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Storch aus Besitz : Trauriges Ende einer langen Reise

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die vermisste Störchin aus Besitz, deren letztes Signal aus einem Haus in Tansania kam, wurde mit Gift gejagt und verspeist

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Die Vermutung der hiesigen Storchenexperten hat sich bestätigt: Die Störchin aus Besitz ist tot. Allerdings ist sie nicht etwa verhungert. Sie wurde in Afrika vergiftet und verspeist. Darüber informierten jetzt der Storchenbeauftragte für Ludwigslust-Parchim, Helmut Eggers, und Steffen Hollerbach von der Storkenkate in Preten. 2016 hatten Helmut Eggers und Steffen Hollerbach die Störchin aus Besitz und die Störchin aus Gülze mit Sendern versehen (SVZ vom 29.Dezember 2016).

Ziel dieses Vorhabens der Storkfoundation war es herauszufinden, warum die Storchenpopulation derzeit zurück geht. Daher war es für die Storchenschützer von großer Bedeutung, sich um die Bergung des Senders in Tansania zu bemühen. Zumal sie noch die Nachricht erhielten, dass ein zweiter besenderter Storch aus einem bayrischen Projekt nur 3,9 Kilometer von der Besitzer Störchin entfernt ebenfalls keine Bewegungen mehr gezeigt hatte. Die Storchenexperten stellten sich die Frage, ob vielleicht noch mehr Störche in dieser Region verendet sind. Recherchen im Internet ergaben eine extreme Trockenheit in diesem Gebiet. Doch die Störche hätten auch einfach in andere Gebiete ausweichen können.


Richtiges Haus trotz 7000 Kilometer Distanz


Um die Ungewissheit zu klären, kam der Zufall zu Hilfe. Ein Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Vogelforschung in Radolfzell, der tansanische Doktorand Ignas Safari, machte sich zu diesem Zeitpunkt auf den Weg zu einem Forschungsprojekt nach Tansania. Er wurde über die Koordinaten der Senderstörche informiert und erhielt den Auftrag, die Sender zu bergen und die möglichen Ursachen vor Ort zu recherchieren.

Ignas Safari konnte in Tansania tatsächlich das Haus finden, aus dem die letzten Signale der Störchin aus Besitz kamen. Die Menschen vor Ort waren sehr verwundert darüber, wie der Doktorand wissen konnte, in welches Haus er gehen musste, um den Sender zu suchen - ohne vorher jemanden zu fragen. Helmut Eggers und Steffen Hollerbach fanden das, obwohl sie mit der Technik vertraut sind, ebenfalls erstaunlich. Sie konnten aus 7000 Kilometer Entfernung genau das Haus benennen, in das der Storch aus Besitz mit dem Sender gebracht worden war. Ignas Safari fragte die Hausbewohner nach dem Verbleib von Storch und Sender. Die Familie sagte zunächst, sie wüsste nichts davon. Doch Ignas Safari entdeckte Storchenfedern auf ihrem Komposthaufen und drohte damit, die Polizei zu holen. Nun gab die Familie zu, den Storch gefunden zu haben. Der Familienvater hatte Angst, weil seine Kinder den Sender zerstört hatten.


Jagd auf Störche mit hochgiftigem Insektizid


Den zweite Sender konnte von dem tansanischen Vogelforscher ebenfalls geborgen werden, dieser war unversehrt. Ignas Safari konnte herausfinden, dass beide Störche mit Agro-Furan 5GR vergiftet wurden, einem hochtoxischen Insektizid, das seit 2007 in der Europäischen Union verboten ist. Nur wenige Körner des lila eingefärbten Mittels reichen aus, um Hunde zu vergiften.

In Tansania, Uganda und Kenia wird es gezielt für die Jagd auf Vögel eingesetzt. Dazu werden geflügelte Termiten, Schnecken, Ratten und andere Köder mit dem Mittel benetzt und in Bereichen, wo die Störche Nahrung suchen, ausgelegt. Die Störche nehmen die Köder auf und sterben in kürzester Zeit einen qualvollen Tod. Die toten Störche werden eingesammelt und von dem Einheimischen gegessen. Nicht nur Störche werden so gejagt, sondern auch Enten. Doch der Verzehr dieser vergifteten Vögel ist für Menschen eine höchst gefährliche Angelegenheit.

Der tansanische Doktorand schätzte, dass in dem kleinen Gebiet mindestens 50 Störche auf diese Weise vergiftet wurden. Eine Hochrechnung auf größere Gebiete ergibt katastrophale Auswirkungen auf den Storchenbestand.

Der tansanische Vogelforscher nutzte seine Anwesenheit vor Ort in Tansania gleich, um zusammen mit dem Dorfoberhaupt eine Versammlung mit den Bewohnern einzuberufen. Dort wurden die Einheimischen über die negativen Auswirkungen des Giftes für die Storchen- und Entenjagd auf ihre Gesundheit aufgeklärt. In Zusammenarbeit mit internationalen Natur- und Vogelschutzorganisatoren sind weitere Aktionen gegen die Jagd mit Gift geplant.


Besenderung hat Bestandsrückgang erklärt


„Ohne die Besenderung der Störche hätten wir nie etwas von der massenweisen Vergiftung der Störche erfahren“, sind sich Helmut Eggers und Steffen Hollerbach sicher. „Wir wollen prüfen, welche Möglichkeiten wir haben, um die Menschen in Tansania davon abzuhalten, sich und die Vögel zu vergiften. Falls in diesem Jahr der eine oder andere Weißstorch nicht nach Deutschland zurückkehrt, könnte es daran liegen, dass auch er vergiftet wurde. Aber auch die große Trockenheit in Bereichen des südlichen Afrika oder andere Gefahren auf dem weiten Weg aus den Überwinterungsgebieten zu uns könnten ein Grund für das Ausbleiben sein. Umso wichtiger ist es, dass die Störche hier gute Nahrungsflächen finden, um möglichst viele Junge aufzuziehen, damit die Verluste ausgeglichen werden können.“

Der zweite besenderte Storch aus Gülze hält sich immer noch am Blauen Nil im südlichen Sudan auf. Er scheint wohlauf zu sein. Hoffentlich kehrt er unversehrt zurück.

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