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Neuhaus : „Unser Platt darf nicht aussterben“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In Neuhaus treffen sich regelmäßig Frauen und Männer, die das Niederdeutsche für nachkommende Generationen bewahren wollen

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 12:00 Uhr

„Deern, per nich inne Schiet!“ Diesen gutgemeinten Rat kennt Doloris Otto aus Kindertagen. Und muss immer noch herzhaft darüber lachen: „Der Misthaufen befand sich auf dem Hof und war nicht weit weg von der Haustür. Da machte dieser Satz schon Sinn“, erinnert sich die 62-Jährige, das „Küken“, wie sie sich selbst bezeichnet. Denn die anderen Getreuen der Plattdeutsch-Runde, einem Ableger des örtlichen Seniorenvereins, seien viel älter.

Ihr gegenüber sitzt an diesem Mittwoch im Haus des Gastes, Am Markt 5, an der Kaffeetafel mit dem frischgebackenen Kuchen, übrigens einem absoluten Muss, Brigitte Dietterle, die 2015 die Idee für dieses regelmäßig stattfindende Treffen hatte. „Weil ich unser Platt so toll finde und es nicht aussterben darf“, beschwört die 71-Jährige den SVZ-Redakteur. Als gebürtige Neuhauserin sei sie zwar nicht bei ihren Eltern mit der niederdeutschen Sprache aufgewachsen, habe sie aber immer gemocht. „Meine Mutter und mein Vater haben nur selten platt snackt. Im März 2016 haben wir das erste Mal unsere Zusammenkunft abgehalten, damals mit 17 Leuten. Heute sind wir immer, alle 14 Tage mittwochs um 14 Uhr, etwa 20, mitunter sogar über 30 Frauen und Männer, die sich zusammen finden, um sich op Platt wat zu vertellen oder aus Büchern vorzulesen“, berichtet Brigitte Dietterle. Sie hält zusammen mit Doloris Otto die Fäden in dieser Gruppe zusammen.

„Leider wird Plattdeutsch immer seltener gesprochen. Viele verstehen es zwar noch, können es aber selbst nicht mehr. Und nur noch ganz wenige können es überhaupt noch lesen“, berichtet Doloris Otto, die von Großeltern und Eltern die Sprache gelernt habe. „Mit jedem Tag, der vergeht, verschwindet ein bisschen mehr von dem Dialekt, der dieses Land charakterisiert“, bedauert die gebürtige Neuhauserin. „Zu unseren Treffen kann jeder kommen, der Spaß an Platt hat, egal, wie alt er ist.“ Mit Platt sage sich Etliches eben viel leichter, weil es Nähe schaffe, ist sich Doloris Otto sicher. „Es ist zwar direkter, wird aber seltener übelgenommen.“

Doch ein Problem bleibt: denn jüngere Altersklassen sucht man bei den Neuhauser Plattsnackers vergebens. Kein Wunder - wo hätten Kinder und Jugendliche auch die Mundart, die kaum noch unterrichtet wird, lernen sollen? Also braucht man zukünftig viele Verbündete, um das Niederdeutsche hochzuhalten. So wie Günther Wagener, den Plattdeutschbeauftragten der Hansestadt und des Landkreises Lüneburg. „Ich hatte von den Neuhausern gehört und wollte mir mal selbst ein Bild machen“, sagt das Mitglied von Lüneplatt e.V. Seit sechs Jahren bekleide er schon das Ehrenamt und persönliche Verbindungen seien immer besser, als sich über Telefon, SMS und Mails zu kontaktieren. „Bei uns spricht man zwar Heidejer Platt, aber wir verstehen uns trotzdem“, erklärt der einst in Rothenburg-Wümme Geborene. Nun wolle er schauen, wie man eine Zusammenarbeit aufbaue.

Sehr zur Freude von Detlef Dürrbaum. Der 74-Jährige lebt seit 25 Jahren in Neuhaus und lässt kaum ein Plattdütsch-Treffen aus, weil dort so viel gelacht werde. „Ich wollte immer schon das Plattdeutsche lernen, meine Eltern haben leider nur Hochdeutsch gesprochen. Und zum Lernen ist man nie zu alt.“

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