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Tierschutz adé: Bürger bleiben auf Kosten sitzen

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erstellt am 25.Okt.2012 | 05:27 Uhr

Hagenow/Moraas | Katzen entwickeln sich zunehmend zur Plage. Die Ordnungsämter Hagenow und Hagenow-Land fühlen sich nicht zuständig. Katzen seien keine Fundtiere, so die Begründung - geregelt in einem Erlass des Ministeriums von 1998. Doch ein neuer soll her, hieß es von der Pressestelle in Schwerin. Bis dahin bleiben tierliebe Bürger und das Tierheim, die sich der Sache annehmen. Sie sind angesichts der aktuellen Regelung entsetzt.

So wie Uwe Sommerfeldt aus Moraas. Erst jetzt hat er wieder fünf Wochen alte Kätzchen aufgenommen. Gefunden in einem nahegelegenen Wald. Dass ihn das Amt Hagenow-Land nicht unterstützt hat, kann er kaum fassen. "Was ist denn das für ein Tierschutz?", so Sommerfeldt.

Katzen gelten meist als herrenlose Tiere, oft ohne Halsband, das auf einen Besitzer schließen würde, erklärt Ordnungsamtsleiterin Janine Holz. Anders sei es bei Hunden oder Pferden. Sie stellen zudem eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, weshalb sich die zuständige Kommune darum kümmern müsste. Mehr als 4000 Euro bezahlt das Amt Hagenow-Land jährlich für die Unterbringung und Versorgung solcher Tiere. Müsste es sich noch für alle Katzen sorgen, würden die Kosten explodieren, so Janine Holz. Ähnlich handhabt es die Stadt. Mathias Lidzba, Teamleiter Ordnung und Soziales, nennt nur eine Ausnahme: Rassekatzen.

Uwe Sommerfeldt hat jetzt selbst für die Erstversorgung der Kätzchen im Hagenower Tierheim gezahlt. Um den Rest kümmert sich die Chefin Karin May. 80 Katzen beherbergt sie derzeit. Viel zu viele. "Und es werden immer mehr", sagt sie. Momentan muss sie deshalb alle vertrösten, die eine gefundene Katze abgeben wollen. Kein Platz mehr. Und kein Geld. Kastrationen, Impfungen, Entwurmungen - allein die Tierarztkosten gehen jedes Jahr in die Tausende. "Das treibt mich fast in den Ruin", sagt die Tierheimchefin.

Es müsse dringend eine neue Regelung für die Katzen gefunden werden, sagt sie. Sonst entwickeln sich die schmusigen Vierbeiner immer mehr zur Plage. Vor allem sei auch jeder private Halter gefragt. Nur mit Kastrationen könne man der Situation Herr werden.

Vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz ist auf Nachfrage von einem neuen Erlass die Rede, über den noch endgültig abgestimmt werden muss. Dieser unterstütze eine Initiative der Veterinärämter der Landkreise. Ziel sei es, mit einer Fachaufsicht flächendeckend Unterbringungskapazitäten für aufgefundene Tiere zu schaffen. Zudem setze sich das Ministerium dafür ein, dass die Länder bundesrechtlich dazu ermächtigt werden, unkontrollierte Vermehrung von Katzen durch eigene Verordnungen eindämmen zu können. Die Bundesregierung habe den Vorschlag für die anstehende Novellierung des Tierschutzgesetzes bereits aufgegriffen. Bis auf Weiteres bleibe es aber Aufgabe der Kommune, die Katzenhalter zur Kastration ihrer Freigängerkatzen zu verpflichten.

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