Fischen ja - Camping nein! : Unterwegs mit dem „Angel-Papst“

Manchmal genügt eben auch der Pilk-Stock und ein Wobbler, um dem Hecht nachzujagen. Werner Promer angelt aus Leidenschaft.
1 von 2
Manchmal genügt eben auch der Pilk-Stock und ein Wobbler, um dem Hecht nachzujagen. Werner Promer angelt aus Leidenschaft.

Fischen ja - Camping nein! Werner Promer über sein liebstes Hobby und den Umgang mit dem Fisch und Petri-Jüngern in Südwestmecklenburg

svz.de von
17. Mai 2017, 05:00 Uhr

Es ist noch nicht einmal 8 Uhr morgens und wir sind bereits zu einem ganz besonderen Treffen verabredet. Stille, Idylle, Vogelgezwitscher und auf der Wasseroberfläche manchmal ein kleines Plätschern. „Der Weißfisch wird aktiv“, sagt Werner Promer. Und wenn er das sagt, dann ist das so. Hinter vorgehaltener Hand spricht man im Raum Hagenow und Südwestmecklenburg gern vom „Angel-Papst“. Ein Titel, den sich Promer über viele Jahrzehnte voller Leidenschaft und Hingabe für den Angelsport und die Natur erworben hat.

Geschickt führt er seinen Kunst-Köder, einen Wobbler, über die Wasseroberfläche und kurz darunter. Plötzlich erschrecken wir, als nur wenige Meter neben uns starke Schläge auf dem Wasser wie Peitschenhiebe knallen. „Da! Da raubt einer!“, sagt Promer und meint einen großen Hecht, dem wir in den Morgenstunden hinterhersetzen. An den Haken lässt sich der Esox jedoch diesmal nicht bekommen. Fang-Garantien gibt es beim Angeln nicht. Wichtiger ist dem mittlerweile 72-Jährigen die Entspannung am See und das Genießen der Natur. Und dass es wichtig ist, Flora und Fauna zu schützen und gerade an den Gewässern Ordnung und Sauberkeit zu halten, kann Promer gar nicht oft genug betonen.

Wie schön, dass gerade an diesem Morgen noch andere bestens bekannte Petrijünger unterwegs in Hagenow sind, um für Ordnung zu sorgen. Gerhard Christen und Horst Priewe, beide ehemalige Vorstandsmitglieder aus dem Angelverein Frühauf Hagenow sind mit der Senioren-Truppe unterwegs und säubern Angelplätze.

„Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass sich die Hagenower Angler ganz gut benehmen. Hier und da muss man mal eine Maisdose oder einen Becher für Würmer aufsammeln, aber es hält sich alles in Grenzen“, sagt Gerhard Christen. Promer pflichtet ihm bei. Allerdings gäbe es vermehrt „Frühjahrsgenießer“, die die Seen zu anderen Dates nutzen. Und diese Gäste hätten es angeblich nicht so mit der Ordnung.

Kontrollen am Wasser werden von der Fischereiaufsicht zwar in regelmäßigen Abständen durchgeführt, aber jemanden auf frischer Tat zu ertappen, ist eben auch Glückssache. Genauso ist das bei einigen durchaus speziellen Themen, die die Fischerei betreffen. Immer mehr ins Visier fallen die „Karpfenangler“. Und im besonderen die Karpfenangler, die tage- und nächtelang an den Seen verbringen und eigentlich nur auf Trophäenjagd sind. „Man muss hier aber deutlich unterscheiden. Fischen ja - Camping nein“, sagt Promer und erklärt, dass zum Teil richtig Biwak gehalten wird. Mit großen Zelten, Schlafmöglichkeiten, Feuerplätzen etc.. Das sei im Gegensatz zu einem Wetterschutz bzw. Regenunterstand nicht erlaubt. Gerade in Biosphärenreservaten wie hierzulande an den Seen gibt es strengere Auflagen, die zu beachten sind. So darf ein Zelt beispielsweise keinen Unterboden haben, denn der verrät in der Regel den Camper, der nichts mit Spinnen und anderem Krabbel-Getier zu tun haben möchte.

Das weit verbreitete „Catch and release“ unter den Karpfenanglern betrachtet Promer sehr differenziert. Alles zu angeln und wieder freizulassen ist nicht im Sinne des Fischens. Geht jedoch mal ein tolles Exemplar zurück ins Wasser für die Reproduktion kann ich das durchaus nachvollziehen. Er selbst angele ohnehin lieber auf der Ostsee und setzt Dorschen, Schollen und Meerforellen nach. Dass an den hiesigen Seen aber die Regeln eingehalten werden müssen, dafür setzt sich der Vizepräsident für Gewässerwirtschaft mit vollem Engagement ein.

Das gilt auch für die Entnahme von Großfisch. Pro Angler und Angeltag dürfen es nur drei Tiere sein. Egal, ob von der gleichen Sorte oder im Mix. Denn gerade jetzt kann man gleichzeitig Hechte, Karpfen und Schleie fangen - wenn Petrus einem hold ist. Mit zu vollen Netzen sollte man sich jedenfalls nicht erwischen lassen. Dann wird es teuer. Genauso ist das beim Befahren der Gewässer mit motorisierten Booten. „Das ist bei uns untersagt. Ein kleines Schlauchboot mit Paddeln oder ein Belly-Boat, ein schwimmender Sessel mit Flossen, seien hingegen gestattet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen