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Schaalmühle : Upps! Fischtreppe ohne Fische...

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Niedriger Wasserstand des Schaalsees hemmt Aufstiegshilfe/Behörde: Bauwerk muss eingepegelt und wohl nachgebessert werden

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 07:28 Uhr

Trockenen Fußes steht Manfred Bahn dort, wo  eigentlich Steinbeißer, Westgroppen, Hecht und Aal längst munter in ihrem nassen Element wandern sollten. Doch Fehlanzeige!

„Ich habe hier bisher noch nicht einen einzigen Fisch gesehen“, gesteht der 63-Jährige kopfschüttelnd. Und zeigt dabei auf die Fischtreppe, die sich über sein Grundstück in Schaalmühle schlängelt. Im diesjährigen Sommer noch mit großem Bahnhof als verbindendes Bauwerk zwischen Schaalsee und Nordsee gefeiert, plätschert lediglich ein mickriges Rinnsal durch den allmählich  auch dem Grün nicht mehr Herr werdenden Graben. „Seit Mai schon habe ich hier keine größeren Mengen Wasser mehr gesehen. Das ist für mich Verschwendung von Steuergeldern“, sagt Bahn und meint die 191 000 Euro aus Ausgleichmitteln des Landes MV, die für die fünfmonatige Bauzeit draufgingen, um die „Durchgängigkeit des Gewässersystems“ wieder herzustellen, wie es  offiziell hieß. Er habe das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe bereits mehrfach auf die Misere aufmerksam gemacht. „Ich habe aber das Gefühl, dass man uns nicht so richtig ernst nimmt. Einer schiebt dem anderen den  Schwarzen Peter zu.“ Das sei einfach schade, denn viele Radtouristen kämen vorbei, sähen die Info-Tafel und suchten vergeblich die Fischaufstiegshilfe. „Die fragen jedes Mal, ob das hier ein Witz sein soll?“

SVZ-Nachfragen beim Biosphärenreservatsamt ergaben, dass der  allergrößte Teil des Wassers  auch heute noch über das Kraftwerk Farchau abgeleitet werde, lediglich 100 Liter  pro Sekunde fließen über die Fischtreppe bei Schaalmühle. Schon bei der Planung  sei  es klar gewesen, dass es sich bei dieser Wassermenge um das absolute Minimum handele, heißt es aus der Behörde. Besonders im Sommer und während längerer Trockenperioden sei der Wasserstand der Fischtreppe gering. Entscheidend sei jedoch, dass in den Hauptwanderzeiten der Fische, im Frühling und im Herbst, der Wasserstand  ausreichend wäre. Das sei  zurzeit allerdings nicht der Fall.

„Da aktuell der Wasserstand des Schaalsees extrem niedrig ist, führt auch die Fischtreppe kaum noch Wasser. Nach offiziellen Messungen des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft, Umwelt und Natur lag der Wasserstand in diesem Sommer sechs Zentimeter  unter dem Mittel der letzten zehn Jahre“, heißt es wörtlich . Es fänden Gespräche seitens des Biosphärenreservatsamtes mit der Hansewerk AG statt, um perspektivisch die Wassermenge, welche über die Fischtreppe abfließen dürfe, zu erhöhen. Über eine Machbarkeitsstudie sollten außerdem die Möglichkeiten einer grundsätzlichen Stabilisierung des Schaalseewasserspiegels untersucht werden. Außerdem würden in den nächsten Jahren Effizienzkontrollen der Fischtreppe durchgeführt. Die Fischtreppe  müsse nun erst einmal über einen gewissen Zeitraum eingepegelt werden. Es sei möglich, dass es wohl Nachbesserungen geben müsse.

>> Hintergrund: Fischtreppe
Mit dem Abriss des Wehres bei Schaalmühle haben die Fische wieder die Möglichkeit bis in die Nordsee und von dort   in ihre angestammten Laichgewässer zu gelangen. Ursprünglich gab es eine natürliche Verbindung zwischen Schaalsee und Nordsee über die Flüsse Schaale, Sude und Elbe. Mit dem Bau des Schaalseekanals, der das Wasser seit 1926 in nordwestlicher Richtung zum Kraftwerk Farchau und weiter in den Ratzeburger See führt, wurde die Entwässerung des Sees jedoch umgeleitet.  Beim  Bau der Fischtreppe war es notwendig, für die Schaale auf   285 Metern ein neues Flussbett anzulegen. Durch den Aufstieg kann die Wasserspiegeldifferenz von 2,20 Metern zwischen Ober- und  Unterwasser überwunden werden.  Die Fische passieren die Treppe über 31 Steinriegel, also Stufen mit Wasserbecken.

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