Hagenow: Aus für Discos und Feten? : Veranstalter bangen um ihre Existenz

<strong>Die 'A24' in Vellahn</strong> oder Zachun könnte künftig ausfallen, wenn die Gema ihre Tarife wie geplant erhöht. 600 bis 1200 Prozent mehr könnten ab 2013 fällig werden. <foto>Foto: Archiv</foto>
Die "A24" in Vellahn oder Zachun könnte künftig ausfallen, wenn die Gema ihre Tarife wie geplant erhöht. 600 bis 1200 Prozent mehr könnten ab 2013 fällig werden. Foto: Archiv

Die neuen Tarife der Gema könnten Veranstalter in der Hagenower Region in die Knie zwingen. 600 bis 1200 Prozent mehr Abgaben für Musikrechte. Eine Bilanz, die das Aus für kulturelle Veranstaltungen bedeuten könnte.

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26. Juni 2012, 07:16 Uhr

Hagenow | Die neuen Tarife der Gema könnten Veranstalter in der Hagenower Region in die Knie zwingen. 600 bis 1200 Prozent mehr Abgaben für Musikrechte - kaum zu schaffen, sagen sie. Eine Bilanz, die ab 2013 das Aus für kulturelle Veranstaltungen und Disconächte bedeuten könnte.

Sie fühlen sich abgezockt. "Veranstalter werden zur Kasse gebeten", sagt Rolf Eggert von Music Eggert Lübtheen. Als Beispiel: Für eine Freiluftdisco "A24" in Vellahn musste er bislang 700 Euro an die Gema bezahlen. Nach der neuen Regelung wäre ein Aufschlag von um die 1000 Prozent denkbar. Diese "Horrorvorstellungen" seien nicht realisierbar. "Bei so einer Erhöhung können wir auch gleich aufhören", sagt der Veranstalter, der seit Ende der 1990er das Kulturleben in der Region mitbestimmt - unter anderem mit dem Hagenower Altstadtfest am vergangenen Wochenende.

Sogar von Pleite ist die Rede. Alternativen seien kaum da. Und rein vom Technikverleih zu leben, wäre nicht möglich, so Eggert. Eventuell würden die Lübtheener das Geschäft mit ihren Magic-Sky-Schirmen ausweiten.

Daran will Rolf Eggert aber noch nicht denken. "Ich versuche erstmal, ruhig zu bleiben", sagt der Unternehmer. Er verlasse sich jetzt auf die Politik, die sich den Forderungen der Gema in den Weg stellen soll.

Auch Disko-Inhaber Johann C. Meyer aus Wittenburg konnte kaum glauben, was die Urheberrechts-Gesellschaft für 2013 plant. "Das kann doch nicht wahr sein", habe er gedacht. Sein 2000 Quadratmeter großes "Miami" bietet Platz für 2000 Besucher. Bislang zahle er 50 Cent pro Person an die Gema. "Wenn ich künftig zehn Mal so viel abgeben müsste...", rechnet Meyer. Das könnte höhere Eintrittspreise und weniger Disconächte nach sich ziehen, befürchtet der Betreiber. Zumal der Besuchertrend sowieso schon rückläufig sei. Die Demographie und mehr Konkurrenz. Da müsse man zunehmend mehr bieten: Dj’s, Gogo-Tänzer - das koste alles Geld. "Ich finde die Forderungen nicht in Ordnung", bekräftigt er. "Bei 20 Prozent mehr hätte niemand etwas gesagt. Aber soviel?" Wenn die bisherigen Gema-Gebühren für die Künstler nicht ausreichen, sollten sie sich eine andere Beschäftigung suchen. "Uns fragt ja auch keiner, wie wir weiter über die Runden kommen sollen."

Für Martin Giesenhagen vom Hagenower "Mecki" könnte der neue Tarif allerdings auch weniger kosten. 192 Euro zahlt er bislang pro Veranstaltung. Da im knapp 300 Quadratmeter großen Saal nur unregelmäßig etwa zehn bis 15 Events pro Jahr stattfinden, könnte die Abgabe bald auf 90 Euro sinken, so Giesenhagen. Damit wären die Kosten halbiert. Falls er doch in eine andere Kategorie fallen sollte, und damit wie Großveranstalter zehn Prozent des Eintritts abdrücken müsste, sieht er drei Alternativen: "Entweder wir spielen gar keine Gema-Musik mehr", sagt der Mecki-Inhaber. Schließlich gebe es so viele Künstler, die ihre selbst gemixten Titel kostenlos ins Internet stellen. Dadurch könnte ein ganz neuer Musikmarkt entstehen, schätzt Martin Giesenhagen. Die anderen Varianten: den Eintritt erhöhen, oder massiv senken und stattdessen die Getränkepreise anziehen. Denn bei nur einem Euro Eintritt seien dann lediglich zehn Cent an die Gema zu entrichten. "Wir müssen so etwas ausprobieren und dann sehen, ob es funktioniert." Und, ob ein Überleben der Veranstalter dadurch möglich sei.

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