Boizenburger Hühner waren nicht zu stoppen : Viel Ärger mit dem lieben Federvieh

Hühner unterwegs.
Hühner unterwegs.

Ostern ohne Eier? Das ist kaum vorstellbar. Eier ohne Hühner? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber das liebe Federvieh bereitet den Menschen auch so mancherlei Kopfzerbrechen. Damals, wie heute.

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28. März 2013, 12:24 Uhr

Boizenburg | Ostern ohne Eier? Das ist kaum vorstellbar. Eier ohne Hühner? Das war, ist und bleibt ein Ding der Unmöglichkeit. Aber das liebe Federvieh bereitet den Menschen auch so mancherlei Kopfzerbrechen. Damals, wie heute.

So wurde erst kürzlich darüber berichtet, dass Bio-Eier legende Hühner zu wenig Auslauf hätten. Der Auslauf des gackernden Geflügels machte einst viele Jahre lang in Boizenburg Probleme.

Noch bis vor einigen Jahrzehnten hielten viele Stadtbewohner Hühner für den Eigenbedarf. Beim Landwirtschaftlichen Kreisfest 1913 in Boizenburg gab es bei Hühnern elf hiesige Aussteller. Unter ihnen waren übrigens acht Handwerker. Sie erhielten in dieser Gruppe auch die meisten Preise. Der Ehrenpreis des Boizenburger Geflügelzuchtvereins ging an den Müller M. Richter.

Die Haltung der Hühner selbst verlief nicht problemlos. Oft verschwanden die Tiere vom heimischen Hof und liefen kreuz und quer durch Boizenburg. Mehrfach erinnerte der Magistrat durch Anzeigen in der "Elb-Zeitung" die Hühnerhalter an das Verbot, "das Federvieh anders als in einem dazu abgeschlossenen Raum zu halten". In einer Anzeige vom 5. Juli 1889 heißt es: "Jeder Besitzer ist berechtigt, auf seinem Grundstück betroffenes Federvieh zu pfänden und von dem Eigentümer des selben das im Paragraf 22 des Feldfrevelgesetzes vorgeschriebene Pfandgeld zu erheben".

32 Jahre später liefen die Hühner noch immer durch Boizenburg. In der "Elb-Zeitung" vom 5. Mai 1921 gab die Polizeibehörde Folgendes bekannt: "Die Rasenflächen bei der Kirche werden neu hergerichtet. Die Anwohner des Kirchplatzes werden bei Vermeidung von Strafe aufgefordert, ihre Hühner nicht auf diese Rasenflächen gelangen zu lassen". Der Tischlermeister Bonn setzte in die gleiche Zeitung diese Anzeige: "Den Hühner haltenden Anwohnern meines Gartens zur Nachricht, dass ich für das Leben der Tiere nach Betreten des Gartens keine Gewähr leiste".

Der Freiheitsdrang der Boizenburger Hühner war nicht zu stoppen. Am 23. Juli 1921 erschien in der "Elb-Zeitung" folgende Anzeige vom Rat der Stadt: "Das Umherlaufen von Federvieh auf dem Walle, in den Quöbbewiesen einschließlich der Bleiche und auf dem Kirchenplatze wird hiermit verboten. Übertretungen werden mit Geldstrafe bis 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft". Was kann man dazu noch sagen, so kurz vor Ostern?

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