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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 01:10 Uhr

Hagenow : Vertriebenen-Verband löst sich auf

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Mitgliederschwund zwingt Ortsverband zur Aufgabe - Würdiger Abschied mit dem „Tag der Heimat“ im Oktober

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Der Hagenower Ortsverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) löst sich zum Ende des Jahres auf. Ein Grund für die Vorstandsentscheidung sei die sinkende Zahl der Mitglieder, teilt Vorstandssprecher Otto Ringel mit. Der Ortsverband Hagenow war 1991 gegründet worden.

Der traditionelle „Tag der Heimat“ soll aber trotzdem stattfinden. Termin dafür ist der 4. Oktober um 14 Uhr im Landgasthof Schwedt in Redefin. Für die letzte Veranstaltung dieser Art versprechen die Organisatoren ein Festprogramm mit Musik sowie Kaffee und Kuchen.

Die im Osten Deutschlands lebenden Heimatvertriebenen hatten sich nach der Wiedervereinigung ebenfalls dem Bund der Vertriebenen anschließen können. Die Mitglieder einte das gleiche Schicksal nach Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg.

Der vor 23 Jahren in der Region gebildete Kreisverband setzt sich aus den Landsmannschaften Ost- und Westpreußen und Danzig, Sudetenland, Schlesien, Pommern sowie Ostbrandenburg und Warthegau zusammen. Grundlage der überparteilichen Verbandsarbeit bildete die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“.

Von Anfang an entwickelte sich Ringels Angaben zufolge in den Landsmannschaften ein reges Verbandsleben. In zahlreichen Heimatnachmittagen und Zusammenkünften widmeten sich die Mitglieder der Pflege und Förderung des heimatlichen Kulturgutes. Dazu gehörten auch Reisen ins frühere West- und Ostpreußen, nach Pommern und Schlesien sowie ins einstige Sudetenland. Exkursionen innerhalb Deutschlands wurden ebenfalls organisiert. Der Verband half seinen Mitgliedern auch bei den Ausgleichszahlungen. Rund 600 000 Heimatvertriebene, die in der DDR lebten und im Gegensatz zu ihren Landsleuten in Westdeutschland keinen Lastenausgleich erhalten hatten, bekamen seit Ende 1993 eine einmalige Entschädigung in Höhe von jeweils 4000 Mark. 1995 zählte der Kreisverband 660 Beitrag zahlende MitgliederHöhepunkt der Verbandsarbeit war in jedem Jahr der „Tag der Heimat“. Die Veranstaltung galt unter den Vertriebenen als Tag der Erinnerung und Mahnung. In den ersten Jahren konnten jedes Mal mehr als 400 Teilnehmer begrüßt werden, ab der Jahrtausendwende sank die Zahl unter 300. Dieser Trend hält unvermindert an. „Krankheit und Alter dezimieren seit Jahren die Vertriebenengeneration, so dass zum Tag der Heimat jetzt kaum noch hundert Personen erreicht werden“, sagt Vorstandssprecher Ringel. Deshalb habe sich der Vorstand entschlossen, den Ortsverband Hagenow des BdV zum 31. Dezember 2014 aufzulösen.

Außerdem sei mit dem Tod des Ortsverbandsvorsitzenden Arno Steinberger eine „schmerzliche Lücke“ entstanden, die nicht wieder geschlossen werden könne. Der 70-Jährige war am 19. Mai gestorben. Steinberger hatte den Vorsitz von Elsbeth Budde übernommen, die den Posten aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste.

In einem Nachruf der Ortsgruppe heißt es: „Arno Steinberger leitete viele Jahre mit großem Engagement und mit Willenskraft den Hagenower Ortsverband des BdV und setzte sich stets für die Belange der Mitglieder ein.

Interessant ist sein Werdegang. Steinbergers Vorfahren mussten aus religiösen Gründen im 18. Jahrhundert ihre Heimat, das Salzburger Land, verlassen. In Ostpreußen wurden sie sesshaft. Zum Kriegsende mussten Arnos Eltern erneut ihre Heimat verlassen. Sie kamen nach Mecklenburg.

Mit seinem Bruder Jochen besuchte Arno das Land seiner Vorfahren und kehrte auch zu seinen Wurzeln nach Ostpreußen zurück. Intensiv befasste er sich mit der Geschichte des Landes der „dunklen Wälder und kristallnen Seen“. Seine ganze Kraft widmete er dem Erhalt des kulturellen Erbes Ostpreußens. Am 19. Mai 2014 verloren wir diesen wackeren Streiter. Die Landsmannschaften werden ihrem Heimatvertreter stets ein ehrendes Andenken bewahren.“

 


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