Übungsaktion in Hagenow : Trainingsstunde am Linienbus

Zahlreiche Rollatornutzer und Rollstuhlfahrer kamen gestern auf den Kietz zur Übungsstunde. Fotos: Dieter Hirschmann
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Zahlreiche Rollatornutzer und Rollstuhlfahrer kamen gestern auf den Kietz zur Übungsstunde. Fotos: Dieter Hirschmann

Wie komme ich am sichersten mit meinem Rollator in den Linienbus? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben Vertreter der Hagenower Sanitätshäuser und Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust.

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07. Mai 2013, 07:42 Uhr

Hagenow | Wie komme ich am sichersten mit meinem Rollator in den Linienbus? Was muss ich beachten, wenn ich als Rollstuhlfahrer eine Tour im Überlandbus nach Schwerin unternehmen möchte? Diese und viele weitere Fragen beantworteten gestern Vormittag Vertreter der beiden Hagenower Sanitätshäuser Marlow und Scharpenberg zusammen mit Mitarbeitern der Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft an der Bushaltestelle vor der Schule auf dem Kietz. Bernd Thieke, Vorsitzender des Senioren- und Behindertenbeirates der Stadt Hagenow, hatte zusammen mit der Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft und den Spezialisten der Sanitätshäuser diese außergewöhnliche Trainingsstunde vorbereitet.

Schon auf der Sondertour durch die Stadt hin zum Kietz stellten die beiden Busfahrer Hermann Brumme, er fuhr den City-Bus, und Axel Stieg, er steuerte den Überlandbus, fest, dass das öffentliche Interesse für so eine Trainingseinheit recht groß ist.

"Dieses Angebot finde ich einwandfrei. Eigentlich nutzte ich bisher nicht so sehr die Möglichkeit, mit einem Bus zu fahren. Doch jetzt nach dem Training weiß ich besser Bescheid, wie ich mit meinem Rollator in den Bus hinein und wieder heraus komme. Und ich überlege mir jetzt doch eher, mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren", bekannte Margrit Hainsch aus Hagenow gestern im Gespräch mit SVZ.

Und Heiko Hödt ist sich sicher, dass er jetzt öfter mit dem Bus nach Schwerin fahren wird. "Ich bin Rollstuhlfahrer, und nach meiner Meinung ist es sehr wichtig für uns auszuprobieren, wie man in einen Bus rein und rauskommt. Die Leute lernen so, wie das geht", sagte er gestern.

Und auch die Organisatoren der Veranstaltung zeigten sich zufrieden über die gute öffentliche Resonanz. "Ich bin angenehm überrascht, dass sich so viele auf den Weg hierher gemacht haben. Für mich ist es erstaunlich, dass sich so viele Betroffene die Zeit genommen haben. Das bestätigten auch die beiden Busfahrer auf der Herfahrt. Wichtig ist für den Einzelnen, den Mut zu finden und sich zu überwinden, so ein Angebot anzunehmen. Aber viele wollen eben mobil sein, und wenn es nur zum Eis essen in die Stadt rein ist. Die öffentliche Anteilnahme heute ist ein Zeichen für mich, dass es viele auch wollen, mobil zu sein. Ohne die Sanitätshäuser als Partner wäre so eine Aktion gar nicht möglich", sagte Bernd Thieke vom Senioren und Behindertenbeirat.

"Für mich ist es beschämend, dass niemand von der Hagenower Stadtverwaltung hier reingeschaut hat, obwohl wir Einladungen rausgegeben hatten. Das wäre doch mal eine praktische Erfahrung für die Verantwortlichen, denn was ich selbst nicht erfahre, darüber kann ich dann auch nicht urteilen", sagt Bernd Thieke weiter.

Christian Rader, Geschäftsführer der Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft, zeigte sich im Gespräch mit SVZ erfreut über die gute Resonanz. "Ich glaube, wir sollten so ein Training mindestens ein Mal im Halbjahr wiederholen. Immerhin sind wir als Busunternehmen daran interessiert, dass auch diese Gruppe von Fahrgästen auch nach Schwerin kommt oder nach Pampow", sagte er mit dem Hinweis, dass die öffentlichen Bushaltestellen in Hagenow noch zu wenig barrierefrei gestaltet sind.

Kommentar von Dieter Hirschmann
Lobbyarbeit

Viele Menschen mit Handicap trauten sich gestern mit ihrem Rollator oder mit ihrem Rollstuhl auf dem Kietz auszuprobieren, wie sie in einen Bus gefahrlos ein- und aussteigen können. Doch das Training, das nach Ansicht der Organisatoren regelmäßig wiederholt werden sollte, ist die eine Seite der Medaille. Die zweite Seite sind die Voraussetzungen, die in Hagenow vorhanden sein sollten, um eben diesen Menschen mehr Mobilität zu ermöglichen. Dazu gehören entsprechend ausgestattete Bushaltestellen aber auch Absenkungen an Straßenborden und begehbare Bereiche im Altstadtbereich ohne Katzenkopfpflaster. Einiges ist bereits erreicht, doch es bedarf noch erheblicher Lobbyarbeit für diese Menschen mit Handicap, um hier im Interesse der Betroffenen voran zu kommen.

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