hunderte von Menschen aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim und Schwerin der Verkehrsknotenpunkt, an dem sie täglich auf dem Weg zu und von ihrer Arbeit umsteigen. Aber auch für Pendler aus Richtung Lüneburg oder Lübeck ist Büchen ein wichtiger Umsteigebahnhof. Etwa 4  000 Fahrgäste kommen hier täglich an - und fahren meistens mit Auto, Bus, Fahrrad oder auch der Bahn weiter.

Um wenigstens die Parkplatz-Situation zu verbessern, hat die 6  000-Einwohner-Gemeinde Büchen jetzt die Sache in die Hand genommen. Seit Montag wurde mit den Baumaßnahmen zur Schaffung von 500 modernen Pendlerparkplätzen und weiteren Sammelanlagen mit Schließfächern für Fahrradfahrer begonnen. Ende 2018 soll das Bauprojekt fertig sein. Finanziert wird das acht Millionen Euro teure Projekt zu 75 Prozent vom Land Schleswig-Holstein, die kleine Gemeinde Büchen trägt zwei Millionen Euro. Holger Wege übergab gestern für die Metropolregion Hamburg einen Förderbescheid über knapp 510  000 Euro. „Das ist die größte Förderung der Metropolregion für ein Einzelprojekt, an die ich mich erinnern kann“, sagte er aus diesem Anlass.

„Das war ein weiter Weg“, erklärte Bürgermeister Uwe Möller auf die Frage der SVZ, warum der ehemalige Grenzbahnhof erst jetzt, 27 Jahre nach der Wende, ausgebaut wird. „Vor 15 Jahren stand ich hier mit Jochen Schulz vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein und fragte ‘Was machen wir mit diesem Trümmerhaufen?’“ Dann wurden Ideen entwickelt und mit Förderung der EU eine Machbarkeitsstudie entwickelt. Dabei kam heraus, dass 250 moderne Pendlerparkplätze notwendig sind. Damals ... Es folgten jahrelange zähe Verhandlungen mit der Bahn um das Land dafür. „Sogar für die zehn Zentimeter Dachfläche, die von der Sammelschließanlage für Fahrräder auf das Bahngelände ragen, mussten wir einen Gestattungsantrag einreichen“, beklagte Bürgermeister Uwe Möller. Dann gab es einen neuen Ansprechpartner bei der Bahn und die Gemeinde konnte das Land für die Parkplätze für 250  000 Euro samt Nebenkosten erwerben. „Vor drei Jahren sind wir dann mit einer Powerpoint-Präsentation zum Wirtschaftsministerium nach Kiel gefahren“, erinnert sich Möller. „Wir, der ‘Südbalkon’ des Landes, geraten in Kiel ja leider immer wieder in Vergessenheit.“ Doch offenbar waren er und sein Projekt überzeugend, die Fördermittel kamen auf den Weg. Im letzten Jahr wurde mit dem ersten Bauabschnitt begonnen, durch den moderne Fahrradabstellplätze und eine barrierefreie Bushaltestelle in der Lauenburger Straße entstanden. Von hier werden während der eineinhalbjährigen Bauzeit für den zweiten, größeren Bauabschnitt auch alle drei Buslinien, also die 8830, 8840 und 8885 abfahren und ankommen.

Wie die Gemeindevertreter überzeugt wurden, das ganze Projekt mit zwei Millionen Euro mitzutragen? „Die Gemeinde ist sich sehr bewusst darüber, dass ein attraktiver Bahnhof ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor für Büchen ist“, erklärte Andrew Yomi dazu, beim Landkreis Herzogtum Lauenburg für den ÖPNV zuständig.

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