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Hagenower Kreisblatt

13. Dezember 2017 | 10:17 Uhr

Hagenow : Trolli: Auf dem Weg zur Mutti-Schicht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hagenower Gummibonbon-Werk will trotz Schichtbetriebs ein familienfreundliches Unternehmen sein und wagt mehr als nur vorsichtige Schritte

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 16:41 Uhr

Die Trolli-Fabrik in Hagenow ist von der reinen Faktenlage her denkbar ungeeignet für ein Siegel, das die Fabrik für Gummibonbons aber unbedingt haben will: es geht um die  Familienfreundlichkeit. Denn das große Werk an der Steegener Chaussee ist ganz wesentlich durch Schichtarbeit geprägt. Und die ist eigentlich Gift für Beschäftigte, die Kinder haben.

Trolli hat sich dennoch um die Zertifizierung als familienfreundliches Unternehmen beim Landkreis beworben. Und das Werk wartete inzwischen mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen für seine Beschäftigten auf, die über normales Maß hinaus gehen.

Das ist z. B. die Geschichte von Nadine Sager, einer 29-jährigen Frau aus Hagenow, die seit sechs Jahren bei Trolli ist und als allein erziehende, junge Mutter ein Problem hatte. Gemeinsam mit Personalchefin Susanne Ziems beschrieb sie im Redaktionsgespräch, wie der Betrieb für ihr Problem eine Lösung fand. „Drei Schichten funktioniert bei mir nicht. Und so wurde ich an eine Maschine gesetzt, die einschichtig genutzt wird, ich habe Arbeitszeiten von 7 bis 15 Uhr, kann mein Kind in die Einrichtung bringen und abholen. Das hilft mir enorm.“

Eine Lösung, die natürlich nicht immer funktioniert. Dennoch will der Betrieb mit mehreren Hundert Mitarbeiten vor allem den jungen Müttern entgegenkommen. „Muttischicht, ist ein Begriff, der schon lange bei uns herumgeistert, den wir aber mittelfristig anstreben. Das setzt aber auch auf der Gegenseite Kollegen voraus, die dann bevorzugt in die anderen Schichten gehen. Wir sind da in intensiven Gesprächen, natürlich auch mit dem Betriebsrat“,  erklärte Olaf Süßbier, der „Geschäftsführer Operations“ der Mederer-Gruppe.

Bis dahin sollen vor allem in Einzelfällen Lösungen gefunden werden. Der Betrieb kommt seiner Belegschaft auch insgesamt entgegen, z. B. bei den so genannten Brückentagen. Da würden die Schichten und Reinigungszeiten so geplant, dass die Belegschaft möglichst  viele freie Tage am Stück hat.

Dieses Entgegenkommen, zu dem auch die Bereitstellung kostenloser Getränke (natürlich kein Bier) gehört, kommt nicht von ungefähr. „Wir suchen und brauchen gute, verlässliche Mitarbeiter in einem recht ausgeschöpftem Arbeitsmarkt. Einiges kann man sicher über Entgelt regeln aber lange nicht alles“, erklärt Süßbier.

Ein finanziell gestütztes Mittagessen, auch das kommt bei einer Belegschaft gut an. Dazu kommt, dass bei Trolli auch noch über ein Bestellsystem eine Riesenauswahl an verschiedenen Essen angeboten wird.  Bei Trolli gehören auch große Betriebsfeiern, die letzte fand im Alpincenter statt, seit Jahren zur Normalität. Auch tariflichen Regelungen sehen die Verantwortlichen ihre Mitarbeiter im Vorteil. Schließlich würde es ein 13. Gehalt und auch noch eine weitere Zusatzvergütung geben. Das sei längst nicht überall  Standard. Zumal auch gut gezahlt werde. Vergleichbar zu Bayern verdiene  ein Mitarbeiter in Süßwarenindustrie inzwischen sogar etwas mehr. Damit ist die Liste der Beispiele nicht erschöpft. Es gibt eine betriebliche Altersvorsorge mit  Zuschuss.  Susanne Ziems berichtet, dass man vor allem jüngere Mitarbeiter geradezu überreden musste, sich abzusichern. Und es gibt eine Zusammenarbeit mit Krankenkassen, die Spezialisten ins Werk schicken. Die sehen sich z. B. die permanent ablaufenden Bewegungen der Arbeiter  an den Bändern an und versuchen mit kleinen Veränderungen die sonst typischen Überbelastungen zu verhindern.

Süßbier: „Wir wollen uns nicht in den Himmel heben, wir sind aber auf gutem Weg, familienfreundlich zu sein und zu bleiben.“

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