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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 06:55 Uhr

"Unfassbar und tragisch"

vom

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 08:56 Uhr

Valluhn | Der Schock sitzt tief. Auch einen Tag nach dem Unglück kann Wehrführer Detlef Kurz aus Valluhn nicht fassen, was sich in dem Wohnhaus gegenüber in der Nacht zuvor abgespielt hat. "Als wir eintrafen, stank es in dem Haus entsetzlich nach Abgasen", erzählte er gestern. Der Notarzt versorgte bereits die Mutter. "Wir sind dann mit Atemschutzmasken in den Keller. Dort lag der Sohn direkt neben dem Notstromaggregat." Beide - Vater und Sohn der Familie - sind selbst Mitglieder der Valluhner Wehr. "Der Junge hatte uns mal erzählt, dass im Haus der Strom abgeklemmt ist und sie sich selbst mit dem Aggregat versorgen. Aber wir dachten alle, das Gerät steht draußen im Schuppen oder auf dem Hof", so Kurz.

Vermutlich haben Probleme mit der Abgasanlage dazu geführt, dass Kohlenmonoxid ausströmte und sich im Haus verbreitete. Der Vater hatte als erster seine Frau leblos auf dem Boden im Parterre gefunden, sofort Hilfe gerufen und sich und seinen 13-jährigen Sohn in Sicherheit gebracht. "Die Untersuchungen zur Unglücksursache laufen noch", sagte Polizeisprecher Klaus Wiechmann gestern Nachmittag. Ob es ein Defekt war oder die benzinbetriebene Anlage falsch installiert wurde, könne noch nicht gesagt werden.

Der 16-jährige Sohn schwebt immer noch in Lebensgefahr, er war gestern mit dem Hubschrauber aus dem Schweriner Klinikum in die Berliner Charité geflogen worden. "Das tut uns allen sehr leid", sagte Wehrführer Detlef Kurz gestern. "Wir hoffen, dass er bald den Berg kommt." Im Dorf war bekannt, dass die Familie Geldsorgen hatte. Die Mutter sei gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Der Vater, Uwe Z., habe viel und fleißig gearbeitet, heißt es. "Aber es ist ja heute leider keine Seltenheit mehr, dass das Geld hinten und vorn nicht reicht, selbst wenn einer Arbeit hat", sagte ein Anwohner. Offenbar hatte Uwe Z. Mahnungen und Aufforderungen zu Teilzahlungen des Stromversorgers über Jahre hinweg ignoriert. "Wir haben alles versucht, ihm entgegenzukommen. Sperrtermine verschoben und kleine Raten angeboten", sagte gestern Jost Broichmann, Pressesprecher der Wemag. Als am Ende mehrere hunderte Euro nicht beglichen waren, hatte das Unternehmen den Strom abgeklemmt. Das passiere aber nur, wenn ein Kunde sich konsequent über lange Zeit hinweg verweigere. Broichmann zeigte sich entsetzt von dem Unglück. Hätte Familie Z. in irgendeiner Form auf die Wemag-Schreiben reagiert, hätte ihr geholfen werden können, so Broichmann. "Wir arbeiten eng mit den Jobcentern zusammen. Bei finanzieller Not gibt es immer Möglichkeiten und Wege bis hin zur Kostenübernahme." Der Fall in Valluhn sei für ihn "absolut unverständlich" und sein Ausgang "unsagbar tragisch".

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