Gefahr auf dem EIs : Verantwortung übernimmt keiner

Bis das Eis so eine beachtliche Dicke erreicht, wird es noch viele Nächte mit Minustemperaturen brauchen.
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Bis das Eis so eine beachtliche Dicke erreicht, wird es noch viele Nächte mit Minustemperaturen brauchen.

Betreten von Eisflächen auf Seen oder Flüssen: Landkreis verweist auf Ordnungsämter. Alternativen sind Wiesen-Überschwemmungen

svz.de von
09. Februar 2018, 05:00 Uhr

Kaum zeigen die Thermometer ein paar Grad unter dem Gefrierpunkt an, sind die Schlittschuhe quasi Dauergast im Kofferraum. Obwohl Wintersport im Landkreis Ludwigslust nun nicht zu den großen Domänen der Freizeitbeschäftigungen gehört, ist das Eisvergnügen hoch im Kurs vieler Menschen. Doch dass hier Vorsicht geboten ist, versteht sich eigentlich von selbst. Trotzdem gibt es auch hierzulande jährlich leider Unfälle auf den überfrorenen Flächen, die zum Teil lebensgefährlich waren. So warnt der Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust jetzt eindringlich vor dem Betreten von Eisflächen. „Trotz mehrerer kalter Nächte in Folge besitzen die Eisflächen auf den Teichen, Seen und Flüssen vielfach noch nicht die erforderliche Tragfähigkeit, um sie gefahrlos betreten zu können. Zugefrorene Gewässer vermitteln derzeit ein trügerisches Bild. Strömungen und warme Stellen werden unter der zugefrorenen Oberfläche meist nicht erkannt.  Insbesondere auf fließenden Gewässern ist oft  nur eine dünne Eisdecke vorhanden.“ Im Zuge der Gefahrenabwehr hat die Polizei jüngst  in Lübz fünf Kinder von der Eisfläche der Elde holen müssen. Angesichts der noch andauernden Schulferien in unserem Bundesland appelliert die Polizei an alle Eltern, ihre Kinder über die Gefahren aufzuklären und sie zu sensibilisieren, so Klaus Wiechmann.

Dass in erster Linie die Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind, ist auch beim Thema Eisflächen nicht neu. Denn Zeiten,  in denen Städte und Dörfer noch offiziell Seen zum Eisvergnügen freigegeben haben, liegen lange zurück. Nachgefragt beim Landkreis Ludwigslust-Parchim heißt es von Pressesprecher Andreas Bonin:  „Formal sind die Ordnungsämter der Städte bzw. Ämter zuständig. Unabhängig davon warnt der Landkreis vorbeugend vor dem Betreten zugefrorener Gewässer und appelliert an die Einwohner des Landkreises, die örtlichen Betretungsverbote zu beachten und den Hinweisen der Ordnungsbehörden Folge zu leisten.“

Eine interessante Alternative scheinen auch in diesem Jahr die überfrorenen Überschwemmungen auf den Wiesen und Feldern zu bieten. Doch auch hier ist die Verantwortung lange nicht den Bauern zuzuschieben. „Hier handelt es sich maximal um eine gutmütige Duldung“, sagt Geschäftsführererin Nicole Gottschall, die mit dem Kreisbauernverband derzeit jedoch ganz andere Sorgen hat, wenn sie auf die überfrorenen Flächen sieht. Gülle kann nicht ausgebracht, der Boden nicht bestellt werden. Trotzdem ist auch für den Geschäftsführer der Elbtaler Agrar GmbH Lars Karnop klar: „Wir werden sicher nicht nach Schlittschuhläufern suchen, um sie von unserem Land zu vertreiben. Aber wenn etwas passiert, sind mit Sicherheit nicht die Eigentümer der Flächen in Verantwortung zu bringen“, so der Lübtheener.

Ein deutlich weniger riskantes Eisvergnügen bietet sich auf den oftmals nur knietiefen Überschwemmungen aber allemal. Anstatt mit dem Leben zu spielen, holt man sich da lieber nur nasse Füße, sagt uns ein Beamter mit einem Augenzwinkern. Verantwortung wolle er dafür aber auch nicht übernehmen.

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