zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 21:28 Uhr

Hagenow : Turnverein darf endlich bauen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach Jahren der Vorbereitung darf der größte Sportverein des Kreises Umbauten in Hagenow vollenden. Versteckte Kritik an der Stadt

von
erstellt am 06.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Hagenow Die Bauwünsche der beiden großen  Sportvereine der Stadt bestimmen derzeit die Diskussion. Nur wenige Tage nachdem der Hagenower Sportverein mit seinen Fußballern die Stadt um eine Ko-Finanzierung für einen Kunstrasenplatz gebeten hat, erhielt der nach Mitgliedern doppelt so große Turnverein seinen Bewilligungsbescheid vom Land für sein großes Bauvorhaben. Doch hier sind die 125000 Euro Kofinanzierung der Stadt einfach eingerechnet worden. Reales Geld fließt von der Stadt nicht. Nun droht der Stadt eine Diskussion um die Gleichbehandlung ihrer Sportvereine.

„Wir selbst wollen diese Diskussion als Verein nicht befeuern, wären aber froh, wenn das in der Stadtvertretung ausführlich passieren würde“, gab sich Vereinsvorsitzender Dirk Schiewer auf Nachfrage sehr zurückhaltend. Kein Wunder, hat der Verein doch über Jahre an dem Projekt gearbeitet und vor allem seit vier Jahren über Mitgliedsbeiträge gespart. Nur so ist das insgesamt 763445 Euro teure Bauvorhaben überhaupt zu stemmen. Kein Wunder, dass man sich bei dem 1051 Mitgliedern zählenden Verein zurückgesetzt fühlt, sollten die Fußballer vom HSV bald ihre 125000 Euro von der Stadt bekommen. Der Turnverein will sein bereits umgestaltetes Domizil in der Rudolf-Tarnow-Straße umbauen. Diese Gebäude gehörten früher einmal zur Einkaufsliefergenossenschaft des Handwerkes (ELG) und waren für sportliche Nutzung gar nicht geeignet und vorgesehen. Doch nach der Wende flog der Verein auch wegen der Fußballer zum Teil aus städtischen Hallen und musste sich notgedrungen sein eigenes Reich schaffen. Auch das ist unvergessen, wie die stellv. Vereinsvorsitzende Dorit Kiese erwähnt.

Dennoch überwiegt derzeit die Freude, jetzt endlich loslegen zu können. Was das konkret bedeutet, erklärte der verantwortliche Architekt Thorsten Knebusch aus Neuhaus: „Es wird ein großes Bauvorhaben, das wahrscheinlich im Mai kommenden Jahres abgeschlossen sein kann. Wir gehen jetzt in die konkreten Bauwerksplanungen, dann folgen die Ausschreibung, und der Beginn könnte bereits im Herbst sein.“

Neue Fußböden, Duschen, Sanitäreinrichtungen, erweiterter Fitnessbereich, neue Heizungsanlagen, Dämmung und Dach sind nur ein Teil der umfassenden Arbeiten. Vorteil: An den Ausschreibungen sollen und können sich möglichst viele einheimische Firmen beteiligen.

Wenn alles fertig wird, werden die Freizeisportler vom Turnverein ein sehr funktionales und auch modernes Sportzentrum haben. Mitten in der Stadt. Einen Bedarf für einen großen Hagenower Sportpark, wie er immer wieder vorgeschlagen wird, sieht die Vereinsführung nicht. „Wir kommen mit dem, was wir haben, sehr gut klar“, ist sich Dirk Schiewer sicher.

Kommentar des Autors: Gleichbehandlung ist ein hohes Gut

Jetzt kommt die Stadtvertretung aber so richtig ins Schwitzen. Am 13. Juli soll sie in einer Sondersitzung entscheiden, ob sie den Sozialbau am Sportplatz in der Parkstraße weiter verfolgen will. Und sie soll entscheiden, ob der Hagenower Sportverein                        125 000 Euro als Kofinanzierung für seinen Kunstrasenplatz bekommen soll.

Doch so einfach wird das nicht, denn dieses Geld hat der Turnverein mindestens genauso verdient. Formal ist das auch so, doch real zahlt die Stadt in dem Fall nichts. Deren Kofinanzierung ist nämlich in den Fördermitteln versteckt. Im Ergebnis muss der Turnverein mehr an Eigenmitteln aufbringen. Die Projekte vom HSV und Turnverein sind in etwa vergleichbar. Ihre Bedeutung auch. Zum einen ist das der HSV mit seinen 15 Mannschaften im Punktspielbetrieb und aktuell sehr bescheidenen Bedingungen. Zum anderen der Sportverein, der zwar „nur“ Freizeitsport anbietet, sich aber vor Mitgliedern nicht retten kann.  Eigentlich bleibt der Vertretung nur die Entscheidung beiden Vereinen das gleiche Geld für die Finanzierungen zu geben. Das wird zwar deutlich teurer für die Stadt, wäre aber im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit ein überaus wichtiges Signal für Hagenow und Umgebung und seine Sportler.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen