Treppauf für Kaulbarsch und Hecht

<strong>Ein Ukelei </strong>- davon haben mehr als tausend die Treppe überwunden.<fotos>K. Hennes</fotos>
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Ein Ukelei - davon haben mehr als tausend die Treppe überwunden.K. Hennes

svz.de von
21. Juni 2012, 11:48 Uhr

Boizenburg | Marek Mönkediek watet mit Gummihose und Stiefeln durch das kniehohe Wasser. Ein letztes Mal wird er gleich die Reuse einholen. "Es sind wieder welche drin", ruft er seinem Kollegen Arno Waterstraat zu. Der steht mit Notizblock am Ufer und wird die Fische gleich vermessen und bestimmen.

Es ist der letzte Arbeitstag der beiden in Boizenburg. Seit Mitte Mai kontrollieren die Mitarbeiter der Gesellschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie e.V. den Fischbestand oberhalb der Treppe. "Fischaufstiegshilfe" heißt es richtig in der Fachsprache. Im August vor einem Jahr waren oberhalb des Sudeabschlusswehres 13 so genannte Riegel mit Feldsteinen gebaut worden, die die Fließgeschwindigkeit der Sude minimieren und somit den Fischen den Aufstieg aus dem Hafenbecken ermöglichen sollen. Ob das aufwändige mit einer 90 Meter langen Spundwand versehene Natur-Bauwerk von den Fischen angenommen wird, das sollen Waterstraat und sein Kollege Marek nun erstmals mit einer "Effizienzkontrolle" dokumentieren.

Erstes Fazit nach dem letzten Zähltag: Grundsätzlich funktioniert hier die Fischwanderung. "Wir haben in diesem einen Monat bis zu 4000 Tiere gezählt. Darunter waren auch so seltene Arten, wie der Rapfen oder die Zope. Auch Hechte, Kaulbarsche, Rotfedern, Güstern, Brassen und zwei Aale holte Marek Mönkediek aus der Reuse. "Wir waren anfangs erst verwundert, dass so wenige Ukeleis im Netz sind", sagt Waterstraat. Bis dann eines Tages hunderte junge Ukeleis in der Reuse zappelten. "Ein gutes Zeichen", sagt Waterstraat. Es hat sich herumgesprochen, die Jungtiere ziehen schwarmweise in neue Gewässer.

Ohne die Fischtreppe würden die Tiere in der Elbe und im Hafenbecken bleiben, mit der Aufstiegshilfe wandern sie jetzt über die Sude, weiter in die Schaale, bis hin zur Rögnitz und Krainke.

Zwei Mal täglich, früh sieben Uhr und abends um sechs, haben die Männer die Netze eingeholt. "Es war ein schönes Arbeiten hier", sagt Waterstraat, der sich bei der Gelegenheit auch bei den ortsansässigen Anglern für deren Gastfreundschaft bedanken will.

Im Herbst kommen er und seine Kollegen noch einmal wieder. Dann wollen sie prüfen, ob auch die Meerforelle aus der Elbe den Weg über die Fischtreppe in die Sude findet. Die wandert nämlich nicht im Frühjahr, wie die meisten Fische, sondern erst im September und Oktober.

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