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Heimlich als Kind geübt : Viel Geduld mit dem Faden haben

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Ilse Kowallek aus Kummer beherrscht noch das seltene Handwerk des Spinnens

von
erstellt am 06.Aug.2017 | 16:23 Uhr

„Für mich hat Spinnen etwas Magisches.  Es fasziniert mich immer wieder, wie man mit einfachstem Werkzeug   die Rohfaser zu Wolle verwandeln kann“, gesteht Ilse Kowallek. Der 77-Jährigen, deren Wiege einst in Ostpreußen stand, nämlich in Sonnenborn im Kreis Mohrungen, haben es Spinnräder schon als kleines Mädchen angetan. Dritte oder vierte Klasse sei sie damals gewesen, als sie erstmals heimlich am Rad ihrer Mutter geübt habe.

„Sie hatte mir verboten, dabei zugehen. Aber dadurch wurde es für mich ja erst so richtig interessant“, erinnert sich die Seniorin, die einst aus ihrem Geburtsort vertrieben worden war.  „Den Hof haben die Polen besetzt, wir mussten in zehn Minuten weg sein, konnten nur das Nötigste mitnehmen. Das war eine schlimme Zeit“, berichtet  Ilse Kowallek. Den Vater hätten die Russen verschleppt, er sei nie wiedergekommen. „Wir sind schließlich  in Brahlstorf gelandet und wurden von dort aus auf die Dörfer verteilt. So bin ich nach Pinnau gekommen und dort aufgewachsen.“ Ihr Sohn Rainer wohne noch dort, der andere Sohn Manfred sei in Besitz Zuhause.

„Das Spinnrad, das meine Mutter hatte, war von der Bäuerin geborgt, bei der sie arbeitete. Später musste sie es zurückgeben. Aus  Lübtheen bekam sie  schließlich ein Spinnrad, das dort jemand hergestellt hatte. An dem habe ich geübt und mir so das Spinnen beigebracht. Die Wolle, die so entstand, habe ich ins Feuer geworfen. Meine Mutter sollte ja nicht mitbekommen, dass ich mich über ihr Verbot hinweggesetzt hatte. Da hätte sie aber ordentlich mit mir geschimpft.“

Ihr erstes eigenes Spinnrad erwarb Ilse Kowallek im Jahre 1997. „Meine Schwester in Wehningen hatte in Neu Gülze drei Spinnräder entdeckt, die zum Verkauf standen. Also bin ich hingefahren und habe mir eins gekauft.“ Anschließend habe sie sich Schafswolle besorgt und in der SVZ gelesen, dass  in Boizenburg ein Spinnwettbewerb veranstaltet werden solle.

„Wer 150 Gramm Wolle in drei Stunden als erstes gesponnen hatte, wurde Sieger. Ich gehörte leider nicht dazu.“ Erst bei weiteren Ausscheiden und viel heimischem Training, sei sie dann in Neuhaus Siegerin  geworden. „Das war schon ein tolles Gefühl, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen“, erzählt Ilse Kowallek, die nun in Kummer wohnt. Ihr zweites Spinnrad, eines mit vier Gängen, habe sie in Neuhaus gekauft. Von einem Malchower. „Ich brauchte über drei Stunden, um mit der neuen Errungenschaft  klarzukommen“, gesteht die alte Dame lächelnd. Doch nun seien die beiden ein eingespieltes Team. „Man braucht viel Ausdauer und Geduld zum Spinnen. Die Fadenführung ist wichtig, ebenso das Tempo des Tretens. Das alles entscheidet darüber, wie die Wolle wird.  Die vom Schaf ist für mich die beste, sie wärmt so schön. Ich habe auch schon Hundewolle gesponnen und gestrickt. Die ist ebenfalls sehr warm“, berichtet Ilse Kowallek der Redaktion.

Man könne das Spinnen  auch niemanden lehren, ist sich die Hobby-Handwerkerin absolut sicher. „Man lernt es wirklich nur durchs Selbermachen.“

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