Hilfsoperation Hagenow : Unzählige Splitter in seinem Körper

Zufrieden mit der Operation: Oberärztin Antje Becker und Mansour Helal im Hagenower Krankenhaus  .
Zufrieden mit der Operation: Oberärztin Antje Becker und Mansour Helal im Hagenower Krankenhaus .

Sabine Oesterlin vom Westmecklenburg-Klinikum berichtet: Verletzter Intensiv-Krankenpfleger Mansour Helal aus Syrien darf auf Heilung hoffen.

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23. Juni 2016, 16:32 Uhr

Er war auf dem Weg zur Arbeit, als er vor der Klinik beschossen wurde: Mansour Helal Swaid (27), Intensiv-Krankenpfleger in Damaskus, wurde vor drei Jahren vor dem Krankenhaus, in dem er arbeitete schwer verletzt. Treffer in Hals, Hand, Bein, und vor allem in die Schulter. Unzählige Splitter steckten in seinem Körper. Monatelang konnte er sich nicht bewegen.

„Ich bin vor einem Jahr über die Balkanroute geflüchtet und seit Sommer 2015 in Schwerin“, erzählt der 27-jährige Syrer. Zunächst war er in Stern Buchholz untergebracht, dann in einer Übergangswohnung, jetzt mit seiner Frau und Tochter, die inzwischen nachgekommen sind, in der ersten eigenen Wohnung auf dem Schweriner Großen Dreesch.

„Durch die Schussverletzung konnte ich meine Schulter nicht mehr bewegen, sie war fast funktionslos und ich hatte ständig starke Schmerzen“, sagt der sympathische junge Mann. Matthias Hufmann, Journalist und mittlerweile ein Freund, kümmert sich. „Ich habe Mansour im September 2015 kennen gelernt, als ich für eine Geschichte über einen Flüchtling recherchiert habe. Manchmal begleitete ich ihn zu Ämtern, zur Wohnungsgesellschaft und zu Ärzten. Es hat sich einfach so entwickelt. Inzwischen gehen wir regelmäßig Kaffee trinken oder grillen mit unseren Familien.“ Von einem befreundeten Arzt erhält er die Empfehlung, sich an das Endo Prothetik Zentrum im Krankenhaus Hagenow zu wenden. Dort trifft er auf Menschen, die helfen wollen. „Wir haben vorher mit der Krankenkasse die Bezahlung der OP-Leistung verhandelt, die sonst nicht selbstverständlich genehmigt wird“, sagt Reinhard von Bremen-Kühne, Chefarzt der Abteilung Chirurgie und Unfallchirurgie im Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow.

Oberärztin Antje Becker: „Die mitgebrachten Befunde und die Untersuchung zeigten eine schwerste Zerstörung der rechten Schulter.“ Die Bereichsleiterin der Unfallchirurgie im Krankenhaus Hagenow spricht von Verletzungen, die es so bei uns seit dem Krieg nicht mehr gab.

„Während der Operation konnten wir uns von der unglaublichen Zerstörungswucht des Geschosses überzeugen. Keiner meiner Kollegen hat solch einen Befund schon einmal gesehen“. Oberärztin Antje Becker, Fachärztin für Chirurgie und spezielle Unfallchirurgie ist als Bereichsleiterin Unfallchirurgie im Krankenhaus Hagenow tätig, beratend und diagnostizierend in der prästationären Sprechstunde, in der sie Patienten mit Schulter-, Hand- und Kniegelenkserkrankungen behandelt und chirurgisch im OP.

Die Operation am 8. Juni ist gut verlaufen und Mansour Helal hat schon wenige Tage nach der OP deutlich weniger Beschwerden. „Wir haben ein modernes zement- und schaftfreies Implantat ausgewählt, das normalerweise für unfallbedingte Schulterarthrosen verwendet wird“, erklärt Antje Becker. Für die Ärzte ist damit die Arbeit getan, für den Patienten fängt sie jetzt erst richtig an. „Wir hoffen, dass Mansour bald ohne Schmerzen den Arm und die Schulter wieder bewegen kann“, wünscht sich die Oberärztin. In zwei Wochen beginnt die Reha. Noch im Sommer folgt der nächste Teil des Sprachkurses, 2017 vielleicht der erste Job.

Der junge Syrer hat ein Ziel vor Augen: „Mein größter Wunsch ist es, wieder als Krankenpfleger zu arbeiten, allerdings muss ich abwarten, wie der Heilungsprozess verläuft.“ Dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, wünschen ihm im Krankenhaus Hagenow alle Mitarbeiter, die ihn kennengelernt haben.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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Zusatz der Redaktion: Frau Oesterlin ist die Beauftragte des Westmecklenburg-Klinikums. Von dort wurde uns der Beitrag zugesandt.

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