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Streit um neue Ställe : Tausende Bio-Hennen für Bantin?

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Auricher Investor Heik Frerichs hat derzeit gute Aussichten auf Genehmigung seines Antrages. Gegner aus Bantin setzen auf den Kreis

von
erstellt am 28.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Seit gut zwei Jahren wird in dem Zarrentiner Ortsteil darüber gestritten ob der Investor Heiko Frerichs seine beiden großen Ställe für jeweils 12 000 Legehennen auf einer Fläche zwischen dem ehemaligen Bahnhof und der Landesstraße Wittenburg-Zarrentin errichten kann. Es ist bereits die zweite Planungsrunde, die derzeit läuft und ihrer entscheidenden Phase entgegen geht. Denn nach einigem Widerstand hat die Investorenfamilie, die  nahe Aurich einen großen Biohof betreibt, die Planungen noch einmal leicht verändert und die geplanten großen Ställe noch um etliche Meter  verschoben. Trotz des erneuten klaren Neins aus der Stadtvertretung und des Widerstandes von vielen Bantinern, hat das Projekt derzeit gute Aussichten auf Genehmigung. Das bestätigte Andreas Wißuwa, zuständiger Fachdienstleiter für die Bauplanung im Landratsamt. „Wir haben nach Aktenlage zu prüfen, und bei dem Projekt handelt es sich um so genannte priviligierte Anlage im Außenbereich. Somit spricht laut Planungsrecht wenig dagegen. Die bisherigen Begründungen für das Nein der Stadt reichen nicht aus. Wir haben im Zuge des Verfahrens der Stadt jetzt noch einmal Gelegenheit gegeben, ihre Bedenken zu formulieren und neue Gründe vorzubringen. Aber es gibt Fristen, und der Investor hat auch Rechte.“

Heiko Frerichs kennt die Widerstände, hält an seinem Projekt fest. Die Legehennen würden in Abteilungen zu je 3000 nach strengem Biostandard mit den entsprechenden Ausläufen gehalten. Um die Ställe kämen Hecken, man habe Verträge mit Landwirten aus der Region, die einen Großteil des Futters lieferten und auch den Vogelkot zurücknehmen würden. „Ein Teil meiner Familie will sich auch in Bantin ansiedeln, das entsprechende Grundstück für das Haus haben wir schon“, so Frerichs im Gespräch mit der SVZ. Zudem habe er das Gespräch mit den direkt vom Stallbau betroffenen Nachbarn gesucht und sei sich einig geworden. Ein Gespräch mit den harten Gegnern der Ansiedlung hält der Bio-Bauer für sinnlos. Diese seien nicht zu überzeugen.

Gemeint sie hier vor allem Jörn Philipps und Rolf Ziebarth, die als Nachbarn betroffen sind und vor Monaten 90 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt haben. Sie fürchten Staub, Kotpartikel, Krankheitskeime, Ammoniakgeruch und Lärmbelästigung. Ihre letzten Hoffnungen ruhen nun auf dem Kreis und vielleicht auch auf der Stadt Zarrentin.

Kommentar "Riecht Bio anders?" von Mayk Pohle

Die Frage wird sich stellen in Bantin, denn juristisch sind die neuen Ställe für Tausende Legehennen kaum noch zu verhindern. Die Gegner fühlen sich angesichts der Gesetzeslage ohnmächtig, der Investor im Recht. Und der Landkreis wird kaum anders können, als dem zuzustimmen. Das Nein aus der Stadtvertretung Zarrentin wird keine Rolle spielen. Und die Bantiner werden es dann erfahren, ob Bio-Landwirtschaft anders riecht als Konventionelle. Im Kern steht hinter dem Streit auch die Frage, welche Art Landwirtschaft wir wollen. Denn 24000 Hennen sind trotz des Bio-Siegels ja weit weg von jeder Bauernhof-Idylle. Doch andererseits, frische Eier wollen wir auch alle kaufen, preiswert natürlich.
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