Umzug in Landeshauptstadt : Tessiner Suchtklinik bald in Schwerin

Peter Grosch lädt seit fast 30 Jahren zu einer besonderen Weihnachtsfeier ein.
Peter Grosch lädt seit fast 30 Jahren zu einer besonderen Weihnachtsfeier ein.

Evangelische Suchtkrankenhilfe MV modelt Standorte im Land um, legt sie zusammen und verbessert durch Neubauten und Modernisierungen die Standards

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06. April 2017, 21:00 Uhr

Zwei neue Kliniken fürs Land: Weil die Standards in den alten Häusern nicht mehr genügen, investiert die Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern jetzt in den Neubau von zwei neuen Häusern in Rostock und Schwerin. „Wir müssen“, sagt Geschäftsführer Peter Grosch auf Nachfrage. Die alten Klinik-Gebäude in Rostock, Feldberg und Tessin bei Wittenburg entsprechen nicht mehr den Normen, die heutzutage einzuhalten seien. Stichwort Barrierefreiheit und Ein-Mann-Zimmer, das alles werde es in den neuen Kliniken geben. Die Einrichtung in Serrahn will die Suchthilfe dagegen umfangreich modernisieren.

In Tessin werden die Patienten und das Personal noch eine Weile mit den alten Standards leben müssen. Weil es seit Jahren „einfach vorne und hinten nicht mehr stimmt“, suchte die Suchthilfe lange nach einem geeigneten neuen Standort, so Peter Grosch. Zuletzt war ein Neubau in Ludwigslust im Gespräch, direkt neben dem Stift Bethlehem (SVZ berichtete). Der Vorteil dort: Man hätte Synergie-Effekte nutzen können, erklärt der Geschäftsführer. Das Krankenhaus in der Nähe, eine Küche, eine gute Verkehrsanbindung. Doch „es kam der Lärmschutz dazwischen“. Peter Grosch stand selbst eine Stunde auf dem Grundstück an der Bahnstrecke und erlebte, was dort alles „vorbei donnert“.

Jetzt soll es Schwerin werden. Eine neue moderne Klinik mit 52 Plätzen, wie bereits jetzt im Schloss Tessin. Die Grundstücksverhandlungen mit der Stadt laufen laut Peter Grosch noch. In der kommenden Woche will man sich einig sein. Der neue Klinikalltag in der Landeshauptstadt könnte dann im Frühjahr 2019 starten. Die Investitionen kann der Geschäftsführer noch nicht beziffern.

Zum Standort lässt sich schon so viel sagen: Die Suchtkrankenhilfe bevorzugt Lagen am Stadtrand. Denn fast alle Patienten halten einen Hund. „Er ist alles für die Abhängigen“, erklärt Peter Grosch. Partner, Beschützer und ständiger Begleiter. Das gehört zum Konzept.

Zwölf Millionen für Klinik in Rostock

Die Suchtkrankenhilfe verspricht sich Vieles von einer neuen Klinik in der Stadt. Nicht nur logistisch werde einiges einfacher. Einkaufen, Arztbesuche – vieles sei bisher im abgelegenen Tessin sehr aufwändig. In Schwerin dagegen „werden die Klienten selbstständiger“, hofft Peter Grosch.

Und noch etwas verspricht sich der Geschäftsführer von dem „Umzug“. Viele Klienten haben keinen Schulabschluss. „Wir hoffen, dass wir uns in Schwerin besser auf das Thema Arbeit forcieren können.“ Über Praktika in Betrieben oder Kurse an der Volkshochschule zum Beispiel. Denn manchmal müsse man nur die Genies rauskitzeln, auch, wenn es ein langer Weg sei. Viele „sind nicht doof“. Peter Grosch erzählt von Siegfried. Der junge Mann holte vor Jahren diverse Schulabschlüsse nach, bis hin zum Abitur. Heute ist er Gebietsleiter bei einem großen Discounter.

In Rostock ist man schon weiter mit den Neubau-Plänen. Nachdem die Mietverträge in der Hansestadt und in Feldberg nach 20 Jahren ausgelaufen waren, nutzt die Suchthilfe jetzt ihre Chance für bessere Standards. Der Rohbau für die neue Klinik steht bereits, mit Kapazitäten für spätere Anbauten. Kostenpunkt: zwölf Millionen Euro.

Ab Frühjahr 2018 soll sie Platz für 100 Suchtkranke bieten. Bisher betreuen die Mitarbeiter bis zu 72 Klienten in der Hansestadt, weitere 52 in Feldberg. Das sind nach dem Umzug einige Plätze weniger fürs Land. „Die Nachfrage ist nicht mehr so da“, begründet Peter Grosch. Drei Häuser seien immer gut belegt gewesen, eines nicht. Obwohl das aus Sicht des Geschäftsführers nicht daran liegt, dass es weniger Suchtkranke im Land gibt. „Wir müssen nur die Zugangswege verändern“

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