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Hagenower Kreisblatt

15. Dezember 2017 | 22:57 Uhr

Feuer in Boizenburg : Und es war Brandstiftung

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Geplante Unterkunft in der Hamburger Straße für 40 Flüchtlinge aus Syrien zerstört / Staatsanwaltschaft bestätigt Vorsatz

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Seit heute ist die Elbestadt wieder in den Negativ-Schlagzeilen und das weltweit. Schuld daran ist der Brand in der Nacht zu Montag in dem als Flüchtlingsunterkunft geplanten Fachwerkhaus. Das brannte vollständig aus.

Die Freiwillige Feuerwehr Boizenburg war mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, auch die Feuerwehr aus Lauenburg kam zu Hilfe. Insgesamt bekämpften rund 100 Feuerwehrleute den Brand. Über zwei Drehleitern wurde das Feuer von oben über den Dachstuhl und von außen durch die Fenster gelöscht.

In dem ehemaligen Arbeiterwohnheim, das viele Bewohner der Region noch aus DDR-Zeiten als Lehrlingswohnheim der Elbe-Werft kennen, sollten am Donnerstag 40 Flüchtlinge aus Syrien einziehen. „Es war ein sehr intensives Feuer. Durch den Funkenflug bestand lange Zeit die Gefahr, dass auch Nachbargebäude in Brand geraten“, erklärte der stellvertretende Wehrführer Udo Behnke. Um zirka 1.30 Uhr sei der Brand gelöscht gewesen, um kurz nach zwei Uhr musste jedoch noch einmal ein Löschteam ausrücken, da die Polizei ein Wiederaufflammen des Brandes bemerkt hatte.

„Ob es einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, so Fredo Kreft, Leiter des Polizeireviers Boizenburg. „Dazu muss erst einmal die Brandursache geklärt werden“. Die Staatsanwaltschaft Schwerin erklärte heute: „Das Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft ist vorsätzlich gelegt worden.“ Die Ermittlungen des Brandsachverständigen hätten gesicherte Erkenntnisse geliefert, dass Brandstiftung vorliegt, sagte Stefan Urbanek von der Schweriner Staatsanwaltschaft. Weitere „objektive Anhaltspunkte“ würden die Annahme stützen. So seien Fenster geöffnet worden, offenbar mit dem Ziel, die Ausbreitung des Feuers im Gebäude durch Luftzug zu beschleunigen.

Die kriminaltechnischen Ermittler hatten heute Vormittag ihre Arbeit in Boizenburg aufgenommen. „Das kann auch noch bis morgen dauern“, sagte Brandermittler Peter Saeland aus Schwerin im Gespräch mit der SVZ. „Wir müssen noch den Bericht des Statikers abwarten, ob wir beispielsweise die Treppe und die oberen Geschosse betreten dürfen.“ Er gehe von einem wirtschaftlichen Totalschaden des dreistöckigen Gebäudes aus, da auch das Fachwerk beschädigt sei.

Der Brand war am Sonntagabend um 21.46 Uhr durch die Routinefahrt eines Streifenwagens vom Polizeirevier Boizenburg entdeckt worden.

„Ich bin einfach nur geschockt“, so der Bürgermeister Boizenburgs, Harald Jäschke. „Ich fand es toll, wie schnell die Freiwillige Feuerwehr gelöscht hat und dass auch die Lauenburger Wehr geholfen hat. Auch wenn die Wehren nichts mehr retten konnten, weil sofort das Fachwerk gebrannt hat.“ Er selbst sei um 22 Uhr benachrichtigt worden und dann sofort in die Hamburger Straße gefahren. Die Gerüchteküche brodele jedenfalls. „Fakt ist, dass wir zum 15.Oktober diese geflüchteten Menschen nun nicht unterbringen können. Wir müssen jetzt nach neuen Unterkünften suchen, denn wir müssen trotzdem bis zum Jahresende ungefähr 120 Flüchtlinge aufnehmen. Und die Situation der Flüchtlinge und der Einheimischen wird durch den Brand nicht besser.“ Die einhellige Meinung von Besuchern des neben dem Brandort gelegenen Fitnesscenters zielte auch auf den wirtschaftlichen Schaden. „Man kann ja dagegen sein“, meinte eine ältere Dame. „Aber wir alle müssen jetzt den Schaden durch den Brand bezahlen.“ „Das ist sehr traurig für Boizenburg, und peinlich. Wie kann jemand seine historische Stadt anzünden und es dulden, dass seine Heimat als fremdenfeindlich in den Nachrichten zu hören ist??“, ist einer der vielen ähnlichen Kommentare von Boizenburgern auf Facebook. „Was diejenigen nicht bedenken ist, dass es bei der Zuweisung wohl trotzdem bleibt. Ich warte schon auf das Geschrei, wenn es dadurch dann doch in die Turnhalle geht“, schreibt Marko Schultz, der Vorsitzende der CDU-Ortsgruppe Boizenburg Land. Mit Entsetzen und Empörung hat der Vorsitzende der Linken im Landkreis , Marko Schmidt, auf den Brand reagiert. „Ohne den Ermittlungsergebnissen zur Brandursache vorgreifen zu wollen, der Brand reiht sich ein in eine Kette von gezielten Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte im Bundesland. Das bewusste Schüren von Ängsten und das Verdrehen von Tatsachen, wie es insbesondere auch von MVGida und ihren Ablegern praktiziert wird, spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern bildet den Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Entsolidarisierung mit hilfesuchenden Menschen.“


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