Wittenburg : Village-Projekt vor Entscheidung

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Erst tagt der Landesplanungsbeirat in Wittenburg, dann will das Land zügig über das Großprojekt der Mühlenstadt befinden.

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03. November 2017, 20:45 Uhr

Monatelang herrschte Ruhe, jetzt will die Landesregierung über das Großprojekt „Wittenburg Village“ wahrscheinlich noch Ende des Monats entscheiden. Es geht um die Frage, ob das Factory Outlet-Center, das Feriendorf nebst Schwimmhalle und allen anderen Anlagen rund um die Skihalle errichtet werden dürfen. Denn laut Landesplanung ist Wittenburg mit seinen gut 5000 Einwohnern zu klein für diesen großflächigen Einzelhandel und die anderen Projekte. Daher kam es auch zum Zielabweichungsverfahren, um eine mögliche Ausnahme von geltendem Recht zu begründen.

Ursprünglich lief die Entscheidungsfrist des zuständigen Infrastrukturministeriums im März diesen Jahres aus. Dann wurde diese Frist um zwei Monate noch einmal verlängert. Doch auch die ist längst verstrichen.

Die Ruhe herrschte nur nach außen. Hinter den Kulissen ist gerade in den vergangenen Wochen enorm gerungen wurden. Dabei ging es vor allem um Naturschutzbelange, ein Teil des geplanten Gebietes hatte sich als Rastplatz für Vögel erwiesen.

Hauptstreitpunkt des Projektes mit geschätzter zweistelliger Millionensumme als Investition ist und bleibt das Outlet-Center mit 12 600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das soll auf dem derzeitigen Parkplatz des Alpincenters in Wittenburg entstehen. Gegen das Projekt war vor allem Schwerin lange Zeit Sturm gelaufen und hatte sogar zum Schluss Planungen für ein eigenes Outlet-Center vorgestellt. Die wurden aber im Frühjahr endgültig begraben.

In der Region, im ehemaligen Kreis Hagenow, begrüßte man das Projekt grundsätzlich. Nur im Mittelzentrum Hagenow gab und gibt es Bauchschmerzen. Besonders die SPD-Fraktion fürchtet negative Auswirkungen auf den Einzelhandel.

Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord kann das nur unterstreichen: „Hagenow hat noch Reste einer lebendigen Innenstadt, das wird mit so einem Projekt gefährdet. Leider findet sich das nicht in  den vorgelegten Studien.“ Zumal nicht erkennbar sei, ob das Center in Wittenburg mit der Konkurrenz in Soltau Süd oder Neumünster bestehen könne.

Wittenburg selbst verspricht sich von dem „Village“ einen großen Fortschritt und arbeitet schon lange an Tourismuskonzepten rund um das Alpincenter.

Der Investor, zu dem auch die van der Valk-Gruppe gehört, hat schon früh klargemacht, dass von dem Bau des Outlet-Centers das gesamte Projekt abhänge. Zu den offiziellen Investoren gehören der holländische „Ontwikkelfond“ sowie die „Aldiana-Gruppe“ mit Sitz in der Schweiz. Das Outlet Center soll dabei die nötigen Besucher in die Anlage ziehen, die direkt an der Autobahn liegt. In ihrem Konzept gingen die Planer schon im ersten Jahr von 500 000 zusätzlichen Gästen aus. Später sollen die Zahlen deutlich steigen.

Die van der Valk-Gruppe betreibt seit Jahren die Skihalle in Wittenburg und hat aktuell eine Sanierungsoffensive vor allem im bereits bestehenden Hotel begonnen. Die Holländer haben schon vor Jahren kein Geheimnis daraus gemacht, dass mit der Skihalle allein der Standort Wittenburg kaum zu entwickeln ist.

In der Region wird vor allem auf die angekündigte Schwimmhalle nebst Spaßbad gehofft. Von der Halle könnte auch die Landeshauptstadt profitieren, die derzeit nur eine Schwimmhalle zur Verfügung hat. Die Sitzung des Landesplanungsbeirates am Donnerstag ist nicht öffentlich.

Kommentar von Mayk Pohle: Alles andere als ein „Ja“ wäre ein Unding

Was lange währt,... Wir wollen es hoffen. Denn alles andere als ein „Ja, Wittenburg Village darf gebaut werden“, wäre eine Riesenenttäuschung. Was nichts damit zu tun hat, dass jetzt hier alle scharf aufs Shoppen im Center wären. Nein, für die Wittenburger und auch Hagenower geht es bei dem Village um ein Großprojekt, das dauerhaft Aufmerksamkeit in die Region bringen würde. Auch Schwerin hätte etwas davon und wenn es nur die Schwimmhalle wäre.

Gründlichkeit ist sicher wichtig, zumal bei einem Vorhaben dieser Größenordnung. Warum aber musste das solange dauern?  Viele wissen schon gar nicht mehr, dass es das Vorhaben überhaupt gibt. Und auch die Wittenburger haben es längst satt, ständig gefragt zu werden.

Mit einem Ja, dass die meisten nun erwarten, ist der Stress aber keineswegs zu Ende. Zunächst geht es ja „nur“ um die Grundsatzentscheidung, die Details kommen erst dann und es wird selbst im besten Fall noch Jahre dauern, bis alles steht.

Sollte jedoch ein Nein aus Schwerin vom Minister Christian Pegel kommen, hätte das Folgen. Ob dann die Holländer noch lange an der Skihalle festhalten werden, sei angezweifelt. Zur Not kann die Stadt das Areal ja später als Gewerbegebiet vermarkten, aussichtslos wäre das nicht. Aber schade, weil eine Chance vertan wäre, die Region um Wittenburg und Hagenow dauerhaft zu entwickeln.

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