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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 18:32 Uhr

Lübtheen : Viel mehr als ein Eisen im Feuer

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Im Haus von Ekkehard Hornig steht eine Sammlung von 1800 Bügeleisen. Lübtheener will Kulturgut Öffentlichkeit zugänglich machen

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Ekkehard Hornig (73) aus Lübtheen sammelt  Bügeleisen. Schaut man sich seine Sammelstücke an, so ist schon auf den ersten Blick festzustellen, dass er viel, viel  mehr als ein Eisen im Feuer hat. Diese Redewendung, „Mehrere Eisen im Feuer haben“, stammt übrigens  aus der Zeit vor der Einführung des elektrischen Stroms. Die Bügeleisen wurden damals mit Eisenkern-Einsätzen betrieben, die im Ofenfeuer vorgewärmt wurden. Wer also immer mehrere Eisen im Feuer hatte, konnte gut bügeln.

Eher durch Zufall ist Ekkehard Hornig auf einer ehemaligen Mülldeponie in Wittenberge auf sein erstes Bügeleisen gestoßen.

„Dieses Stück habe ich vom Rost befreit und mit Farbe versehen. Und dann stand es in der Nähstube meiner Frau  hier  in Lübtheen. Als ich  dann in Lübtheen eine Entrümpelung machte, fand ich ein ganz anderes Bügeleisen, dieses Mal sehr gut erhalten“, erinnert sich der Lindenstädter an den Beginn seiner Bügeleisen-Sammelleidenschaft Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre, als er noch beim Munitionsbergungsdienst arbeitete.

Über Besuche auf Flohmärkten kamen dann, als er Rentner war, immer mehr  Eisen dazu, die  zunächst in der Nähstube seiner Frau Platz fanden. „Dann war der Funke übergesprungen, dann ging es los mit der Sammelei“, erinnert sich Ekkehard Hornig im SVZ-Gespräch, der zusammen mit seiner Frau Emma und seinem Sohn Wolfram auf Tour geht. Der Bekanntheitsgrad der Hornigs ist inzwischen auf den Flohmärkten so groß, dass sie dort als „Bügeleisenleute“ die Runde machen.

 „Wir lernen sehr viele Menschen kennen und bekommen mit den unterschiedlichsten Bügel- oder Glätteeisen einen Einblick in die Kulturgeschichte. Das ist nämlich ein Thema für sich. Es gibt fast keine Bügeleisen, die identisch sind, weil es  Unterschiede am Griff, in der Form und  an der Größe gibt“, erzählt der Sammler weiter.

Mit der Zeit hat sich bei ihnen ein beachtlicher Bestand an historischen Bügeleisen angesammelt, von den einfachen Anfängen, wie dem Glättestein, über gußeiserne Eisen bis hin zu Sammelstücken aus der Neuzeit. Waren es vor etwa zehn Jahren 456 Stück, so stehen jetzt in der Nähstube, im Flur, auf dem Fensterbrett, in der Garage und im Speicher  der Lübtheener Wohnung tatsächlich 1790 Bügeleisen aus den unterschiedlichsten Zeitepochen und  in unterschiedlichster Machart, große, kleine, schwere, leichte, je nach Verwendung.

„Jedes Mal, wenn ich ein Bügeleisen bekomme, und wenn es dazu noch ein gutes ist, dann freue ich mich sehr darüber“, sagt der Sammler, dem allmählich der Platz in seinem Haus knapp wird.  „Deshalb wäre ich bereit, einen Teil meiner Sammlung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ich denke dabei insbesondere an eine Leihgabe an ein Museum“, sagt Ekkehard Hornig.

Zu seiner umfangreichen Sammlung gehören durchaus interessante Stücke, wie u.a. ein Glättestein aus dem 17. Jahrhundert, schwere gußeiserne Bügeleisen, die mit Glut gefüllt werden müssen oder die mit einer glühenden, so genannten Ochsenzunge, erwärmt werden. Es gibt aus einem Stück geschmiedete Bügeleisen, Stücke aus Porzellan, weil in der Zeit des Zweiten Weltkrieges Metall für die Waffen gebraucht wurde, es befinden sich  Eisen in der Sammlung, die mit Gas beheizt , andere, die mit Spiritus erwärmt werden müssen. Zu jedem einzelnen Sammelstück, egal, ob aus Frankreich, England, Amerika, Afrika, Russland oder Polen, weiß Ekkehard Hornig genau Bescheid. Er kann über das kleinste Detail Auskunft geben. Und wer so ein  Sammler wie der Lübtheener Ekkehard Hornig ist, der lässt sich von Platznot nicht beeindrucken. Im Gegenteil, er will in diesem Jahr seine eiserne Sammlung sogar noch bis auf 2000 Bügeleisen aufstocken.

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