Not in Boizenburg : Und plötzlich war die Brücke weg

Ohne Vorwarnung sei die Brücke eines Tages abgerissen worden, behauptet Buck.
Ohne Vorwarnung sei die Brücke eines Tages abgerissen worden, behauptet Buck.

Familie beklagt Abriss einer Boize-Querung: Sohn und schwerkranker Vater fühlen sich von der Stadtverwaltung hintergangen

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16. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Es sind nur wenige Meter, die Heinz Buck derzeit daran hindern, eigenständig sein Grundstück verlassen zu können. Denn die Brücke, die es dem schwerbehinderten Mann ermöglichte, die am Haus gelegene Boize zu überqueren, wurde abgerissen. Nun erhebt sein Sohn Mario schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung.

Ein Rückblick: Jahrzehntelang nutzt Familie Buck die Brücke, um mit dem Vater das Grundstück in der Schwartower Straße verlassen zu können. Die eigentliche Einfahrt des Hauses ist dafür zu steil. Doch ein ebenerdiger Weg hinter dem Haus führt über die Boize auf die Straße „An der Quöbbe“. Im September wird die Brücke bei Mäharbeiten des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StaLu WM) jedoch beschädigt. Da die Brücke nach Aussagen von Bürgermeister Harald Jäschke ausschließlich dem privaten Interesse der Familie Buck diene und keinen öffentlichen Nutzen habe, seien eine Sanierung oder ein Neubau nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Im nächsten Haushaltsjahr sei bereits der Abriss berücksichtigt. Das StaLu bietet der Stadt Boizenburg daraufhin an, die Brücke auf eigene Kosten abzureißen und entsorgen zu lassen. Die Stadt bestätigt den Abriss.

Die Familie jedoch will die aus den 60ern stammende Brücke erhalten und spricht bei Harald Jäschke vor. „Wir boten dem Bürgermeister an, die Brücke zu pachten, da sie für meinen schwerbehinderten, beinamputierten Vater zum ebenerdigen Verlassen des Grundstücks wichtig ist“, heißt es in einem Schreiben von Mario Buck an unsere Redaktion. Die Stadt hätte sich zu diesem Angebot nicht geäußert, so Buck.

Noch am selben Tag allerdings hätte der Ausschuss für Bau, Stadtplanung, Verkehr und Denkmalschutz der Stadt über das Anliegen der Familie Buck diskutiert, verteidigt sich Jäschke. Die Stadt bietet Familie Buck die Brücke daraufhin zum Kauf an. Sämtliche Kosten zur Unterhaltung der Brücke und die Verkehrssicherungspflicht würden damit auf die Familie übergehen. Die vorhandenen Schäden sind jedoch nicht zu unterschätzen, denn ein Prüfbericht besagt, dass die Brücke mit einer Zustandsnote von 4,0 erhebliche Mängel aufweist. Familie Buck bietet der Stadt erneut an, die Brücke zu pachten, sodass alle Pflichten weiterhin der Stadt obliegen würden.

„Das Angebot der Familie Buck entsprach nicht den Empfehlungen des Ausschusses für Bau Stadtplanung, Verkehr und Denkmalschutz der Stadt. Daraufhin habe ich entschieden, die Brücke durch das StaLu abreißen zu lassen und teilte diese Entscheidung Renate Buck als Eigentümerin des an der Brücke anliegenden Grundstückes mit“, so der Bürgermeister, der das auch in einem Schreiben an die Kommunalaufsicht, an die sich Mario Buck mittlerweile gewandt hat, vorträgt.

Mario Buck behauptet jedoch, dass er und seine Familie nie von dem Abrisstermin in Kenntnis gesetzt worden seien. Als sich die Kommunalaufsicht auf sein Bestreben hin mit dem Bürgermeister in Verbindung setzt, ist die Brücke bereits abgerissen. „Ich kann das Entsetzen des Herrn Buck verstehen, sehe aber keine Möglichkeit, anders entschieden zu haben“, sagt Jäschke.

„Wir sind sehr enttäuscht wie hinterhältig und schäbig unsere Stadt Verwaltungs- und Anstandsregeln bricht. So unfair geht man mit keinem Bürger um. Und schon gar nicht mit schwerkranken und alten Menschen wie meinem Vater und einem seit 20 Jahren vielfältig ehrenamtlich Engagierten wie mir“, so Buck.

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