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Großkontrolle A 24 : Truckerin Ines hat´s erwischt

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Auch das noch: Polizeikontrolle nur wenige Stunden vor Feierabend. Ins herbe Gesicht von Truckerin Ines mischt sich ein gezwungenes Lächeln, als Polizeihauptmeister Klaus Ehlert sie auf dem Parkplatz Schremheide begrüßt.

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erstellt am 29.Apr.2012 | 07:36 Uhr

Hagenow/Schremheide | Auch das noch: Polizeikontrolle nur wenige Stunden vor Feierabend. Ins herbe Gesicht von Truckerin Ines mischt sich ein gezwungenes Lächeln, als Polizeihauptmeister Klaus Ehlert sie Freitagabend auf dem Parkplatz Schremheide begrüßt. Mit einem Satz springt sie aus ihrem Schwerlaster, stülpt sich Arbeitshandschuhe über und geht strammen Schrittes zur Verladetür. Die große schlanke Frau mit schlabberiger Jeans und gestreiftem Pulli brubbelt: "Die finden bestimmt was."

30 Kräfte von Autobahn-, Bundespolizei und Zoll haben es in dieser Nacht auf Lkw, Pkw und Transporter aus Richtung Berlin abgesehen. Ausländische Kennzeichen, voll beladen, schmuddelig - nach solchen Kriterien wählt der Beamte direkt an der Fahrspur der A 24 Fahrzeuge aus, hebt die Kelle in der tempogedrosselten einspurigen Zone und winkt sie rein. Die Kollegen kontrollieren dann später die Sicherung der Ladung und Einhaltung der Ruhezeiten, und suchen nach Drogen und eingeschleusten Waren. "Mach mal stop", heißt es plötzlich per Funk. "Hier ist es voll. Wir kommen nicht mehr hinterher."

Ein Blick auf die Ladefläche von Ines. Konserven auf Paletten. "Ich prüfe, ob alles ordentlich gesichert ist", erklärt Klaus Ehlert. Dann verschwindet der Beamte mit den Papieren der Truckerin und ihrem Fahrtenschreiber zum Dienstwagen. Schlängelt sich durch die Laster und Pkw links und rechts neben Ines’ Truck, die gerade abgefertigt werden. "Wo ist er jetzt hin", brubbelt Ines mit rauer Stimme. Sie schimpft, rennt hektisch um ihren Lkw. "Ich mag das nicht, wenn einer mit meinen Papieren unterwegs ist."

Der Polizeihauptmeister sieht längst, was Ines schon vermutete: "Hier mal fünf Minuten, da zehn überzogen. Das passiert schon mal." Auf dem Computerbildschirm des Beamten tauchen die digital gespeicherten Lenk- und Ruhezeiten auf. "Hier fehlen zwei Stunden, dort knapp anderthalb", sagt Klaus Ehlert, zeigt mit dem Finger drauf. Ines lukt mit dem Kopf in den Polizeiwagen, kneift die Augen hinter ihrer Brille zusammen und rennt plötzlich weg. Mit einem Kalender kommt sie wieder. "Ja, ich führe Buch, was ich wann treibe", sagt Ines. Sie nimmt einen zerknitterten Spickzettel raus: "Da, ich hab sogar ’ne Entschuldigung", so die Frau, die auf dem Weg nach Bad Segeberg unterwegs ist. Ihr Luftbalg war geplatzt. Sie musste an dem Tag in die Werkstatt. Für die Überschreitung am anderen Tag findet sie keine Erklärung.

Dass die Sozialvorschriften in der Branche oft nicht eingehalten werden, sei den Beamten schon vor der Kontrolle bewusst gewesen, begründet Kontrollchef Polizeihauptkommissar Rüdiger Stüber den aufwendigen Einsatz an der Autobahn. Damit würden Lkw-Fahrer aber auch sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

"Es geht oft nicht anders", erzählt Ines. Man stehe eben mal länger beim Verladen der Ware. Da frage auch der Chef nicht nach. Das Bußgeld müsste Ines aus eigener Tasche zahlen. Und dass sie damit jetzt rechnen muss, erklärt ihr Klaus Ehlert. Er wertet die Daten aus und schickt alles zum zuständigen Landkreis. Der verhängt dann die Strafe.

Das war’s für Ines. "Nach Hause komme ich heute nicht mehr", sagt sie. Gelassen, mit einem müden Lächeln. Würde sie jetzt durchfahren bis Bad Segeberg, wäre das wieder eine Missachtung ihrer Ruhezeiten.

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