Tongrube als Naturdenkmal erlebt

Silke Gajek mit Dr. Brigitte Königstedt (l.) auf dem Naturlehrpfad.
Silke Gajek mit Dr. Brigitte Königstedt (l.) auf dem Naturlehrpfad.

Grünen-Landtagsabgeordnete Silke Gajek unternahm mit Dr. Brigitte Königstedt eine Zeitreise in den Rüterberger Tonabbau

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21. Juli 2014, 15:58 Uhr

Eine Lore, wie sie hier früher für den Transport des abgebauten Tons verwendet wurde, daneben eine Info-Tafel über den Naturlehrpfad. Für Silke Gajek, Landtagsabgeordnete von B90/Die Grünen, war der Besuch der Rüterberger Tongrube eine Station ihrer diesjährigen Sommertour, die sie mit Fahrrad und Campingzelt nach Rüterberg, einem Ortsteil der Stadt Dömitz, führte. Willkommen geheißen wurde die Politikerin von Dr. Brigitte Königstedt, von Hause aus Biologin und lange Jahre in der Naturparkverwaltung Elbetal in Tripkau tätig. Sie gehörte 1991 zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins „Naturschutz Elbetal e.V.“.

Ein geschichtsträchtiger Spaziergang durch die Stille der Natur und eine Reise in die Vergangenheit erlebt der Besucher dieses Naturdenkmals. Wer heute die ortsnahe Rüterberger Tongrube besucht, den umfängt eine stille und reiche Natur.

Das war nicht immer so. Denn seit dem frühen 19. Jahrhundert, wie es auf der Internetpräsentation des Fördervereins zu lesen ist, wurde hier zunächst vereinzelt und seit 1889 industriell Ton abgebaut. Dieser wurde zur Verarbeitung ins Klinkerwerk an die nahe Elbe transportiert. Es handelt sich bei der Tongrube also um eine Industriebrache, die heute aus ca. 13 Hektar Wald und drei Hektar Wasserfläche besteht. „Ein sehr idyllisches Fleckchen, wo man die Natur noch so richtig genießen kann“, sagte Dr. Brigitte Königstedt. Der See ist sehr fischreich, deshalb ist auf Betreiben des Fördervereins hier auch das Angeln verboten, erläutert die Natur- und Umweltexpertin.

Schon lange vor der Friedlichen Revolution (1989) hatte man hier alle Industrieanlagen abbauen müssen. Hänge, Schluchten und Halden blieben zurück. Doch die Natur eroberte sich diese Flächen zurück. Schon bald besiedelten Pionierpflanzen – allen voran Robinien, Espen und Sandbirken die Rohböden, bis schließlich im Laufe von Jahrzehnten ein strukturreicher Laubmischwald entstand, wie es der Beschreibung durch den Förderverein zu entnehmen ist. Er gibt einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt Heimat. Die Tongrube füllte sich mit Wasser. Um den heutigen See kann man auf einem interessanten Rundweg nicht nur die Spuren menschlichen Wirkens, sondern auch das Ergebnis einer fast 50 Jahre währenden natürlichen Entwicklung entdecken.


Förderverein erwarb im Jahr 2000 das Gelände


Bis in die 1950er-Jahre blieb das gesamte Abbaugebiet Eigentum der Unternehmerfamilie Herr. Im Jahr 2000 erwarb der Förderverein „Naturschutz Elbetal e.V.“ das Gelände von der Nachfolgerfamilie, einer Erbengemeinschaft. Seitdem obliegt dem neuen Eigentümer Unterhalt, Betreuung und Pflege. Zunächst baute er den gut einen Kilometer langen Rundweg aus, legte ihn als informativen Naturlehrpfad an und stellte zum Verweilen rustikale Bänke auf. Heute erzählen auf diesem Weg einzelne Informationstafeln und -stände von vergangener und gegenwärtiger Naturgeschichte. „Aktuell haben wir als Förderverein etwa 50 Mitglieder, die nicht nur aus der Region, sondern auch aus Hamburg stammen“, so Dr. Brigitte Königstedt. Alle Informationen heben naturkundliche Gegebenheiten hervor. Zu ihnen gehören neben der heutigen Artenvielfalt im Biotop vor allem die geologischen Vorkommen. An zwei Geotopen wird gleich „Geologischen Fenstern“ auf sogenannte Tropfenböden und Diatomeenkohle hingewiesen. Diese kommen nur hier so schön zur Anschauung. Auch Silke Gajek ist fasziniert von diesem schönen Flecken Natur. Die Schönheiten der Region hat sie ja auch schon bei ihrer vorjährigen Sommertour kennengelernt, als sie mit dem Boot auf den Wasserstraßen des Kreises unterwegs war. Und da wurde die Grünen-Politikerin auch hautnah mit dem Problem der Naturschützer aus der Lewitz-Region konfrontiert, die sich vehement gegen die Fällung von Lewitz-Eichen zur Wehr setzen, die im Zuge der Dammsanierung aus Hochwasserschutzgründen weichen sollen. „Bei diesem Thema müssen wir dranbleiben und auch die Öffentlichkeit für unser Anliegen sensibilisieren und mit einbeziehen. Auch die Bundestagsabgeordneten von MV wollen wir dafür mit ins Boot holen. Mit Ralf Ottmann vom Lewitznetzwerk halten wir in dieser Sache regelmäßig Kontakt. Ich will mich dafür einsetzen, alle Eichen zu erhalten.“





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