Wittenburg : Trotz Streiks rollen die Bänder

Donnerstag kurz nach 9 Uhr vor dem Dr. Oetker Werk in Wittenburg: Die ersten Mitarbeiter treten in einen 24-stündigen Warnstreik.
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Donnerstag kurz nach 9 Uhr vor dem Dr. Oetker Werk in Wittenburg: Die ersten Mitarbeiter treten in einen 24-stündigen Warnstreik.

Gewerkschaft NGG hat Mitarbeiter zum Arbeitskampf aufgerufen. Werksleitung: „Wir produzieren weiter auf zwei Linien“

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30. Juni 2016, 21:00 Uhr

Nachdem am Mittwoch Beschäftigte des Hagenower Werkes von Emsland-Food für 24 Stunden in den Warnstreik traten (SVZ berichtete), zogen am Donnerstag Mitarbeiter des Pizza-Produzenten Dr. Oetker in Wittenburg nach.

„Unsere Mitarbeiter treten  in den Warnstreik und bleiben dann 24 Stunden im Ausstand. Dabei handelt es sich um Beschäftigte  von drei Schichten. Wir gehen davon aus, dass 90 Prozent der Mitarbeiter von den Bändern in den Streik treten“, sagte gestern früh Steffen O., der Betriebsratsvorsitzende des Wittenburger Werkes von Dr. Oetker im SVZ-Gespräch.  Gegen 9 Uhr, zum Schichtende, schrieben sich dann die ersten Arbeitnehmer in die Streikliste  der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ein.  „Uns geht es mit dieser Aktion darum, die Angleichung der Löhne zwischen Ost und West durchzusetzen. Diese Ungleichheit muss der Vergangenheit angehören. Es kann doch nicht sein, dass der Kollege im Oetker-Werk in Wittlich  350 Euro mehr in der Lohntüte hat, als ein Beschäftigter hier, der die selbe Arbeit macht. Wichtig ist für die Beschäftigen hier das höhere Einkommen, um auch die Wirtschaft in der Region anzukurbeln. Und wir müssen die Kollegen in eine vernünftige Rente schicken“, sagte Steffen O. am Donnerstag.

Nach Informationen der Gewerkschaft NGG wurde jetzt auch bei Oetker in Wittenburg zum Warnstreik aufgerufen, nachdem die Arbeitgeber in der vierten Verhandlungsrunde  ihr vormaliges Angebot wieder zurückgezogen hatten. Die Gewerkschaft will eine Entgeltangleichung an das Westniveau in der obst- und gemüseverarbeitenden Industrie erreichen und hatte dazu einen mehrjährigen Stufenplan gefordert.

Mit Transparenten, die  mit  Aufschriften wie „Wir streiken für höhere Löhne“ und „Angleichung der Löhne Ost an West jetzt“ versehen waren, brachten die Streikenden ihre Meinung vor dem Werkstor zum Ausdruck.

Während des Streiks weiter produziert

„Es ist der Gewerkschaft nicht gelungen, die Produktion bei uns zum Erliegen zu bringen“, sagte der Werksleiter des Wittenburger Oetker-Werkes, Detlef Förster, gestern zum Hagenower Kreisblatt. Es werde während des Streiks auf zwei Linien produziert, und es werde auch Fertigware ausgeliefert, betonte er weiter.

„Aus Arbeitgebersicht ist der Streik unnötig. Zur Lösung können wir nur in Verhandlungen kommen. Und ich hoffe, dass die Gewerkschaft versteht, dass verhandeln bedeutet, dass sich beide Seiten auf einen Kompromiss zubewegen. Ich bin maßlos darüber enttäuscht, dass es von der Gewerkschaft kein Angebot gibt“, betonte er weiter.  Als Arbeitgeber-Vertreter macht er zudem darauf aufmerksam, dass es wichtig sei, das wirtschaftlich Machbare  für die Betriebe zu berücksichtigen, um die Arbeitsplätze auszubauen, bei Oetker auf jetzt 900.

„Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter ihren Kaufkraftverlust ausgeglichen bekommen und die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen erhalten bleibt. Die jetzige Entwicklung sehe ich mit großer Sorge“, betont er.

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