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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 05:07 Uhr

Zarrentin : Tagesmütter als Stütze der Region

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Julia Krzyzanowski und Jenny Bretsch sind mit „Schaalseepiraten“ in Galliner Straße gezogen. Zarrentins Bürgermeister lobt ihre Arbeit

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 08:00 Uhr

„Wir haben uns nicht gesucht, aber dennoch gefunden, durch Zufall“, erinnert sich Julia Krzyzanowski an die Anfänge der „Schaalseepiraten“. Das ist jetzt siebeneinhalb Jahre her, als der 34-Jährigen ihre Mitstreiterin Jenny Bretsch erstmals über den Weg lief.

„Wir ergänzen uns super und wollten, obwohl wir aus artfremden Berufen kommen, immer schon mit Kindern arbeiten“, sagt Jenny Bretsch, die gebürtig aus Perleberg stammt. Dank einer Umschulung sind beide junge Frauen zertifizierte Tagesmütter, begannen ihre Tätigkeit in der Hauptstraße. Nun haben sie vor kurzem ihr Domizil in der Galliner Straße eröffnet. „Wir wollten uns räumlich verändern“, betont Julia Krzyzanowski, deren Wiege einst in Mühlheim an der Ruhr stand. Seit 2006 lebt sie in der Schaalseestadt.


Internet half bei der Haus-Suche
 

Über das Internet habe man eine neue Bleibe gesucht und schließlich in der Doppelhaushälfte gefunden, berichtet Jenny Bretsch. Das Haus habe eine perfekte Aufteilung, sagt die 32-Jährige. Das Jugendamt habe grünes Licht gegeben, das zuständige Bauamt auch. Auch das Einverständnis der Nachbarn links und rechts sei eingeholt worden. „Am Ende haben wir das Haus mit sehr vielen fleißigen Helfern renoviert. Mit Geld und Sachspenden haben uns das Fischhaus, das Bizarr, Klaus Kuntoff und Andy Redner geholfen“, berichtet Jenny Bretsch weiter. Zehn Betreuungsplätze für zehn Mädchen und Jungen im Alter von einem bis drei Jahren seien so entstanden. „Danach besuchen die Mädchen und Jungen dann den Kindergarten“, sagt die junge Frau.

„Die Kinder zaubern uns jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht“, schwärmt Julia Krzyzanowski, die ihre Arbeit über alles liebe, wie sie verrät, während sie in der kleinen Küche in den Töpfen rührt. Frisch kochen gehört zum erklärten Willen der beiden Frauen. Beim Besuch der SVZ werden Schmorgurken zubereitet. „Die Eltern brauchen nichts zu Essen mitgeben, bei uns bekommen die Kinder alle das Gleiche.“


Durch Kinder gelernt, das Leben anders zu sehen
 

Das Leben etwas entspannter zu sehen, habe sie durch die Kinder gelernt, gesteht Jenny Bretsch im Gespräch mit der Redaktion. „Sich an den kleinen Dingen erfreuen zu können, das machen uns die Steppkes tagtäglich vor.“

Für Bürgermeister Klaus Draeger, der die beiden Frauen bei ihrem Domizilwechsel bestärkt hat, ist das erweiterte Angebot in der Pampriner Siedlung „unbezahlbar“. Denn wo Kinder betreut würden, könnten Eltern beruhigt zur Arbeit gehen. „Wir als Stadt haben uns auf die Fahnen geschrieben, kinderfreundlich zu sein. Innerhalb von zwei Jahren ist es uns gelungen, in der Stadt und ihren Ortsteilen zwei neue Kitas zu bauen. Doch leider sind wir immer noch in der Situation, nicht allen Elternwünschen gerecht werden zu können. Deshalb sehe ich mich auch ganz persönlich in der Pflicht, die Tagesmütter zu unterstützen. Das ist mir ein Herzensbedürfnis. Denn sie sind für die Region eine ganz große Stütze. Ich habe für ihre Sorgen und Nöte deshalb auch immer ein offenes Ohr.“

In Mecklenburg-Vorpommern betreuen rund 1200 Tagesmütter und -väter derzeit etwa 5000 Mädchen und Jungen in den Städten und auf dem Land. Nur in Rostock und im Landkreis Ludwigslust-Parchim finanzieren die Jugendämter bisher Vertretungs-Tagesmütter, die bei Bedarf einspringen.

Tagespflegepersonen, wie es im Amtsdeutsch offiziell heißt, sind formal selbstständig. Was sie verdienen, besimmt das Jugendamt der jeweiligen Kommune. Dort wird die Vergütung festgelegt. Alle Risiken als Selbstständige tragen sie in der Regel selbst.

Arite Klatt, Vorsitzende des Kindertagespflegevereins Ludwigslust-Parchim e.V., wünscht sich mehr Anerkennung für den Beruf der Tagesmutter. Ihre Anzahl beziffert sie im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf ungefähr 160. Man habe die gleichen gesetzlichen Vorgaben wie die Erzieher. Und mitunter recht lange Arbeitstage. „Das erste Kind kommt nicht selten bereits um Fünf Uhr in der Frühe und das letzte wird gegen 20 Uhr abgeholt“, berichtet die stattlich anerkannte Tagesmutter, die sich nicht als Konkurrenz zu den Kindertagesstätten verstanden wissen will.

 

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