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Hagenower Kreisblatt

19. November 2017 | 11:45 Uhr

Boizenburg : Transparenz für Patienten

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die KMG-Kliniken treten der Initiative Qualitätsmedizin bei: Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Eschmann

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 14:46 Uhr

Die KMG Kliniken behandeln an ihren sechs Akut-Krankenhausstandorten in Boizenburg, Güstrow, Havelberg, Kyritz, Pritzwalk und Wittstock im Jahr rund 40  000 Patienten stationär und ungefähr 62  000 Patienten ambulant. Um die Qualität der medizinischen Versorgung nachhaltig zu sichern und den Patienten konsequente Transparenz zu bieten, werden die KMG Kliniken zum 1. Juli Mitglied der Initiative Qualitätsmedizin IQM. SVZ-Redakteurin Katja Frick erfuhr von Stefan Eschmann, dem Vorstandsvorsitzenden der KMG-Kliniken, was das bedeutet.

Was ist IQM?
Die Initiative Qualitätsmedizin ist ein gemeinnütziger Verein von privaten, kommunalen und konfessionellen Kliniken, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, über die bestehenden gesetzlichen Anforderungen hinaus Qualität zu sichern. Dabei geht es nur um die medizinische Ergebnisqualität einer Klinik, nicht, ob das Essen oder die Ausstattung gefallen haben.
Welche Daten werden beim IQM-Verfahren erfasst?
Begonnen wurde mit den Sterblichkeitsraten in Bezug auf bestimmte Operationen, die in Verbindung zu bundesweiten Daten gesetzt wurden.
Das Besondere des ganzen Verfahrens ist, dass es mit sehr wenig Aufwand betrieben werden kann, dafür braucht es nur die Routinedaten, die von einer Klinik ohnehin für die Abrechnungen gegenüber den Krankenkassen erfasst werden müssen.
Viele dieser Daten wurden bisher gar nicht genutzt. Die Initiative hat einen Filter entwickelt, um die Daten für das IQM-Verfahren nutzbar zu machen.
Welche Daten werden konkret erfasst?
Direkt erfasst werden, wie gesagt, die Routinedaten, die die Kassen ohnehin für die Abrechnung erhalten. Daraus „gewinnt“ man aktuell über 40 Hauptindikatoren.

Nehmen wir als Beispiel den Hüftgelenkersatz. Da wird die Komplikationsrate erfasst, die Zahl der Operationen, die nicht reibungslos verlaufen sind.

Da IQM Kooperationspartner des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ist, erhalten IQM-Mitgliedskliniken zusätzlich Informationen über Ereignisse nach einem Krankenhausaufenthalt. Über die WIdO-Daten lässt sich erfahren, ob der Patient beispielsweise nach einer definierten Zeitspanne nicht wieder laufen konnte oder noch mal ins Krankenhaus musste.

Daran sind aber nicht immer Behandlungsfehler schuld, sondern es kann auch am vorherigen Zustand des Patienten liegen. Dieses zu differenzieren und gegebenenfalls Optimierungspotenziale zu zeigen, ist eine wesentliche Säule der Initiative Qualitätsmedizin.
Wie kann man mit dem IQM-Verfahren Stärken und Schwächen eines Krankenhauses erkennen?
Es geht IQM-Mitgliedskrankenhäusern nicht um ein Ranking untereinander, sondern um die Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität. IQM-Kliniken setzen sich als Ziel, besser als der Bundesdurchschnitt zu sein, der für sie der Vergleichswert ist. Sollte das einmal nicht der Fall sein, greift das „Peer Review Verfahren“, auf das ich noch zu sprechen komme.
So können Kliniken ihre Ergebnisse in Bezug auf die Diagnose und die angewandte Operationsmethode vergleichen.
IQM gibt es seit 2008, inzwischen sind 30 Prozent aller stationären Fälle bei IQM vertreten.
Wie wird durch das Verfahren das Optimierungspotenzial einer Klinik erkannt?
IQM besteht aus drei Säulen. Die erste ist die Messung der Ergebnisqualität.

Zweitens sollen die ermittelten Daten den Patienten öffentlich zugänglich gemacht werden. Jedes IQM-Mitglied muss spätestens nach zwei Jahren Mitgliedschaft seine Daten veröffentlichen. Wir, die KMG-Kliniken, werden das spätestens 2018 für alle unsere Kliniken auf der jeweiligen Website machen.
Die dritte Säule des IQM-Verfahrens ist der Umgang mit Auffälligkeiten, das sogenannte „Peer-Review-Verfahren“.
Dafür werden Ärzte-Teams aus anderen IQM-Kliniken zusammengestellt, die in die Klinik mit der Auffälligkeit fahren.

Ursachen sind oft Prozesse, die einfach besser zu organisieren sind. Die Idee dahinter ist, voneinander zu lernen.

Die konstruktive Arbeit an den Auffälligkeiten hat dann auch ganz konkrete Folgen für die jeweilige Klinik.
Es kann aber auch mal sein, dass die Ursache darin liegt, dass es mehr schicksalhafte Krankheitsverläufe gibt, als statistisch zu erwarten sind.
Wie und von wem werden Auffälligkeiten in einer Klinik ganz konkret festgestellt?
Wir sammeln schon seit über einem Jahr intern IQM-Daten, die wir unseren Ärzten regelmäßig zur Verfügung stellen.
Zukünftig werden unsere Daten auch bei IQM analysiert und dort wird festgelegt, welche Klinik ein „Peer-Review“ bekommt.

Auch Chefärzte unserer Kliniken werden als Peer-Reviewer ausgebildet, um die Ursachen für Auffälligkeiten an anderen Kliniken aufzudecken.

Nach erfolgter Evaluation des Verfahrens hat die Bundesärztekammer 2011 das Fortbildungscurriculum „Ärztliches Peer Review“ eingeführt. Seitdem werden die IQM Peers in Kooperation mit der Ärztekammer Berlin ausgebildet.
Warum haben sich die KMG-Kliniken zu diesem freiwilligen Schritt entschieden, das IQM-Verfahren einzuführen? Wessen Idee war das?
Das war wohl meine Idee. Wir haben das IQM-Verfahren seit mehreren Jahren beobachtet und uns dann entschieden, mitzumachen.

Das ist ein zukunftsweisendes und Erfolg versprechendes System.

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