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Hagenower Kreisblatt

13. Dezember 2017 | 21:54 Uhr

Digital : Virtuelle Auferstehung in Wismar

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Computerprogramme ermöglichen die Rekonstruktion von St. Marien und Alte Schule

Nach erster Skepsis kamen die Gästeführer nicht mehr aus dem Staunen. „Eine schöne Sache“, so Gästeführerin Margit Schröter (61). Der Förderverein St. Marien zu Wismar e.V. hatte eingeladen, ein neues „Spielzeug“ für Gästeführer und Wismar-Interessierte erstmals zu sehen und auszuprobieren.

Ein „Tablet“ – ein digitaler Minicomputer – mit dessen Hilfe der Besucher der St. Marienkirche fast wie durch Magie die Mauern, Fenster, Gewölbe und vielen Details der Kirche wieder sehen kann. Dinge, die 1960 mit der Sprengung der Kirche endgültig verschwanden und die es jetzt nur noch auf historischen Bildern zu sehen gibt – und in der „App“ auf dem Tablet.

Genauso erwächst dort, wo jetzt ein „Sarkophag“ die Mauerreste schützt, die Alte Schule wieder aus dem Boden. Zumindest auf dem Bildschirm. „Wir wollen die Kirche digital wieder auferstehen lassen“, so Gerd Giese. Als Vorsitzender des Vereins und als ehemaliger Stadtarchivar hat er das Projekt möglich gemacht. Nun gibt es dank des Vereins in der Wismarer Tourist-Information ein Tablet mit der App – dem eigenständigen Programm, das aus vier Masterarbeiten und mit der Hilfe von Forschungsassistenten an der Beuth Hochschule für Technik Berlin entstanden ist. „Die Gästeführer könnten sich das Tablet für ihre Touren ausborgen“, so Prof. Dipl.-Geogr. Ronny Schomacker als betreuender Professor und Initiator des Projekts.

Der Satz mit dem digitalen Wiederauferstehen der Kirche ist ernst zu nehmen. Denn mit dem Programm verschmelzen Realität und die virtuelle Welt mit dem am Computer generierten Kirchenschiff. „Augmented Reality“, nennt Mitentwickler Robert Gregat den Fachbegriff. Das, was die Kamera im Tablet oder im Smartphone filmt, wird nicht nur auf dem Bildschirm gezeigt, sondern auch um das Fehlende ergänzt. Weil die moderne Technik dank GPS und Lagebestimmung auch genau weiß, wohin der Betrachter mit seinem Minicomputer blickt, sieht er auf einmal die Kirchenmauer, kann mit dem Tablet vor der Nase durch die Mauer wandern, steht im ehemaligen Kirchenschiff und lässt den Blick hoch in den Himmel wandern. Er sieht die Gewölbe, die sich an den Turm anschließen, sieht digitale Fenster und Steine.

„Wir haben die Kirche ganz bewusst nicht fotorealistisch dargestellt, sondern als 3D-Modell nachgebaut“, so Mitentwickler Marcel Friedrich. Auch die Alte Schule wurde nachgebaut, allerdings ist sie nicht „betretbar“ wie das Kircheninnere.

Mit den Daten und einer speziellen Visitenkarte, die am Kirchturm angelegt werden muss, können die Besucher auch im Tastmodell neben dem Rathaus St. Marien auferstehen lassen. Ideal, um die Größenverhältnisse der damaligen Bauten zu sehen.
„Wie klein die Alte Schule neben der Kirche war“, so Gästeführer Micha Glockemann.

Ob Wismarer oder Besucher sich das Miniprogramm irgendwann selbst herunterladen können, um es auf dem eigenen Smartphone oder Tablet zu nutzen, ist offen. „Wichtig ist nur, dass damit kein Geld verdient werden darf“, erklärt Ronny Schomacker die Spielregeln. Alles andere müsse seitens der Stadt geklärt werden. „Bei entsprechender Nachfrage würden wir als Verein noch ein weiteres Tablet finanzieren“, so Gerd Giese.

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