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Anwohner-Frust in Zarrentin : Über Nacht ohne Parkplatz

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Weil von heut auf morgen Schilder mit absolutem Halteverbot vor ihrer Tür in der Dankwardtstraße stehen, rücken Hausbesitzer mehrmals vor die Bürgermeisterin und Stadtvertreter, um ihrem Ärger darüber Luft zu machen.

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erstellt am 27.Dez.2012 | 06:08 Uhr

Zarrentin | Anwohner-Frust in Zarrentin: Weil von heut auf morgen Schilder mit absolutem Halteverbot vor ihrer Tür in der Dankwardtstraße stehen, rücken Hausbesitzer mehrmals vor die Bürgermeisterin und Stadtvertreter, um ihrem Ärger darüber Luft zu machen. Das Problem: Viele Häuser stehen so dicht nebeneinander, dass die Eigentümer keine eigene Zufahrt schaffen können. Wocheneinkäufe, Gepäck und sämtliche tägliche Besorgungen müssen oft hunderte Meter geschleppt werden.

Entsprechend sauer ist Waltraut Lengning. Emotional reagiert die Horterzieherin auf der letzten Stadtvertretersitzung. "Ich finde es unverschämt", sagt sie. Zumal niemand zuvor mit den Anwohnern gesprochen habe. Vor vier Jahren erst hat sich die Zarrentinerin dort ein Haus gekauft - mit dem Wissen, einen sicheren Parkplatz direkt vor der Tür zu haben. Hätte sie gewusst, dass es soweit kommt, hätte sie die Immobilie nie erworben. Denn zu den persönlichen Einschränkungen komme die Abwertung des Grundstückes durch das Halteverbot, so ihr Mann Uwe.

In der jährlichen Verkehrszeichenschau mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim hatten Stadt und Kreisverkehrsaufsicht das einseitige Verbot für nötig befunden, weil die Dankwardtstraße sonst zu schmal für Winterdienst, Müllabfuhr und Feuerwehr wäre, so Dirk Schiewer, Fachbereichsleiter Bau, Regionalentwicklung und Ordnung im Amt Zarrentin. "Der Landkreis hatte das angeordnet", sagt er auf Nachfrage. Im Sinne der Stadt. Denn die müsse dort für die Verkehrssicherheit sorgen und für Schäden haften, die Winterdienst und Co. im Falle des Falles hinterlassen, so Schiewer. Da werde auch entschieden, ohne die Bürger einzubeziehen. Der Landkreis bedauert es, dass Zarrentin die Anwohner nicht beteiligt hat. Auf Nachfrage bestätigt er zwar, dass er das absolute Halteverbot angeordnet hat. Aber: Letztlich sei es eine Kann-Bestimmung gewesen. Nach dem Hinweis des Amtes auf die "komplizierte Situation" in der Straße habe sich die Kreisverkehrsaufsicht gemeinsam mit der Stadt die Situation vor Ort angeschaut und die Enge erkannt. Der Landkreis hätte aber mit jeder Lösung leben können. Auch, wenn alles so geblieben wäre, wie bisher.

Diese Antwort erhält auch Waltraut Lenging auf die private Nachfrage beim zuständigen Fachbereich des Kreises. Sie will sich nicht entmündigen lassen und bleibt zusammen mit ihren Nachbarn dran. Denn "wir können dieses Halteverbot nicht nachvollziehen", sagt sie. In den 14 Jahren nach der Straßensanierung sei dort immer jeder durchgekommen. Das habe man auch bei der jüngsten Begehung gesehen.

Sie selbst muss jetzt in irgendwelchen dunklen Seitenstraßen nach einem Parkplatz suchen. Die Erzieherin kommt spät nach Hause, schleppt ihre Taschen etliche Meter durch die Stadt. "Solche Strecken sind zumutbar", sagt Dirk Schiewer. Zarrentin sei nicht so groß. Anwohner Ralf Blumberg hält dagegen: Denn auch in den Straßen rundherum seien nur noch wenige Parkplätze geblieben. Beispiel Möllnsche Straße und Rosenstraße. Deren Anwohner würden schon in die Dankwardtstraße ausweichen, wo ein Parkstreifen geblieben ist. "Alle wissen nicht mehr, wo sie hinsollen", sagt er.

Nach der Debatte mit den Anwohnern und einem weiteren Termin vor Ort hat die Stadt jetzt eingelenkt und ein eingeschränktes Halteverbot an drei Tagen vormittags beim Landkreis beantragt. Da dürfte es keine Probleme geben, heißt es dort auf Nachfrage. Außerdem soll im ersten Zarrentiner Bauausschuss im neuen Jahr nochmal das komplette Parkkonzept auf den Tisch, verspricht Fachamtsleiter Dirk Schiewer.

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