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Streit im Dorf : Völlig verhärtete Fronten in Kogel

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gesamte Gemeindevertretung kritisiert „herrschaftlichen“ Arbeitsstil von Bürgermeisterin Beate Hoffmann und fordert ihren Rücktritt

von
erstellt am 08.Okt.2014 | 16:09 Uhr

Ja, was ist denn da bloß los?, möchte man fragen, angesichts eines offenen Briefes, der derzeit im Ort die Runde macht. Da werden die beiden stellvertretenden Bürgermeister André Brosch und Martin Voß zu einer Entschuldigung an die Bürgermeisterin Beate Hoffmann  sowie zum Rücktritt aufgefordert. Sie sollen die 53-Jährige nach  der Gemeindevertretung am 23. September unangemessen befragt und sogar psychisch unter Druck gesetzt haben. Unterzeichner des Schreibens sind Holger Hoffmann, der Ehemann, sowie Volker Nickel, ein Einwohner.

Wahlkampf unter der Gürtellinie
„Das ist doch totaler Quatsch, dass wir sie psychisch unter Druck gesetzt haben sollen. Oder ihr sogar untersagt hätten, den Ortsteil Fliegenhof aufzusuchen“, hält André Brosch als erster Stellvertreter entgegen. Die Polemik des offenen Briefes mache ihn und andere ebenso sprachlos, wie einst Hoffmanns Wahlkampfflyer, in welchem sie die Arbeit der letzten Gemeindevertretung  verunglimpft habe. „Das war schon völlig unter der Gürtellinie“, sagt Brosch. Ihr fachlicher wie auch persönlicher Stil, das Amt der Bürgermeisterin auszufüllen, habe bereits in der Vergangenheit schon mehrfach zu Unmut bei  Volksvertretern wie Einwohnern gleichermaßen geführt. Und sei des öfteren Gegenstand von Gesprächen mit ihr gewesen. „Sie führt das Gremium undemokratisch in Königinnen-Manier, ist oft persönlich gekränkt und hat nicht selten ein herrschaftliches wie oberlehrerhaftes Auftreten gegenüber den acht Gemeindevertretern. Außerdem setzt sie Mehrheitsbeschlüsse nicht um, sondern handelt genau entgegengesetzt“, berichtet Brosch weiter, der vor ihr fünf Jahre lang das Amt des Dorfoberen inne hatte. Für ihn legten die völlig verhärteten Fronten in Kogel nur eines nahe: „Die Zusammenarbeit zwischen Gemeindevertretung und Bürgermeisterin hat keine Zukunft. Wir werden sie deshalb auffordern, zurückzutreten. Das Vertrauensverhältnis ist derzeit gleich Null.“

Vertrauensverhältnis derzeit gleich Null
Sie sei nicht kooperativ, sondern mache, was sie wolle, wirft auch der zweite Stellvertreter, Martin Voß, der  Ehrenamtlichen vor, die im Juni  mit einer Mehrheit von sieben Stimmen  gewählt worden ist. „Als die öffentliche Auslegung des B-Planes für die  Betriebserweiterung einer örtlichen Elektrofirma mit 30 Arbeitsplätzen  auf dem Fliegenhof anstand, hat sie vor der Abstimmung versucht, die Anlieger zu beeinflussen und umzustimmen“, nennt Voß als ein Beispiel, das für ihn ganz klar darauf abziele, gegen das Wohl der  Gemeinde zu arbeiten.

Die so Gescholtene vermutet hinter den Anschuldigungen eine gezielte  Kampagne, um sie aus dem Amt zu drängen.

 „Ich mache nur von meinem Recht als Bürgermeisterin Gebrauch, genau hinzuschauen, worüber ich mitbeschließe. Bei einem spontanen Besuch von mir in Fliegenhof wussten  einige Bürger gar nichts von der Auslegung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Es gibt zu dieser Betriebserweiterung ein Für und Wider, weil sie direkt hinter einer Wohnbebauung geplant ist. Andere haben Angst vor der Wertminderung ihrer Grundstücke“, erklärt Beate Hoffmann ihr Vorgehen. Vom 21. Oktober an bis zum 21. November hätten alle Bürger nun die Möglichkeit,  ihre Anregungen und Fragen zu dem geplanten Gewerbegebiet schriftlich an das Amt Zarrentin zu richten.

 „Ich habe niemanden aufgehetzt, sondern nur die Einwohner von Fliegenhof informiert. Wenn Beschlüsse der Gemeindevertretung rechtswidrig sind, bin ich per Kommunalverfassung verpflichtet, Widerspruch einzulegen.“ Sie wolle zur Sachlichkeit in der Gemeindearbeit zurückkehren.

„Dazu gehört auch, dass man mit den Menschen vor Ort spricht. Wenn die keine Bedenken haben und die am Verfahren beteiligten Partner auch nicht, dann geht dieser vorhabenbezogene Bebauungsplan auch durch“, betont die gebürtige Boizenburgerin weiter. Sie ist für rund 600 Einwohner der Gemeinde Kogel zuständig. Dazu gehören auch die Ortsteile Kölzin, Holzkrug, Fliegenhof, Krohnshof, Pamprin, Schaalmühle und Vietow.

Amtsvorsteher Marko Schilling wollte sich zu den Vorgängen in Kogel gegenüber SVZ nicht äußern. Er sei in diesem konkreten Fall nicht zuständig und verwies stattdessen an die Akteure vor Ort.

Bürgermeisterin  Hoffmann sieht sich nach wie vor im Recht und wird sich nach eigenen Worten notfalls eben auch der Vertrauensfrage stellen.

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