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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 12:34 Uhr

Teurer Kraftstoff lockt Kriminelle an

vom

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erstellt am 24.Feb.2012 | 10:24 Uhr

Hagenow | Die Diebstähle auf den Baustellen im Bereich des Polizeireviers Hagenow nehmen kein Ende. So das Fazit aus einem Gespräch mit Polizeihauptkommissar Dietmar Vorbeck, der derzeit das Hagenower Revier leitet. Die anhaltend hohen Spritpreise rufen offenbar immer öfter Dieseldiebe auf den Plan. So registrierten die Beamten im Januar fünf und im Februar bisher zwei Kraftstoffdieb stähle. Vor allem auf Baustellen trieben die Täter ihr Unwesen.

Der Bagger als Zapfsäule - Dieseldiebe machen sich im Landkreis Ludwigslust -Parchim immer häufiger an Agrar-, Meliorations-, Forst- und Baufahrzeugen oder auch an geparkten Lkw zu schaffen. Schwere Maschinen ziehen offenbar auch schwere Jungs an. Besonders auf mobilen Baustellen wird Diesel geklaut - und das nicht zu knapp. Immer höhere Preise führen bei den Tätern offensichtlich zu einer immer niedrigeren Hemmschwelle.

"Es werden Mengen zwischen 400 bis 1300 Litern gestohlen. Da sind Profis am Werk. Denn um solche Menge schnell umzuzapfen und zu transportieren, bedarf es schon einer gewissen Kaltschnäuzigkeit", berichtet Vorbeck weiter. "Es werden oft falsche Kennzeichen verwendet. Man ist also darauf vorbereitet, beobachtet zu werden."

Die Täter, die selbst das Tageslicht nicht scheuen, sind dreist. Tankverschlüsse werden aufgehebelt oder aufgebrochen, manchmal bohren die Ganoven sogar Löcher in die Tanks. Außerdem lassen sie oftmals auch noch Werkzeug, Batterien und Pumpen mitgehen. Die Polizei empfiehlt, die Fahrzeuge insbesondere an Wochenenden nur mit leerem Tank zurückzulassen. Zudem seien Diebe bekanntlich faul - sie wollen ihre Beute nicht weit transportieren müssen. Je ungünstiger die Tanks der Fahrzeuge zu erreichen sind, desto besser. Die Polizei rät außerdem, Firmengelände und Höfe, auf denen Baumaschinen abgestellt sind, mit einer mindestens 1,80 Meter hohen Umfriedung und zusätzlich mit Bewegungsmeldern und Beleuchtungsanlagen zu sichern. Der Einbau von Siebverschlüssen erschwere das Abzapfen zudem erheblich. Angeboten würden ebenfalls elektronische Alarmanlagen, die auch mit dem Handy verbunden werden könnten.

Aber auch auf parkende Lkw haben es die Täter vermehrt abgesehen. Während die Fahrer in ihren Kabinen schlafen, zapfen die Täter heimlich den Kraftstoff aus den Tanks. Die Kriminellen schleichen zum Parkplatz und pumpen dreist die Tanks ab. Organisierte Kriminalität vermutet die Polizei jedoch nicht hinter dem groß angelegten Diesel-Klau. Das seien wohl ganz normale Leute, die für den Eigenverbrauch abzapften. Die Polizei warnt jeden Käufer davor, sich in den Besitz von preiswertem Diesel zu bringen. Der Hehler werde genauso bestraft wie der Stehler. Wer von einem Dieb kaufe, mache sich ebenfalls strafbar.

Mit einer kuriosen Masche sind derzeit immer wieder sogenannte Pannen-Lkw-Fahrer an Autobahnrastplätzen, Abfahrten oder mitten auf den Straßen unterwegs, um Kraftstoff zu erbetteln. Die Polizei warnt auch vor diesen "Dieselbettlern". Dreist und unbelehrbar seien sie seit Monaten unterwegs. In diesem Zusammenhang rät Boizenburgs Revierleiter Egon Gruhlich eindringlich davon ab, auf diese Mitleidstour einzugehen. Die Masche sei immer die selbe. Nachdem ein Lockvogel bei Lkw-Fahrern dringend um Diesel für den liegengebliebenen Laster bitte, pumpe deren Begleiter dann oftmals ein Vielfaches des "geschenkten" Sprits ab. So sei es vor Jahren auf der B 5 passiert, dass einem hilfsbereiten Traktorfahrer so viel Sprit aus seiner Maschine abgezapft worden sei, dass dieser es nicht einmal mehr nach Hause geschafft habe und selbst liegengeblieben sei.

"Neben dem betrügerischen Erbetteln macht sich auch der Lkw-Fahrer strafbar, da der Diesel im Tank normalerweise nicht sein Eigentum ist", warnt Gruhlich. Er und seine Kollegen haben allein in diesem Jahr fünf Platzverweise gegen Diesel-Bettler ausgesprochen und durchgesetzt.

Ein Hinweis, dass auf der B 195 zwischen der Anschlussstelle Zarrentin und Gallin vermutlich um Diesel gebettelt werde, ging Anfang letzter Woche in der Einsatzleitstelle Rostock ein. Am Ereignisort wurden von den Beamten zwei Personen festgestellt. Durch die Fahndungsüberprüfung stellte sich heraus, dass gegen eine Person ein Vollstreckungshaftbefehl der Staatsanwaltschaft Erfurt vorliegt. Der 31-Jährige wurde festgenommen und in den Nachmittagsstunden der JVA Bützow überstellt. Gegenüber der zweiten Person wurde ein Platzverweis ausgesprochen und durchgesetzt.

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