Hagenow : Training für den Kosovo-Einsatz

Ausbildung in scharfem Schuss auf eine angenommene Bedrohungslage im Krisengebiet, Hagenows Grenadiere stecken mitten im Training für einen möglichen Einsatz im Kosovo ab Dezember.  Fotos: Mayk Pohle
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Ausbildung in scharfem Schuss auf eine angenommene Bedrohungslage im Krisengebiet, Hagenows Grenadiere stecken mitten im Training für einen möglichen Einsatz im Kosovo ab Dezember. Fotos: Mayk Pohle

Hagenower Grenadiere bereiten sich in diesen Wochen intensiv auf ihren nächsten Einsatz vor / Bereitschaft dafür beginnt im Dezember

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10. Juli 2015, 07:43 Uhr

Wenn der Wind günstig steht, sind sie gut zu hören, die Schüsse vom Schießplatz hinter der Kaserne der Bundeswehr. Dort wird seit Tagen wieder intensiv geübt und ausgebildet: Das Bataillon bereitet sich auf seinen nächsten möglichen Einsatz vor. Derzeit spricht alles dafür, dass es ein Kfor-Einsatz im Kosovo werden könnte. Alles andere konnte Kommandeur Oberstleutnant Jan-Friedrich Tilman zwar gestern nicht ganz ausschließen. Doch ein Einsatz im Kosovo sei am wahrscheinlichsten und genau dafür werde geübt.

Die Hagenower werden vom Dezember bis Ende Juni 2016 den Kern des so genannten Standby-Bataillons mit 420 Mann bilden. Das bedeutet, die Truppe hat 14 Tage Zeit zur Alarmierung und weiter 14 Tage zur Verlegung ins Einsatzgebiet.

Dazu gibt es ein zweites Bataillon, das für alles nur 14 Tage Zeit hat. Doch bevor die Grenadiere ihren Bereitschaftsdienst antreten dürfen, müssen sie ein genau vorgeschriebenes und strenges Training in verschiedenen Etappen hinter sich bringen. Der erste Abschnitt geht in diesen Tagen nun zu Ende. Geübt wurde eine wehrhafte Auseinandersetzung mit Zivilisten einer ethnischen Minderheit, die die Soldaten bedrängen und Streit suchen. Das Ganze eskaliert soweit, dass sich die Soldaten schließlich mit Warnschüssen und später dem gezielten Einsatz der Waffe wehren müssen. Nach den Erfahrungen im Einsatzgebiet, das Bataillon war schon im Kosovo-Einsatz, ein nicht ganz unrealistisches Szenario. Dennoch sind Übungen dieser Art weit weg von den Einsätzen, wie sie in Afghanistan üblich waren.

Oberstleutnant Jan-Friedrich Tilmann, seit gut 80 Tagen im Amt, nutzt die Gelegenheit, sich seine Männer unter Einsatzbedingungen näher anzusehen. „Ich bin schon beeindruckt, was ich hier sehe. Die Mannschaften sind mit hohem Einsatz und fachlichem Wissen dabei, das sind gestandene Soldaten.“ Hier zeige sich die überdurchschnittlich hohe Verpflichtungszeit der Soldaten im Bataillon, im Schnitt haben sich die Soldaten auf eine Dienstzeit von 7,8 Jahren verpflichtet. Dazu kommt, dass das Unteroffizierskorps auch auf zahlreiche Erfahrungen zurückgreifen kann. „Natürlich besteht die Gefahr, dass einer denkt, er kann alles. Das ist eine Führungsaufgabe, dem entgegenzuwirken.“ Tilmann bekannte, dass er sich im Bataillon, aber auch in der Stadt pudelwohl fühle. Die Aufgabe als Bataillonskommandeur sei für ihn eine Traumverwendung.

Das Bataillon sei gut ausgestattet, die Ausrüstung mit Großgerät (Marder) sei so ausreichend, dass die Ausbildungsaufgaben erfüllt werden können. In den Kosovo gehen die Hagenower jedoch ohne Kettenfahrzeuge, für das frühere Bürgerkriegsgebiet reichen Radpanzer. Die müssen sich die Hagenower für ihre Ausbildung bundesweit ausborgen. Vorteil: Falls es in den Einsatz geht, ist das Gerät schon vor Ort. In wenigen Wochen wird die nächsten Ausbildungsstufe gezündet, im fränkischen Hammelburg. Später folgt dann die letzte Stufe im Gefechtsübungszentrum Letzlinger Heide. Tilmann, der auch im Kosovo Kommandeur des Bataillons sein wird, geht für die kommenden Wochen von straffer Ausbildung aus.

Weiterer Höhepunkt ist der Einzug von Teilen des Versorgungsbataillons 142 in die Hagenower Kaserne im Herbst mit mehr als 400 Soldaten.

Dann wird Hagenow mit gut 1400 Mann die größte Einzelkaserne der ganzen Brigade sein. Derzeit laufen die umfangreichen baulichen Vorbereitungen für den Umzug nach Hagenow.

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