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Filmdreh in MV : Über das Urvertrauen in die Welt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Schullandheim in Dreilützow ist drei Tage lang Drehort eines Melodrams. Es geht um unfassbare Schuld und Zerbrechlichkeit des Glücks.

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 12:00 Uhr

„Klappe 81, die zweite“, heißt es und der obligatorische Knall ertönt. „Das hat mir sehr gut gefallen, schönes Timing“, lobt Regisseur Jan Buttler. Filmisches Gewusel herrscht derweil am Set, das Licht wird ausgeleuchtet und vermessen sowie die Requisiten geschäftig hin und her getragen. Es ist der Dreh für ein etwa 15-minütiges Melodram, einen Kurzspielfilm, der für internationale Festivals 2016 sowie das Internet ab 2017 produziert werden solle, erklärt Buttler, der auch für Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet. Trotz des Kampfes gegen den Baustellenlärm in der Nähe, behält er die Nerven und lobt die Location, das örtliche Schullandheim.

„Im Gegensatz zu Berlin, wo die Menschen kaum noch zu beeindrucken sind, fühlen wir uns hier sehr gut aufgehoben. Uns wird mit ganz viel Neugierde, nicht mit Ablehnung begegnet, das ist äußerst angenehm.“

Doch nun zum Film: Vom Aus-der-Welt-geworfen-Sein soll der Streifen erzählen. Und wie wenig es braucht, um sicher geglaubtes Glück zu zerstören.

„Wir zeichnen das Bild einer jungen Frau, die den Halt im Leben und das Urvertrauen in die Welt verloren hat und darin sogar ihrer sozialen Fähigkeiten beraubt zu sein scheint“, berichtet Buttler in den Kamerapausen im SVZ-Gespräch. Seine Protagonistin heißt Luise, ist auf der Flucht und wird von Schauspielerin und Hauptdarstellerin Christina Kraft verkörpert. Vor wem und was sie flieht, erfährt man zunächst nicht und auch die Kamera soll ihr Geheimnis möglichst lange bewahren. Alles, was der Zuschauer später sieht, ist die Perspektive von Luise. Kontraste schaffen, indem die Bilder entschleunigt werden, so, als läge etwas Schicksalhaftes in der Luft. Tiefe Räume und lange Flure verstärken die Verlorenheit von Luise, deren einzige Vertraute ihr Cello zu sein scheint, auf dem sie zurückgezogen in ihrem Zimmer spielt. Durch das Wechselspiel von Mitgefühl und Skepsis soll der Zuschauer neugierig werden auf den Film „Aus der Wüste“, soll er das Menschliche in der Tragödie entdecken, um zu verstehen, damit die unfassbare Schuld, die auf Luises Schultern lastet, sie nicht zu ihrer eigenen, sich selbst im frei gewählten Exil bekriegenden Feindin werden lässt.

„Ich hätte nie gedacht, dass Film so zeitaufwändig ist. Für wenige Sekunden werden Stunden beim Dreh gebraucht“, zeigt sich Stefan Behrens, der Leiter des Schullandheimes, sichtlich beeindruckt von dem Treiben vor der Tür, das heute sein Ende finden wird. Bis 13. Dezember zieht die Karawane in MV weiter. Mit Sack und Pack, zum nächsten Drehort.

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