zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 05:07 Uhr

Neuhaus : Tragischer Tod kurz vor Kriegsende

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gedenktafel für die Opfer des Granateneinschlags in der Nacht zum 1.Mai 1945 am Ort der Tragödie aufgestellt

von
erstellt am 14.Mai.2015 | 09:00 Uhr

Endlich gibt es eine Gedenktafel für die Opfer des Granateneinschlags in der Nacht zum 1.Mai 1945. Die Tafel steht am Ort der Tragödie, in der eine heute nicht mehr genau zu beziffernde Anzahl von Menschen den Tod gefunden hat, über dem ehemaligen Schutzbunker am Parkplatz des Gisela-Albrecht-Hauses in der Langen Reihe. Am Sonntag wurde die Tafel durch Jan Effinger, Geschäftsführer des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Lüneburg, Pastor Matthias Schieferdecker und Bürgermeisterin Grit Richter eingeweiht.

„Wir wollen hier mitten im Leben an Vergangenes erinnern“, eröffnete Pastor Matthias Schieferdecker die kurze Gedenkfeier im Durchgangsverkehr. „Besonders dem Drängen von Karin Toben ist es zu verdanken, dass rechtzeitig zum 70. Jahrestag des Kriegsendes diese Tafel aufgestellt werden konnte.“ Für die Gestaltung und Ausführung der großformatigen „Geschichts- und Erinnerungstafel“ zeichnet die Deutsche Kriegsgräberfürsorge verantwortlich. „Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Angehörigen Orte der Trauer zu geben. Wir tun dies auf über 800 Friedhöfen in der ganzen Welt“, erklärte Jan Effinger. Für die Hinterbliebenen der Opfer aus der Bunkertragödie gibt es schon lange keine Gedenkstelle mehr. Das Sammelgrab auf dem Neuhauser Friedhof, in dem die sterblichen Überresten der meisten Opfer bestattet wurden, existiert nicht mehr. Die Gedenktafel mit Fotos von einigen Opfern, ihren Namen und einer Darstellung der Ereignisse kurz vor dem Kriegsende in Neuhaus, nimmt nun diesen Platz ein. „Die Ereignisse in der Nacht zum 1. Mai 1945 sind besonders tragisch, da nur wenige Tage später alle Kampfhandlungen beendet wurden. Diese Menschen wurden Opfer der Starrsinnigkeit und Uneinsichtigkeit der deutschen Militärs, die hier an der Elbe ihren Irrglauben an den 'Endsieg' unerbittlich verteidigt haben“, so Effinger, der im Gedenken an die Opfer ein Totengebet sprach.

Gegen 2.30 Uhr hatte eine Artilleriegranate der alliierten Streitkräfte die Betondecke des Bunkers, in dem vor allem Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern Schutz gesucht hatten, durchschlagen und war vermutlich im Eingangsbereich explodiert. Mindestens 40 Personen bot der Bunker unter dem Hof des Kantorhauses Platz, namentlich bekannt sind fünfzehn Todesopfer: Auguste und Meta Kast, Hilda Richter, geb. Hamer, mit ihren Kindern Herbert und Helga, Swetlana Senk und ihre fünf Kinder Elisabeth, Gertrud, Siegfried, Hansgeorg und Adolf (die Kinder Gerhard und Helga überlebten die Tragödie), die 19-jährige Polin Maria und ihr Baby, zu denen keine weiteren Einzelheiten recherchiert werden konnten. Einziger Überlebender ist heute Günter Januschewski aus Garge, der durch den Granateneinschlag seine Großmutter Johanna und seine Schwester Edith verloren hat.

Bereits seit mehr als 20 Jahren wird über die Errichtung eines Denkmals für die Opfer des Granateneinschlags nachgedacht. Im März 1995 war der Bunker auf dem Kirchengelände auf Veranlassung des damaligen Pastors Friedrich Härke von Experten der Kriegsgräberfürsorge geöffnet und untersucht worden, um genauere Hinweise auf die Vorgänge und weitere Tote zu bekommen.

Man fand Skelettreste und Gegenstände wie einen Stahlhelm und Schuhe. Der Bunker wurde mit Sand aufgefüllt und verblieb als Bodendenkmal in der Erde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen