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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 20:34 Uhr

Theater-Karawane feiert Halbzeit

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Nach den Vorstelllungen in Boizenburg haben bereits mehr als 2000 Besucher das Grenzstück auf dem Theaterfloß erlebt

von
erstellt am 10.Aug.2014 | 11:48 Uhr

Diese Station im Hafen der Elbestadt war leichter als die vorangegangen Spielorte. Dieses Mal gab es „richtigen“ Strom aus normaler Leitung, gespendet von den Boizenburger Stadtwerken. Sonst musste die Theatergruppe der Kulturkate ja immer auf die Hilfe starker Generatoren ausweichen. Idyllisch gelegen auch dieses Mal die Spielstätte, auf der von der Stadt abgelegenen Seite des Hafens. Auch dort, insofern bleiben die Theaterleute in der Tradition, wäre zu DDR-Zeiten niemals ein normaler Mensch hingekommen. Hafen- und Werftgelände war strenges Sperrgebiet, der Werkschutz hatte nicht umsonst einen besonderen Ruf. Und nun wurde dort, wo man früher nicht einmal fotografieren durfte, Theater gespielt. Gemessen an den Zuschauerzahlen hat sich der Erfolg des Projektes fortgesetzt. Mit den drei jetzt in Boizenburg gelaufenen Vorstellungen haben bereits 2000 Menschen das Stück „Die vergessene Brücke“ gesehen. Und es ist erst Halbzeit des aufwändigen Projektes im 25. Jahr nach dem Mauerfall.

Es gibt aber auch Rückschläge. So sind jetzt die ursprünglich im brandenburgischen Lenzen geplanten Vorstellungen abgesagt worden. „Der logistische Aufwand wäre viel zu groß geworden, das mussten wir einsehen. Wir hoffen nun, dass die Menschen aus dem Brandenburgischen, die den Spielort Lenzen im Plan hatten, jetzt zu unseren Vorstellungen ins nahe Dömitz kommen“, erklärte Volkert Matzen, der Leiter der Kulturkate.

Vor allem der Auf- und Abbau des Floßes mit allen Aufbauten und Teilen und das Schleppen an den neuen Spielort macht das ganze Projekt noch aufwändiger als es ohnehin schon ist. Zudem gab es für Lenzen bisher auch nicht besonders viele Vorbestellungen. Dort, flussaufwärts, ist die Lübtheener Kulturkate auch nicht so bekannt.

Doch die Absage an Lenzen schmälert den Erfolg des Projektes nicht. So sind es immer noch 15 Vorstellungen, die an den verschiedenen Orten entlang des Flusses, der einst Ost und West trennte, gegeben werden. Viele Zuschauer nehmen weite Wege auf sich, um das Stück in seiner ganz besonderen Beleuchtung am Fluß und mit der schwimmenden Bühne zu erleben und zu genießen. So waren z. B. zur Vorstellung am vergangenen Freitagabend viele Schweriner extra nach Boizenburg gekommen. Unter ihnen auch einige Sparkassenmitarbeiter. Das war aber kein Zufall, gehört doch das Kreditinstitut schon seit vielen Jahren zu den verlässlichsten Unterstützern des Kulturkate. Auch an anderen Stellen geht es ohne freundliche Hilfe nicht. Stark eingebunden ist auch das Vielanker Brauhaus, das im Gegenzug natürlich auch seine Getränke anbieten kann. Treuer Unterstützer des Projektes ist aber auch der Bäckermeister Manfred Ickert mit seiner Mannschaft. Nicht zu vergessen der Hagenower Elektrofachmann Christian Jessel, der sich um die Sicherung der Stromversorgung verdient gemacht hat und bei fast jeder Vorstellung dabei ist. Natürlich nutzen alle die Chance für ihr Unternehmen zu werben.

Und das Stück selbst? Es kommt bei den meisten gut an. Wie es sich für ein Sommertheater gehört, wird auch viel gelacht. Doch das geht nicht immer, dafür ist der Hintergrund zu ernst. Und so berichten viele, dass sie mit dem Stück auch an die schon fast vergessene Zeit der Teilung sehr intensiv zurückdenken. Denn das Thema Grenze hat über 40 Jahre lang entlang der Elbe eine fast übermächtige Rolle gespielt und sehr viele Menschen in ihrem Alltag beeinflusst.

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